Die Liebe zur Tradition besiegeln

Fingerringe mit Familienwappen kommen wieder in Mode, davon ist Michael Stähli überzeugt. Der Goldschmiedemeister befeuert das Revival des Siegelrings: Er steht für Identifikation wie kein zweites Schmuckstück.

 

Einprägsam: Michael Stähli hat einen Siegelring (siehe oben) mit seinem Familienwappen angefertigt. Einerseits, weil er traditionelle Werte würdigt, sein Vater gründete die Goldschmiede 1961 in Brienz. Andererseits dient der Ring als Muster für seine Interessenten.

Was hat Sie dazu veranlasst, den Siegelring neu zu beleben?
Eines Tages öffnete ich in unserer Goldschmiede eine Schublade und fand eine Schatulle. Darin befanden sich alte Siegel von Ringen, die mein Vater für die Bernburger angefertigt hatte. Ausserdem sind Wappen noch immer allgegenwärtig: Man braucht sich nur zu achten, sei es in alten Speichern, öffentlichen Gebäuden oder Kirchen.

 

Wofür steht der Klassiker heute?
Der Siegelring symbolisiert traditionelle Werte und steht für die Familie, die als kleinste soziale Einheit eine tragende Rolle in unserer Gesellschaft spielt. Ich finde es schön, sich zu seinen Wurzeln zurückzubesinnen und sich bewusst zu machen, woher man kommt und wer man ist.

Die eigentliche Funktion hat ausgedient  …
Richtig, denn früher diente der Ring dazu, Briefe zu versiegeln. Wobei es eine romantische Vorstellung ist, wieder einmal einen Brief mit rotem Siegellack in der Post vorzufinden! Für die Empfängerin oder den Empfänger wäre das gewiss ein besonderer, intimer Moment …

Aber ohne Wappen, kein Siegel! Wie ist das Familienwappen auffindbar?
Das Staatsarchiv pflegt eine umfangreiche Sammlung von Familienwappen. Seit rund drei Jahren sind überdies 7500 Familienwappen online abrufbar, kostenlos per Klick.

Besitzt wirklich jede Familie ein eigenes Wappen?
Grundsätzlich ja. Oft entstehen allerdings Unsicherheiten, welchem Stammbaum man angehört. Zum Beispiel, wenn eine Familie ausgewandert ist – wenn ein Teil der Familie aus persönlichen Gründen, wie einer Fehde, das Wappen für sich etwas abgeändert hat, um sich abzuheben.  Wappen erzählen schliesslich Geschichten. Es spricht allerdings nichts dagegen, das Wappen zu modifizieren oder ein neues zu kreieren. Aber ein fremdes Familienwappen anzunehmen, nur weil es schön aussieht, wäre am Ziel vorbeigeschossen, zumal es darum geht, sich mit seiner Herkunft zu identifizieren und sich zugehörig zu fühlen.

Wie interpretieren Sie den Klassiker neu?
Wir haben das antike Design des Siegelrings auf die heutige Zeit adaptiert und verschiedene, moderne Formen kreiert. Unsere Siegelringe sind handgeschmiedet aus edelsten Materialien wie Weiss-, Gelb- und Roségold oder Platin. Wir benötigen einzig eine Wappenvorlage, alles Weitere besprechen wir individuell mit den Kundinnen und Kunden.

Wem steht ein solch eindrückliches Unikat?
Als prägnantes Schmuckstück den Männern, die es nebst Uhr und Trauring tragen. Freilich können auch Frauen damit eine Facette ihrer Persönlichkeit preisgeben. Der Siegelring ist zeitlos und das macht ihn zum urtümlichen Zierstück mit Zukunft!

 

Kontakt: Stähli Goldschmied, Kramgasse 67, Bern, 031 311 95 45

 

 

 

 


 
Die Geschichte des Siegelrings

Schon 2000 v. Chr. prunkten Siegelringe mit eingraviertem Hieroglyphen an den Fingern der Ägypter. Seit dem Mittelalter zieren ihn Wappen gehobener Geschlechter, was ihm die Ausstrahlung von Autorität und Macht verlieh. Ursprünglich diente der Siegelring zum Siegeln von wichtigen Dokumenten und Versiegeln von Schriftstücken. Man hat den Siegellack unter einer Flamme flüssig gemacht, das Negativ aufgedrückt und der Lack ist wieder erstarrt. Wohingegen der Siegelring einst den Adligen und Einflussreichen als Erkennungszeichen vorbehalten war, dürfen ihn heute alle tragen. Zwar hat der Siegelring seine eigentliche Funktion über die Jahrhunderte verloren, nicht aber seine Wirkung – als Signatur der Persönlichkeit.