Erstes Seaside Festival Spiez

Endlich wieder einmal Zeit haben: Einander mit einem Glas Wein zuprosten, am Feuer einer Wurst zusehen, wie sie goldbraun wird, und dazu guter Musik frönen. Das erste «Seaside Festival» mit Züri West, Rea Garvey, Emeli Sandé und Lo & Leduc verspricht das «Unter-Freunden»-Feeling. (SPIEZ 25. & 26.8)

Züri West

Wenn sich am 25. August um 12 Uhr die Tore zum Festivalgelände in der «schönsten Bucht Europas» öffnen, braucht niemand hektisch herumzuhechten: Die Indie-Rock-Band «Hecht», der erste Act des zweitägigen Events, angelt erst um 14 Uhr nach dem Gehör der Gäste. Es ist ein bisschen wie beim Fischen: Sich einfach treiben lassen – das nächste Highlight beisst bestimmt bald an. «Entschleunigen» heisst das Schlüsselwort, das öfters fällt, wenn Philippe «Phibe» Cornu über sein neues Festival spricht. Die Devise lautet: Einfach mal ankommen, herunterfahren und etwas Feines essen und trinken – aber nicht etwa aus dem Pappbecher. Den spritzigen Wein, den die Rebbau Genossenschaft Spiez eigens für das Festival keltert, geniesst man stilecht im Glas. «Ein gemütliches Bei­sammensein, bei dem man sich zu Hause fühlt», beschreibt Philippe Cornu weiter.

Heimkehr ins Berner Oberland
Eine Art «Heimkehren» ist es für den Berner durchaus: Schon in den Jahren 1986 bis 1991 veranstaltete er das «Openair Thun» und liess bekannte Bands im Schadaupark aufspielen, darunter «Züri West». Die Kult-Band wird am Freitag, der ganz im Zeichen der Pop-Musik steht, in der Spiezer Bucht «Love» verbreiten, wie der Titel ihres neuen Albums lautet. Im Herzen verschenken ist die erfolgreiche Berner Mundartband schliesslich erfahren. Und wenn die Frauen im Publikum die Liebe mitsingend erwidern, steht bestimmt der eine oder andere «Chliine Brueder» daneben – Kinder bis zwölf Jahre nehmen nämlich kostenlos am Festival teil. Schliesslich gehen solche Liedzeilen locker über die Lippen: «D’Ladies sii am Tanze, d’Ladies hei Durscht, was si trinke isch dr klar, wär’s zaut isch’ne wur­scht» («Ragazze & Ragazzi», 1987).

Feuer und Nostalgie wärmen: Am «Seaside Festival» in der Spiezer Bucht kommt romantische Stimmung auf.

«Seasiderli» bräteln am Lagerfeuer
Gewiss nicht «wurscht» ist es den Festivalmachern, in welche Wurst die Besucherinnen und Besucher herzhaft beissen, deshalb spannen sie mit «Schweizer Fleisch» zusammen. Während Kuno den Refrain von «Glück und Glas» mit rauchiger Stimme ins Mikrofon haucht, knistert nebenan ein grosses Lagerfeuer. Nach dieser Idee von «Schweizer Fleisch» wird ein weiterer Ort geschaffen, wo man sich nicht nur begegnet, sondern gemeinsam brutzelt: Hier brätelt man ein «Seasiderli» am angespitzten Stecken. Eine eigene Cervelat-Rezeptur ist Ehrensache, deshalb gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied: Die Metzgerfachschule, die sich ebenfalls in Spiez befindet, hat die klassische Cervelat aus Schweizer Fleisch mit regionalen Zutaten verfeinert. Zu einheimischer Wurst, Stecken und Senf offeriert «Schweizer Fleisch» ein kleines Sackmesser. Gut möglich, dass man beim Philosophieren über die optimale Einschnitt-Technik mit dem Gegenüber ins Gespräch kommt und mit jedem Biss mehr schöne Kindheitserinnerungen aufkommen. Verhallen die Klänge von «Krokus» und «Status Quo» allmählich und taucht die Dämmerung den Niesen in schummeriges Grau, endet der perfekte Tag auf der Seeseite, inmitten von Freunden und Familie. Weitere Infos: www.seasidefestival.ch