Willkommen im Club

Für Eingeweihte sind Business-Clubs vieles: Kontaktpflege mit Kalkül, Booster für das Berufsleben oder Streicheleinheit für das Selbst. Wie Netzwerker Fäden spinnen, die tragen.

 

Für den (beruflichen) Erfolg ist erwiesenermassen etwas wichtiger als Kompetenz und Können: Kontakte. «Sich kennen» lautet die Losung, wenn es darum geht, eine neue Stelle zu finden, eine antike Fleischschneidemaschine zu beschaffen oder Spitzenfussballern vom Logenplatz aus zuzujubeln. Sich dafür einem Netzwerk anzuschliessen, ist wesentlich effizienter, als wahllos Visitenkarten zu verteilen oder zu versuchen, sich das Vitamin B durch literweise Linsensuppe zuzuführen.

Ein Süppchen gehört durchaus zum Mehrgänger, den die Mitglieder des «Business-Club» in der Thuner «Stockhorn­arena» genüsslich auslöffeln. Ziel des vor 22 Jahren gegründeten Clubs ist es, den FC Thun finanziell zu unterstüt­zen – und die rund 120 beteiligten Firmen untereinander zu vernetzen. Sie stammen vorwiegend aus der Region Thun, vereinzelt auch aus den Regionen Bern, Interlaken und Simmental-Saanenland. Verwandt in Sinn und Geist ist der Verein «Härzbluet», den Luki Frieden 2014 ins Leben gerufen hat, um die Zukunft des FC Thun mit Spenden­geldern zu sichern. Bei allen Heimspielen sitzen Busi­­ness-Club-Members auf den besten Plätzen und dinieren in der Stadion-Lounge. Zudem treffen sie sich zu Lunches oder Events. Füllt sich das Stadion mit Weissroten und ertönt die Stimme des Speakers durch die Lautsprecher, ist auch Erika Giovanelli Rolli mit von der Partie, die für die Administration im «Business-Club» verantwortlich zeichnet. Als sie dem Club, zusammen mit ihrem Mann, vor 15 Jahren beigetreten ist, war sie fast die einzige Frau. «Das hat mich nicht weiter gestört», so Giovanelli Rolli, «schliesslich bin ich es gewohnt, mich in einer Männerdomäne zu bewegen.» Als junge Bauzeichnerin war sie auf Baustellen sozusagen das Küken im Hahnenkorb. «Eine Lebensschule, die mir gewiss auch das eine oder andere Haar auf den Zähnen beschert hat», meint sie. Ein reiner Frauenclub wäre indes nichts für sie: «Ich habe dies nie als meinen Platz gesehen – aber natürlich ist die Gleichberechtigung erst erreicht, wenn mal sieben unfähige Bundesrätinnen regieren», meint sie mit einem Augenzwinkern. Am lokalen Vereinsleben teilzunehmen – sei es in der Turnriege oder dem Frauenverein – empfindet sie als Selbstverständlichkeit, schliesslich sei dies üblich in ihrer Familie. «Manche besuchen ein-, zweimal ein Treffen und dann nie wieder, weil sie denken, es bringe nichts», stellt sie fest. «Türen öffnen sich nicht von alleine, Club hin oder her. Man muss diese Bekanntschaften über Jahre aufbauen und geduldig dranbleiben, bis sie Früchte tragen.»

Business-Club, Thun: 1995 gegründet, verfolgt der Club das Ziel, den Spitzenfussball im Berner Oberland zu gewährleisten und zugleich wirtschaftliche Beziehungen unter den Mitgliedern zu fördern. Rund 200 Privatpersonen und Firmen geniessen durch ihre Mitgliedschaft Logenplätze im Stadion oder Club-Anlässe. FC Thun

Verein mit eigener App: «Härzbluet» zeigen die Supporter des FC Thun auf verschiedenste Arten: Mit T-Shirts, ausgefallenen Aktionen oder Geld­spenden. 

<Legeplama> ist wie meine zweite Familie.»

