Das schönste Hobby der Welt

Nach Feierabend tauscht Daniel Ducret Anzug gegen Anglermontur: Der begeisterte Fischer will mit dem neuen Verein «Highland Fishing» andere für seine Leidenschaft begeistern und sensibilisieren.

Daniel Ducret aus Hünibach war acht Jahre alt, als er am «Burgseeli» in Interlaken zum ersten Mal eine Fischerrute in den noch unsicheren Händen hielt. Rund 15 Jahre später zieht er aus dem Thunersee, von dem er jeden noch so versteckten Winkel kennt, wahre Prachtexemplare und präsidiert den neuen Fischereiverein «Highland Fishing». Immer mehr Menschen entfliehen mit Angel und Haken der Hektik des Alltags: Die Kantone verkaufen mehr Fischerpatente denn je zuvor. Allein im Kanton Bern fischen 15 000 Personen regelmässig in Seen, Bächen und Flüssen – gleichzeitig schrumpfen die Mitgliederzahlen der Fischereivereine. Das will Daniel ändern, und zwar mit dem Verein, den er mit fünf Freunden, einem «Haufen Spinner», vergangenen Herbst gründete: «Wir bringen eine frische Brise in die Vereinsszene, der ein verstaubtes Image anhaftet. Insbesondere Junge wollen wir dazu bewegen, einem Verein beizutreten.» Fischereivereine geben einen Teil ihrer Mitgliederbeiträge an den Kanton ab, der diese wiederum in den Gewässerschutz und andere nachhaltige Massnahmen investiert. «Es liegt uns am Herzen, der Natur ebenso viel zurückzugeben, wie wir von ihr nehmen. Deshalb setzen wir uns mit verschiedenen Aktionen dafür ein, die naturnahen Lebensräume und die Artenvielfalt zu erhalten», betont Daniel. Weiter gehe es darum, ein Netzwerk aufzubauen und Erfahrungen auszutauschen. Fischen verlangt nach fachlichem Wissen, das sich Einsteiger am besten in speziellen Kursen aneignen. Allein das kantonale Reglement ist mit saftigen 50 Seiten ein «dicker Fisch». Für Monats- und Jahrespatente ist ohnehin ein anerkannter Sachkundenachweis erforderlich. «Man kann viele Fehler begehen, ohne bösen Willen. Manche hören mit Fischen auf, nur weil sie falsch begonnen haben», weiss Daniel aus seinen Anfangszeiten. Einen ersten Überblick über Wissenswertes rund um «das schönste Hobby der Welt» bieten die Jungs auf ihrer Webseite. Zum Beispiel der Countdown, der im Minutentakt anzeigt, wie lange es noch bis zur Saisoneröffnung bestimmter Fischarten dauert. Daniel fiebert Jahr für Jahr dem Saisonstart des Hechts entgegen. Sein räuberischer Favorit ist mit bis zu 130 cm Länge der grösste Fisch in hiesigen Gewässern. «Klar ist mein Ziel, einen Fisch zu angeln. Wenn es nicht klappt, ist das nicht weiter tragisch. Ich bin frei von Druck, schliesslich muss ich mit meinem Fang keine Familie ernähren», schmunzelt der 26-jährige Bankangestellte. Bedeutender sei, sich zu erholen und die sagenhaften Stimmungsbilder zu geniessen, welche die Natur ständig neu malt. «Meistens beisst gerade dann ein Fisch an, wenn ich in Gedanken ganz woanders bin.» Daniel führt Buch über seine Fänge, um aus seinen Erfolgen Rückschlüsse auf Technik und Bedingungen zu ziehen. Sogar der Mond hat Einfluss auf das Verhalten der schuppigen Seebewohner. Eine gute Ausrüstung ist zwar wesentlich, aber zehn verschiedene Köderfarben sind teurer als sinnvoll: Meistens ist es nicht der Fisch, der auf den Köder reinfällt, sondern der Fischer selbst … Daniel fängt nur so viel Fisch, wie er frisch essen, verschenken oder mit Kollegen tauschen mag. Fischer mit prallgefüllten Tiefkühlern sind ihm ein Haken im Auge. Früher schmeckte ihm der selbst gefangene Leckerbissen nicht, heute bereitet ihm gerade geräucherter Hecht Hochgenuss. «Alle, die sagen, sie mögen keinen Fisch, haben ihn noch nie richtig zubereitet gegessen!», wagt Daniel zu behaupten. In seiner nächsten freien Minute wird er seinen Krawattenknopf lösen, mit dem Boot hinaus auf den Thunersee gleiten und seine Gedanken entlang der Oberländer Bergkette wandern lassen, bis sich die Rute ruckartig biegt …

 

«Wir nehmen nicht  einfach, sondern geben der Natur viel zurück.»

 

Schillernde Vielfalt: Entsprechend der Gewässervielfalt ist der Kanton Bern, gerade im Berner Oberland besonders artenreich. Fast alle Schweizer Fischarten, wie der Egli, sind hier heimisch. 

Berner Oberland Fischsaison

 

Seeforelle
bis 1. September

Die Art gilt als stark gefährdet, weshalb das
Fischereiinspektorat die Fangzeiten streng 
limitiert hat.
Seeforellen wachsen schnell: 
Mit 3–4 Jahren wiegen sie bereits
bis zu 3 kg. 
45 cm ist das Fangmindestmass.

 

Bachforelle
bis 1. September

Einzig der Lebensort unterscheidet Bach- von Seeforellen.
Die Bachforelle ist weit verbreitet: Im Kanton Bern kommt
sie in fast allen fliessenden und 30% der stehenden Gewässer vor.

 

Hecht
bis 1. März

Der gefrässige Raubfisch ist fast auf der ganzen Welt vertreten.
Bereits nach 7 Monaten sind Hechte bis zu 50 cm lang.
Die braungrünen Fische können bis zu 50 Jahre alt werden.