Grosis Porzellan am Ohrläppchen

Designerin Elian Portmann bringt Teller und Tassen vom Tisch an die Frau: Sie verarbeitet nostalgisches Geschirr zu einzigartigen Schmuckstücken.

Elian Portmann ist eine stille Macherin, der laute Auftritt liegt ihr fern. Die Mutter ihrer besten Freundin ist Töpferin. Deshalb berührten ihre Hände das vielfältige Material schon in jungen Jahren. «Meine Freundin hatte im Umgang mit Ton mehr Talent als ich, das hat mich angespornt», sagt sie rückblickend und zieht die Mundwinkel zu einem Lächeln hoch, an einem schillert ein winziges Piercing-Ringlein. Sie ist fasziniert von Porzellan, das fertig so starr und anfänglich so beweglich ist.

 

Sie gibt ausgedientem Geschirr unter ihrem Label «elDesign» eine neue Bedeutung.

 

Porzellan sei die anspruchsvollste Tonart, sie ein Gedächtnis habe: «Das Porzellan erinnert sich sozusagen daran, wie ich es bearbeitet habe und bringt das nach dem Brennen schonungslos zutage». Die 29-Jährige orientiert sich daran, welche Objekte es bereits gibt und wie diese innovativ neu interpretierbar sind.

 

Für das Geschirrset, das sie von ihrer Grossmutter erbte, hatte sie keine praktische Verwendung. Deshalb kreierte sie Etageren daraus, indem sie Löcher in die Teller bohrte und sie miteinander verband. Auf einmal sah sie den eigentlichen Abfall – die herausgebohrten Ovale, geziert von schnörkeligen Initialen des Herstellers – mit anderen Augen: Sie sah «rohe Diamanten», die sie um den letzten Schliff baten. Elian schneidet und schleift die Porzellanstücke, bis sie feinförmig und flach in silberne oder vergoldete Fassungen passen. In ihrem Atelier in der Berner Lorraine stapelt sich erlesenes Geschirr mit blumigen, ernsten und tierischen Gesichtern – ihre Ausbeute von Brocki-Stöbereien.

 

Aus einer hochwertigen, antiken Geschirrserie der Porzellanfabrik Langenthal, deren Geschichte zurückgeht auf das Jahr 1906, fertigt Elian Portmann exklusive Amulette an.

 

«Es gibt übrigens auch hässliches Porzellan», lacht sie. Immer häufiger bringen Leute ihr, meist geerbtes, Herzensgeschirr, damit sie daraus ein Unikat-Schmuckstück anfertigt. Ein Ring. Oder Ohrclips. Oder Manschettenknöpfe. Wovon man einst den Sonntagskuchen naschte, ziert alsbald Hände und Dekolletés. «Ich gebe alten Dingen eine neue Bedeutung», sagt die Künstlerin und blickt auf die Porzellantasse, die vor ihrer Nase steht. Einer Nase mit ausgeprägtem Sinn für Nostalgie.