Um aller Männer Munde

Den gewetzten Rasiermessern zum Trotz ist der Gesichtshaarkult nicht kahl zu kriegen. Über wachsende Begehrlichkeiten und drei Persönlichkeiten, die viel Raum einnehmen – nicht zuletzt wegen ihrem voluminösen Vorbau.

 

«Doch, wir haben es gut zusammen», beschreibt Timo de Wit das Verhältnis zu seinem Vollbart. «Er hat eher mich gefunden als ich ihn, denn ich habe es nie darauf angelegt, einen Bart zu tragen.» In einem Alter, als seine Oben-ohne-Kameraden noch erbeteten, der Flaum möge doch endlich florieren, hantierte Timo längst mit Schaum und Klinge. «Ich habe wohl gute Gene», mutmasst der Thuner, der sich auf Twitter treffend «Timbeardglasses» nennt. Tatsächlich ist der Anti-Aalglatt-Look jenen mit willigen Follikeln vorbehalten. Es sei denn, eine (heikle) Transplantation, die Brusthaare auf das Kinn umsiedelt, kommt infrage. Der Wunsch nach wildem Wuchs ist nicht neu: Schon 1850 fanden sich dubiose Anzeigen für «Bartzeugungs- Pomaden» und «Tinkturen für Haarleidende» in den Journalen.

 

Durch kurz und lang: Seit seinem 17. Lebensjahr experimentiert Timo de Wit mit seinem

Gesichtshaar. (Foto: Werner Tschan STUDIO LTD)

 

Seit einigen Jahren hält sich das Gesichtshaar als salon-, büro- und szenetauglicher Trend. Wer denkt «kommt Zeit, geht Bart», irrt. Wer denkt, das Ablaufdatum dieses Hypes nähere sich um Bartlängen, irrt. Daran ändern auch mediale Todesanzeigen wie «Der Bart ist tot!» nichts, denn Totgesagte leben bekanntlich länger. Gäbe es eine Bartsteuer, wie etwa Ende des 17. Jahrhunderts im russischen Reich, wären unsere Staatskassen gegenwärtig proppenvoll. Unter Peter dem Grossen kamen nur geschorene Mannsbilder ungeschoren davon. Wer an seinem Bart festhielt, musste zwischen 30 und 100 Rubel bezahlen. Mit dieser scharfen Massnahme wollte er alte Zöpfe abschneiden und die Modernisierung vorantreiben. Ob seine Bartfrisur modern ist, ist ihm Schnauz wie «Schnorres»: Timo trug schon Vollbart, als manche «Hipster» noch für eine neue Mundspülung hielten. «Hipster», was ein Rollenmodell urbaner Subkultur bezeichnet, ist für ihn längst ein Schimpfwort, das in der Klischeekiste versenkt gehört. Sogar eigens dafür einberufene Symposien scheitern an der Definitionsfrage, was denn ein Hipster sei – eine Prototypen-Posse vom Aufgetakeltsten. «Ohne Schnurrbart ist ein Mann nicht richtig angezogen», wovon Salvador Dalí überzeugt war, inspirierte den jungen Timo.

Bart und Fantasie in Fülle
Um das Thema optisch zu unterstreichen, erschien Timo zur Präsentation seiner Maturarbeit mit einem «Dalí». Der schmale Schnurrbart mit nach oben gezwirbelten Enden – «sensible Antennen» – war das ikonische Markenzeichen des Künstlers Salvador Dalí. Dessen Buch «Dalí’s Mustache», eine Ode an das Oberlippenwerk, beginnt mit der Widmung an seine Frau: «Für Gala, die auch der Schutzengel meines Schnurrbartes ist.» Sein Schnurrbart habe, ebenso wie die Macht seiner Vorstellung, nicht aufgehört zu wachsen. Ähnlich erging es Timo, der sich in Belangen Bart nun vieles vorstellen konnte: «Dalís Extravaganz war wegweisend für mich und meinen Bart».