 

Die Kontinuität ist es, die auch Andreas «Res» Zwahlen hochhält. Seine Herrenrunde «Legeplama» gibt es bereits seit 16 Jahren. «Dem Regelwerk ist es mitunter zu verdanken, dass wir bis heute bestehen», ist er überzeugt. Wer hinter dem Begriff etwas mit Legen oder Lamas vermutet, liegt insofern richtig, als dass Kartenlegen oder Lamareiten durchaus valable Aktivitäten für den Kerle-Klüngel wären. Der Münsinger setzt seine wohl bitterernsteste Miene auf und erklärt: Die Abkürzung steht für «leidgeplagte Mannen». «Das Leid im Leben eines jeden Mannes ist gross», legt er sogleich nach, wobei nun der Schalk in seinen Augen aufschimmert. Eher früher als später fällt der Blick auf seine Gürtellinie, wo ein silbernes Dreieck mit zwinkerndem Gesicht prangt. Das geschützte «Legeplama»-Logo ziert nicht nur Gürtel, sondern auch T-Shirts oder Schlüsselanhänger. «Das Abzeichen macht zwar sichtbar, welchem Bund ich angehöre, aber im Grunde ist mein ganzes Leben ein grosses Netzwerk», überlegt er laut. Man sei schliesslich immer auf Mitmenschen angewiesen, die einem weiterhelfen, mitziehen oder etwas beibringen. Die Geschichte der Männerstiftung begann ironischerweise mit einer Frau – einer winzigen: Als ein Freund Vater einer Tochter wurde, feierte er das freudige Ereignis mit sieben Kumpels in einer Kneipe. Rund anderthalb Jahre später folgte das zweite Kind und somit die zweite Papa-Party. Dass seine Familienplanung somit abgeschlossen war, erregte allseitiges Bedauern und die Herren waren wild entschlossen, ihre geselligen Treffen nicht vom Kindersegen abhängig zu machen. Von der Gründung am 15.11.2001 zeugt die Stiftungsurkunde, niedergekritzelt auf ein Papiertischset – das Original ist in einem feuersicheren Tresor verwahrt. Nach Kartrunden, Knusperpizzen und kelchweise Rotem formulierten die acht Gründer den Stiftungszweck aus: Lindern aller Leiden der ehrenwerten «Legeplama»-Mitglieder. Seither treffen sie sich jeden dritten Donnerstag des Monats, ausser im Juli und Dezember. «Diese Daten sind in meinem Kalender auf ewig reserviert», sagt Andreas Zwahlen. Gemäss Statuten verpflichtet sich jedes Mitglied, acht von zehn Anlässen pro Jahr beizuwohnen. Ansonsten droht: der Ausschluss. Unentschuldigte Absenzen füllen das «Stiftungskässeli» ebenso wie andere Strafeinschüsse, beispielsweise dem Nichteinhalten des «Sackbefehls». Letzterer fasst zusammen, was ein «leidgeplagter Mann» bei sich zu tragen hat. Aus der schwarzen Tasche, die jener der Kondukteure gleicht, kramt Andreas Zwahlen allerhand hervor: eine Gummischlange, ein getöpfertes Schälchen, eine Schachfigur, ein Golfball und ein in Samt gehüllter Zinnbecher. Was Aussenstehenden vorkommt wie der Inhalt einer Wundertüte, sind für ihn erinnerungsgetränkte Souvenirs von «Legeplama»-Anlässen. Die Anwesenheitskontrolle erfolgt anhand der Zinnbecher, die ein «Legeplami» mit einem edlen Getränk befüllt, aus einer Flasche in Form eines Frauenkörpers. «Das ist sozusagen die einzige Frau, die wir in unserem Zirkel dulden», schmunzelt er. Was das eingeschworene Dutzend zusammen erlebt hat, dokumentiert eine Tabelle schnauzhaarklein: Armbrustschiessen, Klettern, Glasblasen, Mentaltraining, Messerschmieden oder Alphornbauen steht da. «Die Kollegen organisieren die Abende alternierend, wobei jedes Mal ein neues Erlebnis auf dem Programm steht – mit Abendessen», erklärt Zwahlen. Vor dem Schlemmen gilt es, den offiziellen Teil zu stemmen: Jeder «Leidgeplagte» kommt zu Wort und berichtet, was ihm vergangenen Monat widerfahren ist. Während dieser Runde schieben sie den Spass beiseite wie ein leergetrunkenes Weinglas: Sie bereden auch heikle Themen, sodass der Austausch manchmal lange nachhallt. Das im Vertrauen Gesagte sickert nicht durch, weil der Bund dichthält, selbst bei bohrenden Fragen von aussen. «Zwar gibt es Meinungsverschiedenheiten, aber nie persönliche Angriffe. Vermutlich ist das einer der Unterschiede zu Frauenrunden.» Zwahlen erzählt vom Versuch einiger «Legeplama»-Partnerinnen, die einen ähnlichen Club initiierten, jedoch bereits nach der dritten Zusammenkunft scheiterten. Diesen auserwählten Kreis im Rücken zu wissen, erfüllt ihn mit Stolz: «Ich kann auf die <Legeplami> zählen. Ginge es mir schlecht, würden binnen Stunden zwei, drei bei mir auf der Matte stehen.» Wer sich nun die Hände reibt und nachschaut, ob der nächste Donnerstag noch terminfrei ist, möge nicht allzu enttäuscht sein: «Legeplama» ist eine geschlossene Gruppe, deren Mitgliederzahl statuarisch auf zwölf begrenzt ist. «Wir ermuntern aber andere dazu, eine eigene Legeplama-Stiftung im gleichen Sinn zu gründen, nach dem Franchising-Prinzip», verkündet Andreas Zwahlen und legt seinen Zinnbecher behutsam zurück in die Tasche – temporär, denn nächsten Donnerstag wird er ihm wiederum «leidensmildernde» Dienste erweisen.

