Altes Handwerk mit neuem Dreh

In den Produktionsateliers der Textilen Fachschule reiht sich Tisch an Tisch, Nähmaschine an Nähmaschine. Bis vor kurzem stand diese Infrastruktur noch in Spiez, diesen Sommer erfolgte der Umzug nach Thun. Die Köpfe der angehenden Bekleidungsgestalterinnen sind gesenkt, hochkonzentriert auf ihre Näharbeiten: Von Armeejacken über Prototypen bis hin zu Designerstücken von Schweizer Labels. Beim Fenster liegen zwei blaue Kissen, aber nicht etwa zum Faulenzen: Es sind Klöppel­kissen. Darauf ruhen rund zwanzig Holzspulen mit straff gezogenen Fäden, bereit für das Wechselspiel von Drehen, Kreuzen und Legen. Barbara Moosmann war es, die angeregt hatte, einen Klöppelkurs durzuführen. «Niemand kannte die Technik, deshalb war das Interesse gross. Manche Lernende bestellten sich danach gleich ein Klöppelset», freut sich die Teamleiterin der Serienproduktion. «Wer nicht übt, vergisst die Handgriffe bald wieder», meint sie und ergreift den Klöppelbrief – die «Landkarte», welche die Route der Fäden vorgibt, um kunstvolle Motive zu erzielen. «Es erfordert Konzentration, schwatzen liegt dabei nicht drin – jedenfalls nicht bei uns», lacht Barbara Moosmann. Damit meint sie, dass die Hölzchen in geübten Händen im Takt schlagen, ticktack, ticktack – eine Fleiss­arbeit. Für einen schmückenden Kragen fallen rund 80 Arbeitsstunden an. Im 16. Jahrhundert fädelten die Italiener die Geschichte des Klöppelns ein, die sich ab ca. 1535 auch in der Schweiz weiterspann. «Traditionelle Handarbeitstechniken zu vermitteln, ist uns wichtig. Auch als Anregung, diese zeitgemäss zu interpretieren», erklärt Sabine Portenier, Betriebs­leiterin und Mode­schöpferin. Während man einst mit Rosshaar, Gold- oder Seidengarn klöppelte, wagen es die «Nähwerkerinnen» gar mit Jeansstoff. «Langsam, aber sicher sitzen die Grundschläge, jetzt experimentieren wir mit ungewöhnlichen Materialien», verkündet Barbara Moosmann und schlägt den nächsten Faden um.

Tage der offenen Tür, 20. und 21. Oktober 2017, 10–16 Uhr, Nähwerk IDM, Allmendstrasse 90, Thun

Fotografin: Nadine Strub

 

#DropIn

Chefredaktorin Daniela Dambach nimmt im «NÄHWERK IDM» die Klöppelstäbe und Fäden selbst in die Hand. Lesen Sie im BLOG, ob sie zwei linke Hände hat und wie die Textile Fachschule überhaupt zum Thema Klöppeln fand. Read more >