 

 

Der Dalí-Schnauz war der Beginn einer steten Verwandlung, die Timo bis auf die Haarspitze treibt. Ob Kotelettenbart, prätentiöser «Schnauzbart englisch», à la Verdi oder Walross – sein Rasurrepertoir wuchert. Er beherrscht das Spiel von Auffälligkeit und Anonymität, ähnlich dem Farbwechsel eines Chamäleons. «Getarnt» mit langen Haaren und Vollbart, federn die schrägen Blicke an seinem Flausch, eine Art Schutzwall, ab. «Es ist vergleichbar mit einer Clown-Maske: Nur wenn ich meine Mimik überzeichne, bin ich für mein Gegenüber lesbar», so der 29-Jährige, «… sofern ich das denn will.» Ein Schmunzeln lässt sich jetzt nur erahnen, da seine Mundwinkel nicht sichtbar sind.

«Darf ich mal anfassen?»
Nicht zum Lachen zumute ist es ihm, wenn jemand ihn im Ausgang mit «Hey, ist der echt?» anhaut und an der Bartpracht zerrt, ehe er «ja» überhaupt gedacht hat. «Bei Frauen würde ich dann am liebsten dieselbe Frage entgegnen: Sind die echt?», fabuliert Timo und richtet sein schwarzes Cap. In Zeiten, in denen Gesichtswolle als extremistisches Glaubensbekenntnis gilt, ist Timo ein oft kontrollierter Passant, und manch besorgter Bürger drückt ihm den Stempel «gemeingefährlich» auf. Eines Abends rief eine Nachbarin die Polizei: Eine düstere, vermummte Gestalt schleiche umher. Dabei war es Timo, der vor seinem Haus bloss einen Igel vor dem sicheren Tod im Autokreisel rettete. Igelt er sich in seiner Winterjacke ein, bricht das Volumen seines Bartes zusammen.

 

Foto: Christoph Ris Fotografie

 

Hauptsache er klemmt den Bart nicht im Reissverschluss ein, sonst würde es ihm ähnlich ergehen wie dem Zwerg im Märchen «Schneeweisschen und Rosenrot», dessen Bart sich in einem Ast verheddert. Infolge dessen muss er Barthaare lassen und verliert somit eine Strähne Würde. Seit jeher gilt ein dichter Bart als Sinnbild für Macht, Stärke und Männlichkeit. Ein Bürstenstrich durch die Menschheitsgeschichte zeigt: Ob glatt, verpönt, als Symbol von Auflehnung oder von Konformismus – der Bart sorgte stets für kratzige Kontroversen. Man kann es trimmen und wenden, wie man will: Selbst ein Kinntupfer oder Wangenschatten ist ein Testosteron-Marker, irgendwie. Der Gedanke an eine Kahlrasur huscht Timo manchmal durch den Kopf. Gewiss sei ein üppiger Bart auch Ballast, den man mit sich herumtrage. «Dann würde ich den Wind wieder auf den Wangen spüren», denkt er laut. … macht der Vize-Schweizermeister in der Kategorie «Backenbart Freistil» bald Tabula rasa?

«Misswahlen» für Mordsbärte
2014 legte Timo auf der Heimreise von seinem Roadtrip durch Ungarn einen Zwischenhalt ein: In Chur, wo die Bartmeisterschaft Herren zu Föhn und Fixierspray greifen liess, im Wettkämmen um den schönsten Schnauz-, Kinn-, Backen- oder Vollbart. Eine durchaus skurrile Szenerie, in der sich die Könige Triton und Drosselbart die Klingen in die Hand gaben. Manche trugen Schnauzer mit Spitzen wie Insektenfühler zur Schau, andere mobile-artig arrangierte Geflechte, die an Tentakel erinnern. Im Ferienlook, mit Koteletten und gezwirbeltem «Nasenflokati», war es nicht einfach, ihn in einer der 18 Kategorien unterzubringen, weshalb er bei «Freistil» startete. Unerfahren und als einer der jüngsten Teilnehmer, rechnete er nicht damit, seiner Konkurrenz zu entwachsen. Doch die Jury hatte Timo zum Vize-Schweizermeister «Backenbart Freistil» auserkoren. «Trotz Gel, das nichts genützt hat», erinnert er sich. Ein Titel, auf den er so stolz ist, dass er sogar in seinem Lebenslauf steht.

