Die Holzdesignerin, die mit dem Feuer spielt

Designerin Emma Baumhofer kreiert geometrische Holzkunstwerke – und experimentiert in ihrem Berner Atelier gerne mal mit Feuer.

So ein Schachbrett habe ich ja noch nie gesehen, dachte ich mir, als ich im August am «Schauplatz bei Peter Flamingo» an Emma Baumhofers Stand vorbeischlenderte. Ich liess meine Finger über die schmalen Holzteile streifen, die geometrisch genau angeordnet waren und spannende Muster ergaben. «Wow, das sind ja Holzbilder», rief ich meiner Freundin zu, die drei Stände weiter stand. Ich wollte mehr über die Kreationen wissen und stibitzte mir eine Visitenkarte.

«Ich habe mir gerade einen Bunsenbrenner gekauft», plaudert Emma drauflos, als ich sie ein paar Wochen später treffe, und freut sich dabei wie ein Kind im «Schläckzüglade». «Damit kann ich das Holz verändern, ohne zum Farbtopf zu greifen.» Neue Techniken in ihrem Atelier unter der Lorrainebrücke auszuprobieren, ist genau Emmas Ding. «Am liebsten lege ich einfach los und setze meine Werke wie ein grosses Mosaik zusammen. Ich halte zwar alle meine Ideen in einem Notizbuch fest ­– jedoch habe ich keine meiner Skizzen jemals eins zu eins umgesetzt.»

Ihre Holzkunstwerke klebt Emma mit Holzleim zusammen. «Je nach Grösse kommen auch

mal ein paar Nägel zum Einsatz», meint die Holzdesignerin.

 

 

Holzhandwerk als Ausgleich

Die Leidenschaft für das Holzhandwerk entflammte, als die gebürtige Amerikanerin vor ein paar Jahren einen kreativen Ausgleich zu ihrem Job als Digital Managerin suchte. «Mein Vater kennt sich als Bauunternehmer gut mit dem Material Holz aus und brachte mir alles übers Sägen und Schleifen bei.» So fing Emma an, in seiner Werkstatt alte Holzlatten auf Vordermann zu bringen. Sie befreite das Holz von Nägeln und schliff es neu ab, um es zur Gestaltung ihrer Kunstwerke zu verwenden. «Da mein Vater regelmässig Holzwände aus Häusern herausriss, wurde mein Vorrat an Holz nie knapp», erinnert sich Emma.

 

Emma Baumhofer macht auch Auftragsarbeiten: «Ich finde es total spannend, mit einem Kunden zusammen ein Holzkunstwerk zu erarbeiten und umzusetzen.»

 

 

Holzbilder mit Eigenleben

Das änderte sich, als sie vor vier Jahren aus beruflichen Gründen nach Bern zog. «Seit ich mein Material einkaufe, verbringe ich weniger Zeit mit dem Aufbereiten des Holzes und kann sofort mit den Designs loslegen.» Das hat Emmas Stil stark beeinflusst. «Meine Holzbilder sind jetzt viel klarer und moderner.» Der unverkennbare Look von Emmas Werken entwickelt sich weiter, hin zu faszinierenden, naturbelassenen Holz-Mosaik-Bildern. «Bislang habe ich meine Bilder zum Schutz immer mit Klarlack überzogen. In Zukunft möchte ich darauf verzichten, damit das Holz seine Farbe und Struktur verändern kann – und sozusagen ein Eigenleben führt.»

Ausserdem würde die 32-Jährige in Zukunft gerne andere Formate in Angriff nehmen, zum Beispiel Türen und Tischplatten. Also gehts eher Richtung «Interior Design»? «Nein, so würde ich das nicht nennen. Die Bezeichnung ‹Art with a purpose› – also ‹Kunst mit einer Bestimmung› – ist passender», schmunzelt sie. Auch grössere Aufträge stehen auf der Wunschliste von Emma Baumhofer. «Die Tischplatten für ein kleines Café in Bern designen – das ist ein grosser Traum von mir».

Habt ihr Lust, Emmas Kunstwerke mit eigenen Augen zu sehen und mit ihr persönlich zu plaudern? Dann habt ihr an der Designausstellung «Design 22» vom 17. Dezember in Bern die Möglichkeit dazu.