Oldtimer-Liebe rostet nicht

Mit Kind, Kegel und Käfer kurven Claudine und Mark aus Heimberg durchs Leben. Während Mark in der heimischen Garage an alten Motoren werkelt, nutzt Claudine die Stärken der Pferde für Coachings.

Im Aaretal sichtet man seit April vermehrt einen knatternden Käfer mit schillernd blauem Panzer: Er gehört unserer «Titelfamilie», die in Heimberg lebt. Sonntagsfahrer sind sie gewiss keine, Mark und Claudine. Für das Paar sind Oldtimer Alltagsfahrzeuge, mit denen sie zum «Grosi» oder zum Einkaufen fahren. Das Käfer-Cabriolet mit Baujahr 1973 ist in Marks Garage, einem ehemaligen Bauernstall, in bester Gesellschaft: «Ich habe noch ein paar andere Oldtimer, an denen ich herumschraube, sofern ich Zeit habe.» Nahe dem historischen Autofriedhof in Kaufdorf aufgewachsen, hat er schon als Kind «Benzin geleckt». Die Reparatur von allerlei Gefährten wurde zum Lieblingshobby. Den ersten Oldtimer, einen Opel Kadett, kaufte er schliesslich vor 12 Jahren für 400 Franken. Das Auto, das er selbst instandsetzte, fährt noch heute tadellos. «Ein Oldtimer ist wie ein Souvenir aus einer anderen Zeit. Und im Gegensatz zu anderen Erinnerungsstücken kann man es auch benutzen», beschreibt er seine Begeisterung. Oldtimerfahren bedeutet für ihn Abtauchen in eine andere Welt, in der alles einen Tick ruhiger und entspannter zu- und hergeht. «Oldtimerfahren versetzt mich in Feierabendlaune», so der 41-Jährige, der nicht nur an Autos «schräubelt», sondern auch über sie schreibt.

 

Sonne und Wonne im Gesicht: Familienausflug mit dem «VW Käfer 1303 LS»-Cabriolet, das mit

Jahrgang 1973 ein Jährchen älter ist als Mark Siegenthaler.

Nebenbei arbeitet er als Redaktor für ein Oldtimermagazin. Doch damit nicht genug der alten Fahrzeuge: Seit zwei Jahren organisiert er gemeinsam mit seiner Frau Claudine die «Jungfrau-Rallye». Die Rallye, bei der nur Frauen ans Steuer dürfen, findet heuer zum 10. Mal statt und führt, ausgehend von Kandersteg, durch das Berner Oberland. «Wir machen halt gern etwas Eigenes», kommentiert Mark das grosse Engagement. Seit einem Jahr bietet Claudine selbstständig Pferdegestützte Persönlichkeitscoachings in Thun an. Pferde übten schon immer eine besondere Faszination auf die gebürtige Luxemburgerin aus, sodass sie 2013 beschloss, die sensiblen Tiere in ihre Coachings miteinzubeziehen. Ebenso gerne wie auf vier Hufen, ist sie auf vier Rädern unterwegs. «Ich wünschte mir schon als Teenager einen VW Käfer», sagt die 34-Jährige. An einem Nachmittag im April wurde dieser Traum tuckernde Tatsache: Bei einer Auktion in Toffen hat Mark mitgeboten und mitgeboten … und das Käfer-Cabrio ersteigert! Auch Söhnchen Fabians Augen leuchten, wenn er das lustige Auto ohne Dach sieht. Wenn man drin sitzt, hat man freie Sicht auf die Umgebung, und wenn man die Heckklappe aufmacht, sieht man den Motor – toll! «Andere schaffen ihren Oldtimer ab, wenn sie Eltern werden, wir kaufen einen weiteren», lacht der stolze Vater. Dann heisst es anschnallen, Vaters und Sohnemanns Berets richten und die Spritztour starten, bei der Claudines rotes Haar im Wind weht.

 

« Ein Oldtimer ist wie ein Souvenir aus einer früheren Zeit. »