«Füdleblutter» Wahnsinn: Unterhosen mit Umweltbewusstsein

Sie ist am Arsch und dort gehört sie auch hin: Wie der Berner Kevin Bucher mit seiner Herrenwäsche das Thema Nachhaltigkeit unter die Gürtellinie bringt.

«Was trägst du drunter?» Mit dieser intimen Frage piesackte Kevin Bucher monatelang Freunde und Bekannte. Jetzt stapeln sich bei ihm zuhause über 2000 fair produzierte Unterhosen in Reih und Glied. Aber alles von vorne – von A wie Arsch* bis Z wie Zwickel.

* Warnhinweis: Das Wort «Arsch» weist im folgenden Text eine erhöhte Dichte auf. Wem das die Schamesröte auf die Backen treibt, guckt besser nur die Bilder an.

Ihr lest weiter! Cool, klingt doch ganz malerisch, so ein laut ausgesprochenes «Arsch» mit herzhaftem «sch». Aber zurück zum eigentlichen (Hinter-)Teil …

«Ich trage seit Jahr und Tag Unterhosen!», antwortet Kevin lachend auf meine Frage, wie er überhaupt auf die Idee gekommen sei, Herrenunterwäsche herzustellen. Wer nicht?!, denke ich und verzichte darauf, diesen Gedanken weiter auszuführen … Bei Bekleidung, die sichtbar ist, achte man zunehmend auf Nachhaltigkeit – nicht aber bei der Unterwäsche, obwohl diese direkt auf der Haut aufliegt, stellte er fest. «Das hat mich gewaltig gestört.»

Slip, Slip, Hurra: Endlich gibt es nachhaltige Unterwäsche für den urbanen Rebellen. Magenta ist die

Lieblingsfarbe des Labelgründers Kevin Bucher.

Fair im Schritt: Hippe Männerunterhosen ohne Kehrseite
Eines Nachmittags klapperte der 38-Jährige sämtliche Kleiderläden von der Zytglogge bis zum Bahnhof ab und kaufte alle Männerunterhosen, die ihm in die Finger kamen. Zuhause breitete er seine schnittige Beute aus, probierte sie an und notierte Arsch- und Augenfälliges. Mit Fragerunden beim Feierabendbierchen festigten sich seine Erkenntnisse wie ein «Füdle» im Fitnessstudio. «Verlauf der Nähte, Ziehkraft am Bund … ich bin auf die Welt gekommen, wie komplex eine Unterhose doch eigentlich ist», denkt er zurück. Als er alle Knacknüsse gelöst hatte und es einer der Prototypen in die Po(le)-Position schaffte, lief die Produktion an. Aber nicht etwa am Arsch der Welt, sondern im Herzen Europas. «Schadstofffreie Bio-Baumwolle, faire Löhne und kurze Transportwege», zählt er auf, was seine «Flizzer» auszeichnet.

Wie eine zweite Haut, damit die Bewegungsfreiheit nicht in die Hosen geht: Für die perfekte Passform hat der Berner viel Zeit investiert und Freunde für das Probetragen eingespannt.

 

Mit dem frechen Anti-«Füdlebürger»-Design fegt «Flizzer» alle Vorurteile gegenüber Öko-Mode vom Platz. «Wir sind am Arsch», lautet das Statement, das urbane Rebellen in Weiss, Schwarz, Petrol oder Magenta in die Welt hinaustragen. «Die Weissen habe ich nur für die Damen in das Sortiment aufgenommen – kein Kerl würde sich selbst weisse Shorts shoppen», ist der gelernte Maschinenzeichner überzeugt. Immerhin kaufen 30% der Frauen die Unterwäsche für ihren Partner ein, fand er heraus. Auch bei der Frage, ab wann eine Herrenshorts untragbar ist, gehen die Ansichten zwischen Mann und Frau weiter auseinander, als ein Elastikbund dehnbar ist: «Frauen ersetzen sie, wenn sie langsam ausleiert – Männer erst, wenn sie löchrig ist.» Für stets straffen Stoff sorgt Kevin Bucher mit seinem Unterhosen-Jahresabo à sechs Stück.

 

Bio ja, aber mit spitzbübischem Charme: «Wir sind am Arsch», findet der 38-Jährige und tut deshalb etwas für die Umwelt. Die «Flizzer» produziert er in Europa zu fairen Bedingungen.

 

 

«Vielleicht gibt es bald Vater-Sohn-Packages», lacht er und wippt mit den Füssen, sodass seine Socken hervorblitzen – eine in Leuchtorange, eine in Pink. Rebellion geht eben auch diskret, untenrum. Nun zwickt einzig noch die Frage: «Höselst» du noch oder «flizzst» du schon?

Für alle, die sich nun am liebsten augenblicklich ihrer kratzenden Liebestöter entledigen möchten: «Flizzer» sind erhältlich bei Stoor, Rathausgasse 53, Bern oder im Online-Shop.