Gemalte Gefühle

Leena Zihlmann-Kaasalainen hängte den Zahnarztkittel an den Nagel und widmete sich ihrer wahren Passion: der Kunst. Nicht ihre erste mutige Entscheidung …

Denkt Leena Zihlmann-Kaasalainen aus Muri an mutige Menschen, fallen ihr als Erstes die Skirennfahrer ein, die sich halsbrecherisch den Hang hinunterstürzen. Oder Fallschirmspringer. Das würde sich Leena nie trauen, in solchen Dingen sei sie ein Angsthase. «Aber Mut kann auch etwas Sanftes sein», philosophiert die Künstlerin mit finnischen Wurzeln. Ihre künstlerische Ader offenbarte sich während der Sekundarschule; nicht zuletzt dank ihrer Lehrerin, die ihre Begabung erkannte und förderte. Aber Künstlerin als Beruf? Diesen Gedanken fasste Leena gar nicht erst, etwas Bodenständiges sollte es sein! So genoss sie nach der Matura eine Ausbildung zur Krankenschwester. Nach dem Abschluss reiste sie in die Schweiz, um hier ein Jahr zu arbeiten – daraus wurden 34 Jahre. Ins Ausland gehen, tausende Kilometer weit weg vom geborgenen Zuhause, kostete die damals erst 21-Jährige Mut. Den Schritt zu wagen und auf eigenen Beinen zu stehen, sei bereichernd gewesen. Im Studium der Zahnmedizin fand Leena bald eine neue Herausforderung – und zurück zur Kunst.

Leena Zihlmann-Kaasalainen 

«Stärke zeigt sich oft im Leisen.»

 

Sie wagte sich an grossformatige Bilder, entfesselte ihre ganze Kreativität, wuchs über sich hinaus: Kurz nach dem erfolgreichen Staatsexamen stellte sie erstmals ihre Werke aus, die sie allesamt während der intensiven Schlussphase des Studiums kreierte. Ihr Schaffen der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, raus aus dem intimen Rahmen ihres Ateliers, verlangt ihr damals wie heute Stärke ab: «Mit meinen Bildern gebe ich mein Innerstes preis und lasse andere daran teilhaben.» Leena öffnet ihren Blick für das Schöne und übersetzt Stimmungen aus der Natur in harmonische Kunstwerke. Leena tastet sich mit Pigmenten Schicht für Schicht zu den «Seelenlandschaften» vor, die mit ihrer Sanftheit berühren. Sie massiert die Farben mit blossen Händen ein, dabei sitzt oder kniet sie am Boden. «Nicht gerade rückenfreundlich», bemerkt sie augenzwinkernd. Ihre Inspirationsquelle ist die Natur, zum Beispiel die Aare, an der sie oft mit ihrem Hund entlangspaziert. «Die Aare bezaubert jeden Tag mit einer anderen Farbe, von türkis bis flaschengrün», schwärmt die 55-Jährige. Erzählte Leena, sie male in ihrer Freizeit, wurde das sofort in die Schublade «Hobby» gesteckt. Doch für sie war und ist die Kunst mehr als das: eine Berufung. Nach 18 Jahren kehrte sie der Zahnarztpraxis den Rücken und widmete sich vollständig der Malerei. Die sicheren Gefilde zu verlassen, hat Mut und Entschlossenheit gebraucht. «Aber es war ein befreiendes Bekenntnis zu meiner Leidenschaft – und zu dem, was ich wirklich will.»

«Der erste Farbtupfer braucht genauso viel Mut wie der letzte», so Leena.