Legeplama, Münsingen/Ouagadougou: Gegründet auf einem Tischset, fanden in 15 Jahren bereits 150 Events statt. Die Stiftung «Legeplama» dient dem Zweck, die Leiden der «leidgeplagten Mannen» zu lindern. Was lustig tönt, ist es nicht nur: An den donnerstäglichen Vergnügen sind die 12 Mitglieder auch ernsthaften Gesprächen nicht abgeneigt. Legeplama auf Facebook

 Die «leidgeplagten Mannen» beim fröhlichen Fotoshooting bei einem Profifotografen im November 2014. 

«Nur heterogene Netzwerke sind spannend.»

«Kontemporär» lautet das Konzept der «zone contemporaine» in Niederwangen. Auf 300 m2 hat Oliver Fahrni Raum für zeitgenössische Kunst geschaffen, wo man keine erwartet: In seinem Pneu-Haus. «Das hat sich 2012 im Zuge eines Anbaus so ergeben», sagt er nonchalant und setzt sich in den schwarzen Clubsessel, der seine gepolsterten Arme nach ihm auszustrecken scheint. Bilder, eingehüllt in undurchsichtigen Folien, lehnen an der Wand aneinander wie After-Eight-Quadrate im Schächtelchen. Zartbitter erlebte er die Zeit, als er mit 33 Jahren Kunstgeschichte zu studieren begann und ihm die Pneu-Branche alle möglichen Steine in den Weg legte. Doch Oliver Fahrni ist gut im Konstruieren, schliesslich studierte er einst Mikrotechnik, dann BWL. Ein Pneuhändler, der auf einmal über Picasso philosophiert? Der seine Gewerbehallen gar mit Graffitis garniert? Das brachte die Gerüchteküche in der Branche zum Aufheulen, lauter als ein LKW-Motor. Sich nebenberuflich für Motorsport zu interessieren, scheine akzeptiert, Kunst hingegen gelte als sonderbar. «Wenn ich provozieren will, tue ich das mit der Kunst. Wenn ich die Wogen glätten will, bin ich einfach der Geschäftsführer eines Familienunternehmens, das heuer das 80-Jahre-Jubiläum feiert», stichelt er. Die Geschichte von Pneu Fahrni geht zurück ins Jahr 1937, als Walter Fahrni die Firma in Bern gründete. Oliver Fahrni hebt den Arm zirka einen Meter hoch über den Boden. «So gross war ich, als ich angefangen habe!» Schon mit sechs Jahren, als ihm noch das kleinste Übergewand zu gross war, half er für Sackgeld in der Firma aus. «Ich war stolz, dass man mich gebrauchen konnte und ich ein Rädchen im Betrieb war». Von klein an ist er es gewohnt, etwas zu geben, um etwas zu bekommen. Etwa im Netzwerk «JCI Bern», für das er sich seit über zehn Jahren engagiert und das er ein Jahr präsidiert hat. «Die Wirtschaftsjunioren sind das beste Netzwerk für junge Unternehmer, weil mit dem 40. Lebensjahr Schluss ist», findet der 44-Jährige. Diese Altersbegrenzung stelle sicher, dass man mit Leuten zusammenkommt, die mitten im (Berufs-)Leben stehen. Für seine Verdienste ernannte ihn die Wirtschaftskammer zum Senator, einem Ehrenmitglied auf Lebzeiten. «Für mich ist ein Netzwerk dann sinnvoll, wenn man darin aufblüht. Wenn man Vollgas geben, sich aber auch mal zurücknehmen kann.» Heutzutage sollte man neben To-do-Listen auch Do-not-Listen führen, zitiert er einen Satz, den er mal aufgeschnappt hat. Der von offenen Gedanken angetriebene Unternehmer rät dazu, Engagement und Nutzen abzuwägen. Seine Nostalgie-Jukebox aus Westberlin, seine legendäre «Cifra 12»-Uhr oder seine «Berkel»-Fleischschnei­de­maschine von 1931 zeugen handfest davon, welche Möglichkeiten lange gehegte Verbindungen eröffnen. «Oft genügt ein Anruf», bemerkt er, während er die lackschwarze «Berkel» mit der Schutzhülle abdeckt. Erzwingen könne man nichts – schon gar nicht, dass die Mitglieder bleiben. «Strenge Regeln bringen insbesondere nichts, wenn diese notwendig sind, um die Leute überhaupt im Club zu halten.»