 

Gestatten: Der Vize-Schweizermeister in der Kategorie «Backenbart Freistil». (Foto: B. de Wit)

 

Im Wissen, dass manche bis zu sieben Stunden in der Bartmaske sitzen, bis jedes Haar wie gewünscht hängt oder steht, nahm er nur sechs Wochen später an der Europameisterschaft teil. Dort hoben Routiniers ihren Rauschebart, um Timo den «Trick 77» zu verraten: Original ungarische Bartwichse, nach alter Rezeptur. Seit nicht nur Robinson Crusoes, sondern auch Grossstädter ihre Freiheit mit Flaum vor dem Mund zu demonstrieren pflegen, werden die Tiegel mit Bienenwachs wieder produziert. Die Meisterschaften finden in Insiderkreisen, oft in kargen Turnhallen statt – glanzlos im Vergleich zu anderen Schönheitswettbewerben. Vor dem Spiegel hatte Timo stundenlang geübt, die Schwerkraft «auszuzwirbeln», mit Klebestreifen und Haarlack, so viel sei verraten. Weil er das Drum und Dran witzig fand, nahm er einige weitere Male an Meisterschaften teil, reüssierte beispielsweise als Fünftplatzierter in der Kategorie «Schnauzbart englisch». Allerdings hat ein Schweizer Schnauzbärtchen halt einen schweren Stand gegen Teilnehmer wie jene des «Austin Facial Hairclub».

Bartclubs: Freaks mit Frontzöpfen
Barbecue, Bier und Bärte, bei denen einem der Mund so weit offen stehen bleibt, dass ein T-Bone-Steak quer reinpasst: Das ist der «Austin Facial Hairclub», ein berühmter Bartclub aus Texas. Sie schicken mehr Kerle an Wettbewerbe als jeder andere Ort der Erde. Der Verein bereitet sich auf internationale Wettkämpfe wie die «Beard & Moustache Championships» vor – mit Erfolg: Mitglied Taylor Weldon alias «Bad Taylor» holte sich im September 2016 mit seinem rostroten Verdi-Bart den Gesamtsieg. Das ist Wuchsmittel für ihre Fangemeinde auf Facebook und Instagram.

Timo de Wit: «Ein Wechselspiel von Auffälligkeit & Anonymität.»

Gründer und Präsident Bryan Allan Nelson, selbst Jurymitglied an vielen Wettbewerben, trägt seinen Bart übrigens als Rapunzelzopf, der so manche Frau vor Neid erblassen lässt. Kein Wunder, hat auch er zahlreiche Preise abgeräumt, wobei er beteuert, weder Pflegeprodukte noch andere Hilfsmittel zu verwenden. Wo trifft sich der «Austin Facial Hairclub» auf ein Draft? Natürlich in der kultigen «Handlebar», die denselben Namen trägt wie der erste belegbare Bartclub, der 1947 in England gegründet wurde. Hier kleben Schnäuze sogar am Bierglas oder leuchten mit den Flipperkästen um die Wette. Das Vereinstenue: Schwarze Shirts mit der Aufschrift «Don’t shave».

 


 

Tele, Emma & Paul

«Don’t shave» sagte sich auch Telemaco Cesari, als er während seinen Thailand-Ferien einen Engländer mit opulentem, schönem Bart gesehen hat. Seither lässt er seinen eigenen «einfach ziehen», wie er es nennt. Mittlerweile ist sein Vollbart zum Markenzeichen ersprossen: Mit seinem «Caffèmobil» verströmt er den Duft von Kaffee in Berns Gassen. Auf die Idee, ein Food-Konzept auf drei Räder zu stellen, kam er vor rund einem Jahr – beim morgendlichen Kaffee auf dem Balkon. Er begab sich auf Wagensuche und fand das Modell seiner Vorstellungen in Köln. Die damaligen Besitzer nannten die «Ape» aus den 60er-Jahren «Emma».

