Kitesurfen: Himmelhoch jauchzend

Schneidet Pascale Fuss die Wellen und springt hoch, rauscht das Adrenalin. Die Kitesurferin hat sogar beruflich mit Wasser zu tun: Sie ist Sanitärinstallateurin.

Sonne, Strand, Meer und Wind … als Teen­ager packte Pascale die Lust, sportlich aktiv zu sein statt sich nur zu sonnen. Durch ihre Eltern, selbst passionierte Wassersportler, besuchte sie einen Kitesurfing-Schnupperkurs: Es war Liebe auf den ersten Wellenschlag! Fasziniert von den natürlichen Kräften von Wind und Wasser, steht sie seither jede freie Stunde auf dem Brett, während über ihr ein grosser Drachen schwebt. Bei der noch jungen Trendsportart «Kitesurfen» hält sich der Surfer auf dem «Board», das ein Lenkdrache (der «Kite») über das Wasser zieht. Um das «Lenkdrachensegeln» richtig zu erlernen, flog Pascale im Herbst 2015 mit 60 Kilo Gepäck allein nach Sansibar, einem Archipel im Indischen Ozean. Dass sie einmal über 10 Meter hohe Sprünge wagen würde, hätte sie sich zu diesem Zeitpunkt nicht träumen lassen. Pascale trainierte tagein und tagaus auf dem türkisblauen Wasser im «Zanzibar Kite Paradise». Flugs machte sie Fortschritte, fuhr hin und her, und her und hin – und auf einmal langweilte sie das. Dann springe ich halt doch, entschloss sich Pascale. Ihr Kitesurf-Lehrer Gregor erkannte ihr Talent sofort und traute ihr das deshalb mehr zu als sie sich selbst. Lange fühlte sie sich bang, auf sich gestellt zwischen Meer und Horizont. Doch mit der Übung und dem Zuspruch ihrer Surfer-Clique wuchs das Gefühl von Sicherheit. «Ich hatte grossen Respekt vor dem ersten Sprung», erinnert sich Pascale, «aber als er mir gelungen ist, wollte ich gar nicht mehr aufhören zu springen!»

 

«Die Kraft von Wind & Wellen spüren.»

 

Gefühl von Freiheit

Gleitet sie über das Wasser und hebt mit dem Brett von der Wasseroberfläche ab, sodass man als Zuschauer nur noch einen regenbogenfarbigen Fleck am Himmelszelt erspäht, fühlt sie sich frei. «Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn der Wind mich hinauf katapultiert. Im­mer höher und höher!», schildert sie und lächelt. Lächeln, das tut sie auch während dem Kitesurfen. Die meisten, die sie auf dem Wasser kreuzt, gucken sie verwundert an, einige lächeln zurück. «Ich kann gar nicht anders als lächeln, so Freude macht mir der Sport!» Pascale lebt abwechselnd zwei Monate in der Schweiz, wo sie als Sanitärinstallateurin auf dem Bau arbeitet, und zwei Monate in Ägypten. Ihre Basis hat sie im «Kite Village» in Hamata, wo eine ruhige Flachwasser-Lagune die perfekten Verhältnisse schafft zum Kitesurfen. Hier probt sie bis zu drei Stunden täglich neue Jumps, dreht sich um die eigene Achse, hängt scheinbar nur noch an einem Faden am Schirm. Zu den Sprungvariationen inspirieren sie Videos anderer Kite­surfing-Asse. «Ich habe noch so viele Sprünge im Kopf, die ich umsetzen will!» Kein Wunder: Keine andere Wassersportart bietet eine so umfangreiche Auswahl an Tricks wie Kitesurfen. Komplizierter bedeutet jedoch nicht zwingend höher, denn manche Sprünge sind technisch anspruchsvoll, zum Beispiel jene, bei denen man sich vom Kite aus- und wieder einhakt. Kürzlich ist ihr der «Dark Slide» gelungen, bei dem sie das Board dreht und mit der Hinterkante über das Wasser schnellt. Viele Faktoren müssen harmonieren, damit der «perfekte» Sprung gelingt: Wasser, Wind, Konzentration, Kraft und Schirmgrösse. Das Material nutzt sich schnell ab, schon nach einem Jahr muss sie Brett, Schirme wie auch Bar mit Steuerungs- und Sicherheitsleinen erneuern. «Mein Ziel ist, in Zukunft einen Sponsor zu haben, der mich unterstützt», räumt sie ein.

Freude: Pascale Fuss aus Schwarzenburg macht  das Kitesurfen glücklich.

Rund die Hälfte des Jahres verbringt sie deshalb  in Ägypten.

Angehende Kitesurf-Lehrerin

Im September beginnt Pascale das dreiwöchige Praktikum, das Bestandteil ihrer Ausbildung zur Kitesurf-Instruktorin ist. «Dann fehlt nur noch das Rettungsschwimmer-Brevet», bemerkt Pascale. Schon diesen Winter will sie die ersten Schülerinnen und Schüler unterrichten. Sie freut sich darauf, anderen etwas beizubringen und deren Fortschritte mitzuerleben. Doch zuerst montiert sie Armaturen, legt Leitun­gen – und besucht das Boxtraining. «Statt dem Kitesurfen gibt mir hier das Boxen den Ausgleich», sagt Pascale, «zudem stärkt es die Muskeln». Und die wird sie brauchen, wenn sie in ein paar Wochen wieder von Welle zu Welle springt, als hätte sie nie etwas anderes getan.

 


Schaut euch im Video an, wie spektakulär Pascale Fuss über die Wellen brettert und zu atemberaubenden Sprüngen ansetzt: Fuel your passion! from Gregor John