Holzbrillen-Design: «Frittä» mitten im Gesicht

Dominik Gassers Holzbrillen-Business läuft wie geschliffen: Schliesslich sind seine Designs augenfällig, die er von der Formgebung bis zum Feinschliff von Hand fertigt.

«Chruiträ» ist gar nicht einfach auszusprechen für Berner Zungen. Allerdings sind «Chruiträ», «Chingstiol» oder «Frittä» auch nicht zum Aussprechen da, sondern zum Aufsetzen – und zwar auf die Nase. Dominik Gasser, deren Schöpfer, benennt die Modelle nach Lungerer Flur­namen. So liegt «Chruiträ» beispielsweise in einem felsigen Wald- und Wiesenstück am höchsten Berg Lungerns, wo einst ­vermutlich heilsame Kräuter wuchsen. Dominik Gasser schoss mit seinen Holzbrillen nicht ins Kraut, sondern kultivierte sein Geschäftsfeld besonnen. Parallel zu seinem 50%-Job als Möbelschreiner, begann er vor fünf Jahren ­damit, Holzbrillen anzufertigen. Schon beim ersten «Anschnitt» war das Resultat weit ansehnlicher als ein blosses «Brett mit zwei Löchern»: «Der Prototyp war zwar funktional, aber ästhetisch durchaus verbesserungswürdig». Seine wachen Augen blicken heute durch eine «Hochstollä» aus ­Giswiler Nussbaum und geräucherter Lärche. Struktur und Maserung des naturbelassenen Holzes machen jedes Exemplar zu einem Unikat. «Mein Herz schlägt für das Handwerk», sagt er mit einer Inbrunst, sodass man sich einbildet, das Pochen zu vernehmen. Überzeugt, nicht auf dem Holzweg zu sein, pröbelte und schliff er am Design. Alsbald nahm ein lokaler Optiker die Lungerer Leichtgewichte in sein Sortiment auf. «Eine Fassung ohne Gläser wiegt im Durchschnitt gerade mal fünfzehn Gramm», beschreibt ­Dominik Gasser, nimmt seine Brille ab und hält sie knapp mit Daumen und Zeigefinger am Bügel fest.

Mutiger Brillenmacher: Nur acht Monate, nachdem er die allererste Brille vollbrachte,

machte sich Dominik Gasser mit 23 Jahren selbstständig. Aktuell umfasst seine Kollektion 45 Formen. 

 

 

Holz als Hommage an die Heimat
Der Bügel hat es in sich – ein kleines, rundes Stückchen ­Wurzelholz, in das seine Initialen eingraviert sind. Der 27-Jährige fühlt sich verwurzelt mit seiner Heimat Lungern, dem Idyll am Fusse des Brünigspasses. Senkt sich der Pegel des Lungernsees allwinterlich ab, watet Dominik Gasser in Gummistiefeln durch den Schlamm, auf der Suche nach den freigelegten Wurzelstöcken, dem Rohstoff für seine ­Siegel. «Sie drücken meine Heimatverbundenheit aus», so der Jungdesigner. In seiner Freizeit lässt er sich gerne beim Fischen den Wind um Nase und Brille wehen. Neben dem Mini-­Markenzeichen sind Ziffern eingebrannt, denn Dominik Gasser nummeriert die Unikate fortlaufend. Manche geraden Zahlen, beispielsweise Nr. 100 oder Nr. 1000, behält er für sich, schliesslich markieren sie persönliche Meilensteine. Bis dato hat er 1500 Brillen kreiert, einige davon mit Stör­leder. Dafür spannt er mit Textil-Talent Sabina Brägger zusammen, die aus Fischhäuten des «Tropenhaus Frutigen» kostbares Leder gewinnt. «Wir vereinen zwei traditionelle Handwerke, woraus sich ein einzigartiges Design ergibt», fasst er seine helle Begeisterung in Worte. Bevor er das Störlederstück in sein Sortiment aufgenommen hat, trug er es ein Jahr lang Probe, um sicherzugehen, dass es «verhebt». «Etwas zu erfinden, reicht nicht: Es muss alltagstauglich und tragbar sein», schildert er seine Philosophie. Materialien sind ohnehin ein zentrales Thema, mit dem sich Dominik Gasser laufend befasst. Jüngst hat er Bügel mit Büffelhorn-Enden ausgetüftelt, die durch Wärme formbar sind und sich den Ohrrundungen anschmiegen. Trotz Erfolg betrachtet der bebrillte Perfektionist seine Entwicklung nicht als abgeschlossen: «Es sind kleinste Kleinigkeiten, die ich im Grunde so belassen könnte, doch das will ich nicht.» So feilt er immerzu an Details, um seine Gestelle noch einen Schliff besser zu machen – anders als die hölzerne, steht ihm die rosarote Brille offensichtlich überhaupt nicht.