 

Markenzeichen Bart: Seit rund einem Jahr beglückt Telemaco Cesari die Hauptstadt mit

seinen kräftigen Espressi. (Foto: Simon B. Opladen)

 

Als Tele sich mit «Emma» Richtung Bern aufmachte, fiel ihnen der Abschied schwer. Das Mobil sei mit vielen positiven Vibes beladen, die er weitertransportieren wolle, so begründet Tele, dass er den Namen beibehalten hat. Die Ergänzung «& Paul» rührt daher, dass der 43-Jährige Herrchen eines Hundes werden will, der auf diesen Namen hört, irgendwann.

Telemaco Cesari: «Je kürzer der Bart, desto mieser die Laune.»

Bis irgendein bellender Paul Stöckchen bringt, nennt er einfach seine Kaffeemaschine «Paul» – ein dufte Modell, das aus einer kleinen italienischen Manufaktur stammt. Während Emma an Standorten wie beispielsweise in der Berner Lorraine pausiert, läuft Paul zu Hochtouren auf. Mittendrin schenkt Tele, typischerweise mit Béret, Hosenträgern und farbigen Socken, «Italianità» in ihrer heissesten Form aus. Die Bohnen für seine Espressi und Cappuccinos bezieht er in Italien bei der Rösterei «Varesina», die ihren ersten Kaffee 1919 in Varese aufbrühte.

Sympathiefaktor: Nicht nur die 60er-Jahre-«Ape» sorgt für Gesprächsstoff, sondern auch der gepflegte Bart des Barista.

 

Der fliegende Barista landet ausserdem immer öfter an Events, an denen innert zwei Tagen bis zu 800 Kaffees aus der Düse brodeln. «Ab 200 werde ich erst richtig warm», grinst er und schlägt die Beine übereinander. «Aber es geht mir nicht um die Menge, sondern darum, die Leute glücklich zu machen – und ein bisschen mich selbst.» Er geniesse den Moment, morgens den Motor seiner 50-jährigen Emma zu zünden, den Gout des Espressos noch im Gaumen, den er zuvor getrunken hat.

 

 

Nicht nur das Auto, das er selbst umgebaut hat, empfinden viele als Gesprächseinladung: «Gehörst du einer Sekte an?», «Warum lässt du den Bart wachsen?» lauten die mehr oder weniger ernst gemeinten Fragen. «Ich fand es cool, nichts weiter. Und jetzt gehört der Bart zu mir.» Auch die Bartpflege sei so normal geworden wie Zähneputzen. Die Antwort auf die Frage, ob sich der tägliche Aufwand lohne, fällt im Verhältnis zu seiner Bartlänge kurz aus: «Ja.» Pflegeprodukte für das Gesichtshaar hat er fast so viele wie Kaffeebohnen im Tank. «Bartkamm, Bartbürste, Bartschere, …», zählt er auf. Wobei die Bartschere den Spass beschneidet: Mit jedem Millimeter Bart, den ihm sein Barbier stutzt, verfinstert sich seine Laune. Zumindest vorübergehend.


Des Herzogs Haar

Auch George Herzog hängt an seinem Barthaar, aber ja! Betritt er ein Restaurant, blicken die Leute zwischen Messer und Gabel auf, möglicherweise hängt ihnen dabei noch eine Nudel aus dem Mund. Es sei ihnen nicht zu verübeln: George Herzog alias «The Duke» fällt nicht auf wie ein bunter Hund – er ist einer. Mal mit pinken Puma-Turnschuhen, immer mit Tattoos. «Wenn ich etwas tue, dann tue ich es extrem. » Das glaubt man ihm aufs Wort.

 

Mal Rasur, mal Natur: Nach Kahl- und Schnauzphasen trägt der 44-Jährige wieder einen Vollbart, der von Natur aus dreifarbig ist. (Foto: Stefan Murpf Fotografie)

 

Gladiatorenschutz am Arm, Pistole auf Lendenhöhe, Scharniere in den Kniekehlen oder ein Galgenstrick um den Hals sind nur einige seiner über 100 Tattoo-Motive. Einige der weltbesten Tätowierer haben sich auf seinem Leib, der einst über 100 Kilo wog, verewigt. Der Thuner ist ein Wanderpokal der Szene, was ihn zum Linsen-Liebling an «Tattoo Conventions» macht. Doch langsam ist der Platz rar: Kaum ein Körperzentimeter ist nicht verziert. «Nackt sehe ich aus wie angezogen », meint er mit verschmitztem Lächeln und greift zum Wasserglas, das vor ihm steht. Der Blick fällt auf seinen Unterarm, «verchriblet» mit Batman, Termiten und Schlangen, wie sie nur Kinder kritzeln. «Die sind haargenau so gestochen, wie sie meine beiden Kinder gezeichnet haben. Geburtsdaten und Namen kann ja jeder!», stichelt der Thuner.

