Handgemachter Schmuck: Ganz und Gal gelassen

Fabienne Gal erfindet das Simple neu. Schön raffiniert, wie sie uns damit das Leben leichter macht. Von der Zierde der Zurückhaltung.

Heute ist einer dieser Tage, an denen einfach alles klebt wie geschmolzener Schleckstängel: Die Gedanken an der Schädeldecke, die Finger an der Maus und die nackten Schenkel am Bürostuhl. Ventilator sei Dank, gelingt es mir doch, mich loszureissen. «13.30 Uhr, Gal» hatte ich in meine Agenda gekritzelt.

 

Liebe zum Detail: Fabienne Gal kreiert Schmuck aus hochwertig legiertem Metall.

 

Fabienne Gal und ihr Freund Daniel Rolli begrüssen mich im Atelier in der Berner Länggasse. Minimalistisch und piekfein aufgeräumt, versuche ich mir vorzustellen, wie hier Funken und Silberstaub fliegen. Dann nämlich, wenn Fabienne an der Walze steht oder mit dem Bohrer hantiert, um ihren Schmuck in Kleinstserie anzufertigen. Seit drei Jahren verwirklicht sie ihre eigene Linie «GÅL».

 

Handwerk: Jedes Schmuckstück fertigt sie in stundenlanger Handarbeit an.

 

Ort der Kreativität: Neue Ideen und To-Dos hält sie an der Pinnwand in ihrem Atelier fest.

 

Designt aus eigenem Bedürfnis

Ihre Bijous sind derart dezent und federleicht, dass sie jeden Look ergänzen. Und vor allem: Sie verleiden nie. Manchmal dünkt es mich, je grösser die Auswahl, desto schwieriger die Entscheidung. Da ist ihre Kollektion mit acht Kostbarkeiten wohltuend überschaubar. «Man spürt den Schmuck kaum beim Tragen», kommentiert die 29-Jährige, die jedes Stück selbst (probe)trägt. «Mir ist es wichtig, dass meine Kreationen alltagstauglich sind, das heisst: bequem und niemals nervig», sagt sie. Oh ja, ich kenne die Sorte Ringe, die auf einmal stört!

«Meine Designs entstehen aus meinem eigenen Bedürfnis heraus oder im Austausch mit meiner Kundschaft», beschreibt die gelernte Goldschmiedin. Woher die Leidenschaft für Schmuck? «Die entfachte sich beim ‚Chräuele‘ im Kindergarten», erinnert sich Fabienne, die in Rubigen aufgewachsen ist. Ihre Geistesblitze skizziert sie mit Bleistift, dann tastet sie sich am Material an die schlichten und zugleich charakterstarken Formen heran. «Ich möchte ein besonderes Tragegefühl vermitteln, aber auf eine unaufdringliche Art», beschreibt sie.

 

Besondere Bildwelt: Fabienne Gal inszeniert die minimalistische Raffinesse ihrer Kreationen

 

Ihr strengster Kritiker trägt keinen Schmuck

Ideen und To-Dos hat sie stets auf Augenhöhe, vorbildlich strukturiert an die Wand gepinnt. «Das ist der Einfluss von Daniel», bemerkt sie schmunzelnd. Ihr Freund, früher Buchbinder und heute Grafikdesigner (und übrigens Initiant der «Ping Pong»-App), ist ihr ehrlichster Kritiker. Er betrachtet taufrische Entwürfe mit dem nötigen Abstand. Oft feilt das Paar gemeinsam an den Designs. Zurzeit tüfteln sie an einem Ohrhänger in Stäbchenform. Ob es die schwerelose Preziose jemals in die Kollektion schafft, ist ungewiss. Selbst trägt Daniel kein einziges Schmuckstück – ausser man hält seinen Rauschebart für eins. «Ich möchte gar nicht, dass Daniel Schmuck anhat, er würde verkleidet wirken», bringt uns Fabienne zum Grinsen.

 

Schöne News: Die filigranen Ringe und Ketten der Linie «GÅL» gibt es neu auch in Roségold

 

Einer von Daniels Favoriten ist der mehrreihige Silberring. Als bekennende Schmuckliebhaberin lasse ich es mir nicht nehmen, dieses besondere Stück anzuprobieren. Vorsichtig streife ich den filigranen Ring über. Ich ertappe mich beim Gedanken, er möge doch einfach an meinem Finger, wurstdick von der Sommerhitze, klebenbleiben.

Ausgewählte Stücke von «GÅL» findet ihr in Bern bei Ooonyva und Feinfracht wie auch in Zürich bei Berenik.

Ob Fabienne Gal die Stäbchen-Ohrhänger tatsächlich fabriziert und ihr Traum vom eigenen Laden in Erfüllung geht, erfahrt ihr natürlich hier.