Segelschule Thunersee: Heimat unter Segeln

Zuhause ist Hanspeter Iseli dort, wo Wind in die Segel weht. Nach 33 Jahren lichtet er den Anker und übergibt die Segelschule seinem Nachfolger. An Ruhe nach dem «Sturm» ist nicht zu denken: Bereits sind neue Projekte geknotet.

 

Hanspeter Iseli hockt in seinem Büro in Hilterfingen, die Augen auf den Bildschirm gerichtet und die wippenden Boote im Hafen stets im Blickwinkel. Die meisten davon hat er selbst entworfen, gezeichnet und in der Segelschule gebaut. Bald sitzt hier ein anderer, denn diesen Sommer legt der 65-Jährige das Tau in jüngere Hände: Simon Brügger, mehrfacher Olympiateilnehmer und Gründer von «Sailbox», übernimmt die Leitung der Segelschule Thunersee, das «Kind», welches «Hämpu» die letzten 33 Jahre geschaukelt hat – sein halbes Leben lang. Hanspeter Iseli ist am Genfer- und Thunersee aufgewachsen. Da lande man halt früher oder später auf einem Boot. «Einfach uraltes Zeug», kommentiert er das Schwarz-Weiss-Bildchen, das vor ihm liegt. Es zeigt ihn als Teenager auf seinem ersten Segelboot, einer kleinen Jolle. Mit zwanzig Jahren unterrichtete der gelernte Maschinenkonstrukteur erstmals an der Segelschule Thunersee, um sich einen Batzen dazuzuverdienen. Früher war er öfter auf der Piste als am Pier: Er stand im Starthaus zu einer Karriere als Skifahrer, feierte Rennerfolge und schaffte es in das Kader. Doch ein Unfall zwang ihn, seine Pläne über Bord zu werfen: Sein Knie war derart kaputt, dass die Ärzte prognostizierten, er könne nie wieder Skifahren. Sie irrten: Jahre später arbeitete er gar als Skilehrer. Der Gips haftete noch fest am Bein, als er begann, sich voll auf den Segelsport zu fokussieren. «Skifahren und Segeln sind gleichsam facettenreich wie naturverbunden, deshalb bin ich nicht Gewichtheber geworden», lacht er auf.

 

Hanspeter Iselis neuer Coup, in Zusammenarbeit mit «Schenk Bootbau»

Die Technik, das Draussensein und der Balanceakt machen für ihn die Faszination aus. An Regatten schlug er den Erfolgskurs ein: An internationalen Meis­terschaften und Hochseeregatten segelte er in die Top Ten. «Bei wenig Wind ist Segeln wie Schachspielen, bei viel Wind wie Leistungssport», beschreibt Hanspeter Iseli. «Zwölf Stunden pausenlos auf dem wilden Wasser sein, verlangt alles an Konzentration und Kraft ab.» Einen kräftigen Schub verlieh er der Segelschule Thunersee, die er 1984 übernahm. Iseli krempelte die Ärmel hoch und den Verein um – unter anderem holte er Instruktoren ins Boot, die das Segeln von der Pike auf beherrschen, baute Schiffspark und Seestationen aus. Am 20. Mai findet das traditionelle An­segeln in Spiez statt, zum letzten Mal mit Iseli als Geschäftsführer. Vom sprichwörtlich weinenden Auge will er nichts wissen: «Ich habe diesen Job 33 Jahre lang gemacht, eigentlich waren fünf geplant», sagt er schmunzelnd, «ausserdem warten neue Herausforderungen». Er deutet auf die Holzkonstruktion im Regal, ein Modell des Solarboots, das er mit einem Partner entwickelt und in den vergangenen fünf Jahren gebaut hat. Das «Unique Boat», eine Art Hausboot mit Solarzellen auf dem Dach, steht im Hafen bereit für erste Probefahrten. An schönen Tagen holt Iseli seine Frau abends auf der anderen Seeseite von der Arbeit ab. Er träumt von einer Serienproduktion – und vom Fliegen. Pünktlich zur Pensionierung hat er zwei foilende Segelboote («Foils») geordert, die dank Tragflügeln förmlich über das Wasser schwirren. Um Hanspeter Iseli wird es gewiss nicht windstill.

 

 

Im Sommer bringt Hanspeter Iseli Simon Brügger ans Ruder.

Kontakt: Segelschule Thunersee, Hilterfingen, 033 243 08 80

 

Fotograf: Romel Janeski