Adrian Reber: Von Grosis Vorhang zum Designerstück

Was haben Grosi, antike Vorhänge und ein Grandhotel gemeinsam? Sie alle inspirierten den Designer Adrian Reber zu seiner aktuellen Kollektion.

Ein kleiner Junge steht im grossen Saal des Grandhotels auf der Grimmialp und schaut um sich, beeindruckt von den prunkvollen Kronleuchtern und ausladenden Blumenbouquets. Dieser Kindheitserinnerung bediente sich der Berner Modedesigner Adrian Reber als Aufhänger für seine aktuelle Herren-Kollektion. «Meine Grosseltern arbeiteten im Grandhotel. Ich erinnere mich noch gut daran, wie imposant das Anwesen auf mich wirkte», erzählt Adrian.

Ganz Reber-typisch sind manche Teile, deren Stückzahl streng limitiert ist, aus recycelten Stoffen designt – wie die goldene Hose aus antiken Vorhängen, die sein Grosi aus ihren Hotel-Zeiten aufbewahrt hatte. «Auch sie war Schneiderin und leitete im Grandhotel die Lingerie-Abteilung – und ich erbte ihren Stoff-Fundus», sagt der 42-Jährige mit leuchtenden Augen. Die antiken Stoffe erzählen eine längst vergessene Geschichte, die der Designer in seinem ganz eigenen Stil umschreibt.

Das Cape aus recyceltem Pelz ist das persönliche Lieblingsstück von Adrian Reber.

Schritt für Schritt zur neuen Modekollektion

Adrian Reber begibt sich mit jeder Kollektion auf eine Reise – sei das ein Morgenspaziergang, ein Trip nach Asien oder eben ein Ausflug in die Berge. Die Entwürfe beginnen mit einer vagen Idee, die sich mit der Zeit immer mehr konkretisiert. «Ich suche oft lange nach dem richtigen Aufhänger und geeigneten Stoffen, um eine bestimmte Vision umzusetzen», erklärt der Designer. «Meistens inspiriert mich etwas ganz unverhofft – ein Bild, ein Stoff oder eine Erinnerung. Die Kollektion und die damit verbundene Reise setzt sich dann wie ein Puzzle in meinem Kopf zusammen.»

 

 

«Inestäche, umeschlah…» Strickteile gehören in jede Kollektion von Adrian Reber. «Ich habe schon in der vierten Klasse meinen ersten Pullover ‹glismet›», erinnert sich der Modedesigner.

 

 

Auf nach Ibiza und Haute Couture

Wo geht die Reise von «Adrian Reber» als nächstes hin? «Die Sommer-Kollektion führt ins Ibiza der 70er Jahren», verrät mir Adrian. Ausserdem möchte er in Zukunft stärker Richtung Haute Couture gehen. «Ich fände es spannend, noch ausgefallenere und aufwendigere Teile zu kreieren», meint Adrian. Auch ein eigenes Geschäft wäre für den Designer denkbar. «Allerdings bräuchte ich dafür mehr Zeit – momentan reise ich einfach zu oft in der Weltgeschichte herum.»

Vom 24. bis zum 26. November legt Adrian aber einen Zwischenstopp an der «blickfang»-Premiere in Bern ein. Geht mit seinen einzigartigen Modeteilen auf Tuchfühlung und plaudert mit dem Designer höchstpersönlich.

 

 

 

Fotograf: Simon Wyss