 

Viel Geld unter die Haut gesetzt: Georges Körper zieren rund 100 Tätowierungen. (Foto: Stefan Murpf Fotografie)

 

Selbst die Innenseite der Unterlippe entkam Nadel und Narrentum nicht: «Fresse» steht da in blauen Lettern. Seine Visage bleibe tattoofrei, das habe er seiner Mutter schriftlich versprochen. Jedoch umrahmt ein wuchtiger, von Natur aus dreifarbiger Bart sein Gesicht. Der Duke wäre nicht der Duke, würde er nicht auch in Bartsachen nach Extremen streben. «Ein Rauschebart wie Rockstar Billy Gibbons von ZZ-Top, das wäre was!», fantasiert der Fixie-Freak. Eingängig wie der Duke selbst, sind auch die fünf Kultbikes, die er in seinem Wohnzimmer parkiert.

George Herzog alias Duke: «Ein Rauschebart wie Rockstar Billy Gibbons von ZZ-Top, das wäre was!»

Als 17-jähriger «Töfflibueb» hatte er einen Unfall. Statt eines Motorrads leistete er sich vom Batzen der Versicherung sein erstes Bike – und war «angefixiet». Ohne Gangschaltung, Schutzblech und Bremse sind Fixies Purismus mit Pedalen. Setzt sich Duke eine Anschaffung in den tätowierten Schädel, arbeitet er Tag und Nacht, um sie zu finanzieren. Seine Brötchen, Bikes und Bodyverzierungen verdient er als Airbrush-Künstler.

Beim Barte des Gepflegten: Duke besitzt unter anderem einen Bartkamm, der
aus einem recycelten Skateboard gefertigt ist.

 

Die Physik von Bart und Quark
In seinem Atelier auf dem Gschwend-Areal in Steffisburg drückt er auf die Düse. Verschiedensten Gegenständen wie Helme sprüht er bunte Seele ein. Zu seinem Kundenkreis zählen auch Sportgrössen wie BMX-Fahrer Roger Rinderknecht. «Seit 2008 war an allen Olympischen Spielen ein Werk von mir vertreten gewesen», sagt er nicht ohne Verblüffung in der Stimme. Seine Karriere begann vor über 30 Jahren auf der verbotenen Seite des Sprühwesens, als Graffit-Artist. Nach der Kunstgewerbeschule folgte die Lehre zum Autolackierer. Eine Zeit lang arbeitete er als Betreuer von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung.

 

Mit der Pistole zur Bekanntheit: George ist seit vielen Jahren selbständiger Airbrush-Künstler.

 

«Ich habe bisher jeden Job bekommen, den ich wirklich wollte.» Bisweilen tauscht er Spraydose gegen Schraubenzieher, denn er ist in Teilzeit als Velomechaniker tätig. Dem Fingerspitzengefühl, das diese Arbeit erfordert, kommt eine ganz neue Bedeutung zu: In der Fingerspitze seines kleinen Fingers ist ein Magnet implantiert. Ein Jux mit praktischem Aspekt: Keiner kann Schräubchen schneller zusammenkramen als er, weil sie hängen bleiben. Ähnlich verhält es sich, wenn Duke Magerquark isst. «Da bleibt auch so einiges hängen. Aber das ist halt so», lacht er, erhebt sich und geht. Erhobenen Hauptes trägt er sie davon, die wohl letzte Bastion der Männer. Daran ändert auch nicht, dass an den «World Beard and Moustache Championships» offiziell Frauen zugelassen sind – sofern der Bart echt ist.