Kita, Stau, Meeting, Oooom

Hund, Kobra oder Baum – Yoga ist viel mehr als hippe Verrenkung: Beatrice Aeberhard hat ihr Mantra für Gelassenheit im Alltagstrubel in der indischen Lehre gefunden.

Die teilweise «verdreht» wirkenden Posen, in denen man verharrt, seien sinnbildlich für das Leben: Im Yoga lerne man, «verdrehte» Situationen auszuhalten. Mindestens einmal am Tag rollt Beatrice Aeberhard die Matte aus. «Mit meiner Arbeit verbinde ich äussere und innere Schönheit», sagt sie und kreuzt die Beine zum Schneidersitz. Sogar richtig sitzen, will im Yoga gelernt sein, zumal Meditation ein Kernstück der alten Wissenschaft aus Indien ist. Die spirituellen Wurzeln reichen mehrere tausend Jahre zurück. Yoga hat verschiedene Strömungen erfahren, ehe es in westlichen Studios omnipräsent wurde. Es verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Körperübungen (Asana), Atemübungen (Pranayama) und Meditation (Dhyana) bringen Körper, Geist und Seele ins Gleichgewicht. «Ein bisschen dehnen und schnaufen», hegte Beatrice Vorurteile gegenüber Yoga, bevor sie vor vielen Jahren die erste Probestunde besuchte. «Schnell merkte ich, dass es mir gut tut, ich gelassener werde – und es durchaus körperlich anstrengend ist!», so die dreifache Mutter. Früher joggte sie jede freie Minute. Sie hatte schon fast die Marathon-Startnummer umgebunden, als sie eine Verletzung im wahrsten Sinn «in die Knie zwang». Im Yoga hat der Bewegungsmensch seinen Ausgleich wiedergefunden, wobei Beatrice fordernde, sportliche Stile bevorzugt. Während einem viermonatigen Sprachaufenthalt in Florenz nahm sie Yogastunden bei Melissa, «einer herzlichen Frau». Fasziniert von der Philosophie und den positiven Veränderungen, die sie an sich selbst beobachten konnte, vertiefte sie ihre Kenntnisse in verschiedenen Schulen. Auf Anstupsen ihrer Freundinnen hin begann Beatrice Yoga zu lehren. «Es ist der ideale Kontrapunkt zu meiner Tätigkeit als Kosmetikerin», beschreibt Beatrice, die sich vor über zwanzig Jahren selbstständig gemacht hat. Die innere Ausgeglichenheit gebe einem die Freiheit, loszulassen – «einmal fünf gerade sein lassen – und das als Perfektionistin», sagt sie augenzwinkernd. Keine Kompromisse hat sie hingegen beim Interieur ihres Yoga- Studios gemacht: Aus einer ehemaligen Lagerhalle ist ein Bijou entstanden, das – getreu dem Namen «Soulspace» – genügend Raum für die Seele bietet. «Die Seele muss sich entfalten, in einem gesunden Körper», nennt sie ihre Philosophie. Alle sind eingeladen, es selbst auszuprobieren: «Hemmungen sind überflüssig! Denn es spielt keine Rolle, ob man schon den Kopf auf die Beine legen kann oder nicht – der Weg ist das Ziel!»

Fotografin: Nadine Strub

 


Welchen Yoga-Weg wählen Sie?

Nebst den traditionellen Yoga-Stilen gibt es viele moderne Interpretationen.
Eine kleine Auswahl von dynamisch bis meditativ:

Acro-Yoga
2003 entwickelten Jason Nemer und Jenny Sauer-Klein in
Kalifornien diese dynamische Form des Yogas, die man zu zweit praktiziert.
Sie kombiniert Akrobatik, Spielfreude und die heilende Kraft der Thai-Yoga-Massage.

Vinyasa-Yoga
«Vinyasa» bedeutet in Sanskrit «Bewegung, Stellung, Verbinden».
So gehen fliessende Bewegungen mit bewusstem Atmen einher.
Der Flow stärkt die Muskulatur und fördert sowohl Beweglichkeit wie Ausdauer.

Iyengar-Yoga
Eine kraftvolle Richtung des Hatha-Yoga, begründet vom gleichnamigen
indischen Yogameister, zielt auf die symmetrische Körperhaltung ab.
Dazu nutzen die Yogis auch Hilfsmittel wie Gürtel, Holzklötze oder Seile.

Yin-Yoga
Ein ruhiger Yoga-Stil, bei dem es darum geht, durch Entspannung und Atmung
innere Ruhe zu finden. Hauptsächlich sitzend oder liegend, führt man die Übungen ohne aktive
Muskelkraft aus. Ashtanga-Yoga ist das aktive Gegenstück dazu (Yang).