Christoph Inauen: Der Schoggi-Schrittmacher

Kakaobauern stehen oft nicht auf der Schokoladenseite des Lebens. Denn sie können sich kaum ihr «Hüseli» von der Schoggi-Tafel abbrechen. Christoph Inauen will das ändern und mit «Choba Choba» die Welt verbessern.

«Im Leben fährt manch ein Zug vorbei – man muss sofort entscheiden, ob man aufspringt oder ihn vorbeiziehen lässt», sinniert der Berner Christoph Inauen. Er ist nicht auf einen «Zug» aufgesprungen, vielmehr lenkt er ihn vom Führerstand aus: Nach einem Jahr Vorbereitungszeit lancierte er im Oktober «Choba Choba».

 

 

Zuhause am Geburtsort des Kakaos
Der Ökonom studierte Entwicklungspolitik an der ETH und war für verschiedene Organisationen in Westafrika und Kolumbien tätig. In den vergangenen Jahren baute er soziale Projekte auf, deren Kern der faire Handel mit Kakao bildet. 2015 kündigte er, um sein eigenes Startup in Form zu giessen. Seine Idee ist revolutionär und stellt die Machtverhältnisse komplett auf den Kopf: Die 35 involvierten Kakaobauern sind Miteigentümer der Marke und somit direkt am Gewinn beteiligt. «Choba Choba» verbessert die Lebensbedingungen der Kakaobauern, die sonst meist am bitteren Ende der Wertschöpfungskette stehen. Sein Antrieb ist, die Welt zu verändern. «Das war schon immer so. Ein schnelles Auto und ein grosses Haus befriedigen mich nicht». Auf seinen zahlreichen Reisen nach Peru verzichtete er stets auf ein Hotel. Viel lieber übernachtete er, eingemummelt in einen Schlafsack, in einem Kämmerchen zuhause bei den Kakaobauern des Alto-Huayabamba-Tals, im Herzen des oberen Amazonasbeckens. Längst hat er sich in Land und Leute verliebt, zeigt sich beeindruckt von deren Dynamik und Umweltbewusstsein. Über die Jahre wurde der 34-Jährige Teil der Kakao-Familie, die ihn das Business lehrte: «Der enge Austausch mit den Bauern war die wichtigste Inspiration für das Projekt.»

 

 

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Schokolade liegt hierzulande bei 12 kg pro Jahr. Davon haben Kakaobäuerinnen wie Charito meist herzlich wenig. Mit dem Projekt «Choba Choba» soll sich das ändern.

 

 

 

«Hilfst du mir, so helfe ich dir»
Daher rührt auch der Name: «Choba Choba» bedeutet «Ich helfe dir, wenn du mir hilfst». Die Bauern werden nicht auf ihre Rolle als Rohstofflieferanten reduziert, sondern begegnen den Produzenten auf Augenhöhe. Seit wenigen Tagen ist das erste Produkt erhältlich: Eine Box, farbenprächtig gestaltet mit einem Werk des peruanischen Künstlers Pablo Amaringo, die drei einmalige dunkle Schokoladenkreationen enthält. Die limitierten Variationen bestehen aus einer einzigen Kakaosorte von der Bäuerin Charito. Christoph entwickelt die Geschmäcker der Verführungen in Tafelform gemeinsam mit dem «besten Schweizer Chocolatier». «So beziehen Sie Schokolade im Grunde direkt bei Ihrem Kakaobauern, wie sonst das Gemüse beim Bauern um die Ecke», erklärt er das global-lokale Konzept. An jeder verkauften Box verdient der Kakaobauer direkt mit und gewinnt an Mitsprachrecht in der AG: «Das Ziel ist nicht, möglichst viel Geld zu generieren, sondern die Lebenslage der Bauern nachhaltig zu verbessern». Finanziert hat Christoph das Startup mit Crowdfunding. In nur zwei Wochen wurde das gesteckte Ziel doppelt und dreifach übertroffen. «Überwältigend», kommentiert der geistige Vater von Choba Choba. «Es geht weniger ums Geld, sondern um die Bewegung, die in kurzer Zeit entstanden ist.» Viele möchten die Welt verändern, wissen aber nicht wie. Kommt einer, der den Stein anstösst, trifft das ihren Nerv. Apropos: Die Geschmacksnerven von Christoph sind gefragt. Er sitzt in der Jury ein, die im Rahmen des Pariser «Salon du Chocolat» die weltbeste Schokolade prämiert. In den letzten Wochen hat er 50 verschiedene Schokoladensorten getestet – ein wahrer Schoggi-Job! «Am liebsten mag ich dunkle Schokolade mit leichter Fruchtnote», sagt er geniesserisch, nicht die Kakaobohne müde vor lauter Schokolade im Leben.