Upcycling-Möbel: Aus alt mach neu

Beat Lüthi verwischt mit seinen Upcycling-Möbeln die Grenze zwischen Kunst und Design. Er erzählt von seiner Leidenschaft für das Upcycling-Handwerk.

Als ich aus meinem Auto aussteige, fühle ich mich als wäre ich in einen grünen Farbtopf gefallen – Felder und Wälder umgeben mich soweit das Auge reicht. Ich lasse den Ausblick einen Moment lang auf mich wirken – als Stadtkind sehe ich so ein Bild schliesslich nicht alle Tage. Ich bin aber nicht hier, um einen langen Spaziergang zu machen, sondern weil ich mich mit Beat Lüthi treffe. Der Schreiner wohnt hier mit seiner Familie in der alten Sägerei auf dem Belpberg, wo er auch arbeitet. In seiner Schreinerei kreiert Beat aus vermeintlich Unbrauchbarem kreative Möbelstücke, sogenannte Upcycling-Möbel.

 

Vom Möbelstück zum Kunstobjekt

«Mein Arbeitsalltag besteht aus gängigen Schreinerarbeiten, die auf Plänen und genauen Ausmessungen basieren – bei meinen Upcycling-Möbeln ist das genaue Gegenteil der Fall. Für mich ist das der perfekte Ausgleich», erzählt Beat. Der Schreiner setzt Farben, Formen und Winkel so einzigartig ein, dass seine Upcycling-Kreationen die Grenzen zwischen Kunst-, Möbel- und Designwelt verwischen. Wie ein überdimensionales Puzzle setzt er alte Möbelstücke neu zusammen und haucht ihnen durch die Neukomposition wieder Leben ein, ohne dabei den Charme vergangener Tage zu verlieren.

Beat mag es, dass er mit seinen Unikaten mehr Individualität und Charme

in die Schweizer Wohnungen bringen kann.

 

Eine «Puzzle-Anleitung» für seine Möbel hat Beat aber nicht. «Eine vage Idee, wie das Upcycling-Möbel am Schluss aussehen soll, gibt es immer», erklärt Beat. Diese sei aber nicht in Stein gemeisselt – ganz im Gegenteil: «Da ich mit Möbeln arbeite, die meist schon bestimmte Formen oder Farben vorgeben, muss ich erfinderisch und flexibel bleiben».

 

Der Schreiner kreiert seine Upcycling-Werke in den unterschiedlichsten Grössen, Formen und Farbkombinationen.

 

In seiner Werkstatt hat sich mit der Zeit eine beachtliche Sammlung an vermeintlich unbrauchbaren Möbelstücken angehäuft. Kein Wunder, schliesslich hält der 47-Jährige an praktisch jeder Mulde und Entsorgungsstelle Ausschau nach neuer «Ware» für seine Upcycling-Möbel.

Kreative Köpfe unter sich

Der manchmal langwierige kreative Prozess ist für den Kopfmenschen Beat nicht immer einfach. «Manchmal hirne ich so lange an einem Design herum, dass ich mich völlig festfahre. Dann muss ich das Möbelstück eine Zeit lang in eine Ecke stellen und mich mit etwas anderem beschäftigen.» Meist hilft ihm ein kurzer Input seiner Frau Jeanette Jakob, die als Künstlerin seine Leidenschaft fürs Kreative teilt. «Das ehrliche Feedback von Jeanette löst den Knoten in meinem Kopf», meint Beat lächelnd.

 

Die alte Sägerei auf dem Belpberg birgt während dem dreitägigen «Sagi-Event» Design- und Kunstschätze.

 

Auch Jeanette präsentiert ihre Kunstwerke den Besuchern des «Sagi-Event».

 

Beat Lüthi stellt hier seine einzigartigen Möbelstücke aus.

«Das Feedback am letzten Event war unglaublich gut», erzählt er stolz.

 

Jeanette ist übrigens auch der Hauptgrund, weshalb Beat überhaupt in die Upcycling-Welt eingetaucht ist. «Sie gibt seit Jahren Recycling-Kurse und hat früher Taschen aus alten Traktorschläuchen designt – da hat sie mich mit dem Thema angesteckt», erinnert er sich. Das ist nun rund 15 Jahre her. Seitdem ist Beat mit seinen Kreationen an verschiedensten Messen und Ausstellungen in der ganzen Schweiz unterwegs – natürlich auch an seinem eigenen «Sagi-Event». Diesen Design- und Kunstevent organisieren er und seine Frau alle paar Jahre gemeinsam und verwandeln dafür das ganze Sagi-Gelände in eine riesige Ausstellung.

Welche kleinen und grossen Kunstwerke Beat sonst noch plant und wann der nächste «Sagi-Event» stattfindet, erfahrt ihr natürlich hier.