Über den Beckenrand hinausgedacht

Schlummert die Natur, sind die Gartenplaner hellwach: Warum jetzt der ideale Zeitpunkt ist, um an den Frühling zu denken.

Liegt der erste Schnee in der Luft, ist im Kopf von Stefan Knecht schon fast Frühling. Denn jetzt ist die Saison der Gartenkonzepte: «Wer sich nächstes Jahr im eigenen Garten relaxen sieht, muss jetzt mit der Planung beginnen. Es braucht eine gewisse Vorlaufzeit.» Schliesslich will eine neue Gestaltung durchdacht sein, je nachdem sind Bewilligungen oder ein Gespräch mit den Nachbarn nötig und gerade erlesene Materialien haben längere Lieferfristen. Dieser Tage kurvt Stefan Knecht, der seine Lehre zum Gärtner 1989 abgeschlossen hat, besonders viel durch die Gegend. «Mein Terminkalender ist gut gefüllt», kommentiert er und zündet den Motor.

Handskizziert statt digital
Kurze Zeit später steht er in einem Garten, in der einen Hand den Skizzenblock, in der anderen den Bleistift. Für das Beratungsgespräch hat er den Grundriss des Gartens im Massstab 1:100 vorbereitet. Während er zuhört, in welche Richtung es gehen soll, ob Gestaltung mit Wasser infrage kommt, welche Lieblingsfarben die Gartenbesitzerin hat, entwickelt er drei bis vier Ideen. «Kompaktplanung», nennt er diesen beliebten Service, den er für kleinere Projekte, zum Beispiel die Umgestaltung eines Eingangsbereichs, anbietet. Manche Interessenten sammeln vorab Katalogschnipsel mit Pflanzen oder Designs, die ihnen gefallen – oder sie füllen den Fragebogen aus, den der Gartenplaner zusammengestellt hat. Stefan Knecht sieht drei Hauptgründe für seinen Ideenreichtum: «In meinen 27 Berufsjahren habe ich schon alle erdenklichen Gärten realisiert, das Planen liegt mir und ich mache es mit Herzblut.» Der Geschäftsführer von «Knechtgarten» setzt auf Handskizzen statt auf aufwändige Computersimulationen.

 

«Eine Skizze vermittelt die Emotionen besser.»

 

Wassergarten-Trend fliesst weiter
Ein wichtiges Element für jede Gartenplanung ist Naturstein – sei es für Mauern, Treppen, Sitzgelegenheiten oder Trittsteine in seichten Gewässern. Durch die gehauenen Formen verleihen sie dem Garten Charakter. «Die Leute legen wieder mehr Wert auf Nachhaltigkeit und bevorzugen Naturstein aus Europa», stellt der Gärtnermeister fest. Trends, die weiter anhalten, sind Bio-Pools und Kleinst­badeteiche. Letztere versprechen schon ab 1.5 x 3 Metern – dem Format eines Doppelbetts – feucht-fröhliche Er­frischung. «Es gibt immer weniger Rasen-, dafür mehr Pflanzen- und Wasserflächen», macht er eine Tendenz aus, und greift zum Buntstift. Das Ergebnis, das erst nächsten Frühling in voller Pracht erblüht, wird das Kolorit der Gartenskizze noch übertreffen.

 

Gartenplanung im Winter

Wassergärten

Plätschernd oder still spiegelnd – das Element Wasser lässt viel Gestaltungsspielraum zu,
vom Wasserspiel bis hin zum Naturteich, sogar auf Terrassen.
Bepflanzung
Rasenflächen weichen bunten Lebensräumen, welche die heimische Flora widerspiegeln.
Nebst den eigenen Vor­lieben sind Kriterien wie der Standort zu berücksichtigen.
Naturstein
Natursteine eignen sich als Bauteile für eine natürliche, aber aussagekräftige
Gartengestaltung, z. B. für Treppen, Unter­teilungen oder optische Details.

Gut geplant, ist besser gegärtnert: Ideen skizzieren, Bedürfnisse berücksich- tigen

und Lösungen aufzeigen steht am Anfang jeder Gartengestaltung.

Fotografin: Nadine Strub