Merci für die Büffel-Milch, Coca & Cola!

Warum in der Ferne suchen, wenn sich das Beste so nah findet? Unsere Region ist reich an deliziösen Leckerbissen, welche die Bauernfamilien «um die Ecke» mit Hingabe herstellen – und ihre Tiere gar fröhlich mit Namen grüssen.

Von weitem sehen sie aus wie pechschwarze Kühe. Je näher man allerdings schreitet, desto klarer zeichnen sich die kräftigen Konturen ab: Es sind Wasserbüffel, die hier in Amsoldingen bei Thun gemütlich grasen, als hätte man sie gerade aus einem Indianerfilm herausgebeamt. «Moni, M-o-n-i!», ruft Landwirt Daniel von Gunten den Hügel empor, wo die 20-büffelköpfige Herde mit allen Hufen auf dem Weideboden steht. Moni hat ihren Namen gehört und bringt gleich die halbe Herde mit: Das Dutzend Büffelkühe galoppiert – sodass man ein leichtes Beben wahrnimmt – zu ihrem Herrchen Daniel. Pardon, Herrchen? Richtig – was im ersten Moment komisch klingen mag, birgt viel Wahres. Tatsächlich zeigen die rund 600 Kilo schweren Prachtstiere katzen- und hundeähnliches Gebaren. Etwa, wenn sie sich hingebungsvoll an den Ohren kraulen lassen, hinter denen sich halbkreisförmige Hörner mit einer Spannweite von bis zu 1,5 Metern nach innen krümmen. Oder wenn sie sanft ihren wuchtigen Kopf an die Oberschenkel ihrer Menschen drücken, sodass man gewissermassen darauf wartet, es möge ein Schnurren ertönen. Oder wenn sie ihr rund 60 cm langes Schwänzchen mit Endquaste vor lauter Wohlsein in die Höhe heben – Hof-Hündin Kira schaut dem büffeligen Treiben aus sicherer Distanz zu.

Bei Familie von Gunten weiden 20 Wasserbüffelkühe.

 

Alles begann 2007, als Sandra und Daniel von Gunten als Alternative zum Kuhbetrieb drei Wasserbüffel erwarben. Das Paar bewirtschaftet den rund 17 Hektaren grossen Betrieb in der dritten Generation. Der Bio-Hof mit saftigem Weideland und grosszügigem, tierfreundlichem Laufstall befindet sich unmittelbar beim Amsoldingersee. Die Seefläche und die Uferzone, eingefasst von Bäumen und Schilf, ist ein Naturschutzgebiet. Auf den angrenzenden Weiden spriesst schilfiges Gras – ideal für Wasserbüffel, die weniger «schnäderfrässig» seien als Kühe. «Der Vorteil ist, dass wir für die Wasserbüffel dieselbe Infrastruktur nutzen können wie für die Kühe – einschliesslich der Melkmaschine», erzählt Daniel, der hier auf dem Hof aufgewachsen ist. Allerdings lassen sich zwei der Büffel ausschliesslich von Sandra melken. «Offenbar mögen sie keine Kurzhaarigen», lacht sie. Auch ihr haben es die Wasserbüffel sichtlich angetan. Hin und wieder gönnt sie den Büffelweibchen ein bisschen Wellness, indem sie ihre raue Haut abbürstet und sie sorgfältig einölt. Der 4,5-jährige Damiano bestaunt die «rieeesigen» Nasenlöcher der Büffel, während sein jüngerer Bruder Enea friedlich im Buggy am Feldrand schlummert. Wie die «normalen» Kühe melkt Familie von Gunten ihre Wasserbüffel zweimal pro Tag. Büffel geben allerdings wesentlich weniger Milch als Kühe, wobei diese reichhaltiger und ergiebiger ist. Zwei- bis dreimal pro Woche produzieren Sandra und Daniel auf dem Hof feinste «Mozzarella di bufala». Das rund siebenstündige Prozedere erfordert Geduld und Fingerspitzengefühl: Von der elastischen Käsemasse zupft man jeweils ein Stück ab, formt es zu einer Kugel und legt es in lauwarmer Salzlake ein. Der Name dieser traditionellen Delikatesse leitet sich vom italienischen Verb «mozzare» ab, was «trennen» bedeutet. Andere Spezialitäten aus Büffelmilch wie Raclettekäse oder Camembert produziert die Käserei Reutigen für die von Guntens – ohne Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker. Nicht nur der Gout der Produkte überzeugt, sondern auch das Wissen um die tiergerechte Auslaufhaltung der Büffel. Mit ein Grund, warum auch der Schweizer Tierschutz empfiehlt, auf einheimischen Büffel-Mozzarella zu setzen, wie eben «Bärner Bio Büffu» – da gibt es nichts zu «muhen».

 

Fotografin: Nadine Strub