Stählerne Stimmungsaufheller

Daniel Baumann designt markante Stahlöfen, die Wohnraum und Wohlgefühl anheizen.

Ueli Halter legt Holz nach, worauf es zünftig knistert. Seine Frau Sylvie, die gerade das Abendessen zubereitet, blickt auf – auch sie sieht das Flammenspiel von der Küche aus. Oft hat er das noch nicht getan, denn sein beidseitig einsehbarer Stahlspeicherofen gelangte erst kürzlich von Baumanns Werkbank in sein Wohnzimmer. Viele Stunden Handarbeit stecken in den geschweissten Ecken, die sich über die Jahre als Markenzeichen von Daniel Baumann eingebrannt haben. Vorbei an der Hausfassade mit orange-rotem Flammendekor, die Eingangstür hindurch, steht man mit einem Fuss in der Werkstatt. Hier fliegen die Funken! Gerade erzeugt sie nicht Daniel Baumann selbst, denn er sitzt im Büro, vor sich Ordner so dick wie Holzscheite. In den über 30 Jahren, in denen er Öfen entwirft, schmiedet und selbst montiert, hat er die Dokumentation über sein Schaffen zusammengetragen. Die Fotos inspirieren seine Interessenten.

«Den Möglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt, höchstens technische», weiss der gelernte Metallbauschlosser. Unikate in Stahl und Stein sind die Spezialität Baumanns. «Das Schöne ist doch, dass Geschmäcker und Bedürfnisse verschieden sind.» 360 Grad drehbar, freistehend, von der Decke schwebend, als Raumtrenner, mit wechselnden Lichteffekten oder ausgelaserten Formen … nennt er Varianten, die sich nicht an zwei Händen abzählen lassen. Ein wichtiger Faktor ist der Standort des Ofens. In der Mitte des Raumes, wie bei Familie Halter, sei es ideal, weil das Feuer von allen Seiten sichtbar ist, und sich die Wärme vom Zentrum im Haus ausdehnt. Nebst dem ästhetischen Aspekt dient ein Ofen nach wie vor dem, wozu er einst erfunden wurde: zum Heizen. Ein Wohntrend ist das «Ein-Ofen-Haus», erbaut aus Holz heimischer Wälder und emissionsarmen Dämpfstoffen. Wie der Name verrät, hält ein einziger Ofen – morgens eingefeuert – die Räume den ganzen Tag über wohlig warm. «Diese Holzöfen, bestückt mit 300 Kilo Speckstein, sind eine Mischung aus Schnellheizofen und Speicherofen», beschreibt Baumann, der schon mehrere «Häuser der Zukunft» mit der alleinigen Energiequelle ausgestattet hat. «Dafür gibt es zwar keine iPad-Steuerung, aber man hat die Wärme genau dort, wo sie erwünscht ist», spricht er die Einfachheit des Konzepts an. Ein Ofen heizt die ganze Stube – das weckt zwar Erinnerungen an Gross­mutters Kachelofen, hat aber sowohl optisch wie energietechnisch wenig damit gemein. Die geschlossenen Feuerkammern sorgen für eine sehr heisse und deshalb schadstoffarme Verbrennung.

 

Rundherum reizvoll: Der Speicherofen aus Stahl von Familie Halter aus Schlosswil steht mitten im Raum, was nicht nur ästhetisch ist, sondern energietechnisch sinnvoll.

 

Heute achtet man darauf, mit wenig Holz einen möglichst hohen Wirkungsgrad zu erzielen – vergleichbar mit Autos, die mit wenig Treibstoff weite Strecken zurücklegen. Wie Fahrzeuge sind auch Öfen mit Extras erweiterbar: Dank einer Warmwasser-Aufbereitung duscht man mit «ofengewärmtem» Wasser, geröstete Marroni vom Grillrost verbreiten Herbstduft und das Backfach bäckt den Sonntagszopf goldbraun. Mit ein Grund, warum Daniel Baumann das Feuer nicht verleidet. Hängt er abends seinen Blaumann an den Haken, macht er es sich vor dem knisternden Flammenspiel gemütlich. «Ein Feuer wirkt beruhigend und erhellend, was man von einem Radiator nicht gerade behaupten kann», schmunzelt er.

 

Zum Warmwerden: Die grosse Ausstellung von Baumann Cheminéeöfen (Bernstr. 81, Steffisburg) bietet nebst Unikaten auch Schwedenöfen namhafter Hersteller.

 

Von Hand zum Unikat: Die Metallbauer von «Baumann Cheminéeöfen» verarbeiten die rund 140 Kilo schweren Stahl­platten bei 1200 Grad. Alleine das Zuschneiden der Elemente braucht Handgeschick, da das hochwertige Material keinen Patzer verzeiht. Diese Machart verleiht den Massöfen eine unnachahmliche Optik und Oberflächenstruktur.

 

 

Fotografin: Nadine Strub