JCI, Bern: «Junior Chamber International» ist ein internationales Netzwerk für Führungskräfte bis 40 Jahre, dessen Engagement der Allge­meinheit gilt. JCI ist hierzulande mit 70 Kammern und rund 2000 Mitgliedern vertreten. Der Natio­nalkongress findet vom 11. bis 14. Oktober in Bern statt. JCJ Bern

Die «JCI Bern» bei der Besichtigung von Blaser Café und der Kaffeerösterei in Bern

Von strikten Regeln geprägt, ist der traditionelle «Lions Club» aus den USA, der dieses Jahr das 100-jährige Bestehen zelebriert. Grau melierte, zigarrenqualmende Grandseigneurs – von diesem Klischee ist der «Lions Club Thunersee» so weit entfernt wie Thun von Chicago. Helen Kirchhofer begründete ihn 2003 mit, als ersten gemischten «Lions Club» in der Region. Anfänglich war die Unternehmerin skeptisch, schliesslich beissen sich fixe Pflichttermine und eine unstete Lebensweise, starre Strukturen liegen ihr nicht. «Wenn ich einem Club beitrete, dann nicht um eine goldene Brosche zu tragen, sondern um am Karren zu ziehen», stellt die 65-Jährige klar. Der Lions-Leitgedanke «we serve – wir dienen» bewog sie dazu, sich auf den Club einzulassen. Schliesslich legten die Gründer die Regeln kulant aus; weniger elitär und dafür bedürfnisgerecht. «Vor allem Junge denken, wir seien ein elitärer Haufen. Dem ist nicht so, wir nehmen laufend neue Mitglieder um die 30 Jahre aus verschiedensten Branchen auf», räumt sie Vorurteile beiseite. Ein Anliegen ist ihr, noch mehr Frauen für das Netzwerk zu gewinnen: «Mein Verständnis von Feminismus ist, sich gemeinsam mit den Männern vorwärts zu bewegen, statt gegen sie.» Auf der Agenda stehen karitative Events wie Wanderungen mit Krebspatienten, die Bond-Night oder der Kindersingtag für Menschen mit Behinderung. Gutes zu tun, motiviert eine, die eigentlich nichts mit Vereinen am Hut hat: «Zusammen bewegt man mehr als allein.» Ein «soziales Netzwerk» eben, aber in echt.

Lions Club Thunersee: Der «Lions Club», vor hundert Jahren von Melvin Jones in Chicago ins Leben gerufen, hat weltweit 1,4 Millionen Mitglieder. Vor 14 Jahren schlossen sich Männer und Frauen zum ersten gemischten «Lions Club» der Region zusammen, mit der Motivation, der Gesellschaft als Hilfsdienstorganisation zu dienen. Thunersee Lionsclub

 Der «Lions Club Thunersee» gesamthaft am posieren während dern 10-Jahre-Jubiläumsfeier.