Vorwärts zu neuen Wurzeln

Die Traditionsgärtnerei, in 5. Generation geführt von Patrick Daepp, versetzt Bäume, um über sich hinauszuwachsen – und eröffnet die erste Erlebnisbaumschule der Schweiz.

Ein Bub hantiert mit einer Gartenschere, die viel zu wuchtig scheint für seine winzigen Hände. Eifrig macht er sich daran, das Tulpenbeet im Garten seiner Eltern zu roden. Er köpft die bunten Blumen, sodass ein jeder Floral-Freund vor Schreck erblasst – eine nach der anderen. Schnipp, schnapp – schnipp, schnapp.

Der erboste Vater eilt herbei, um ihn für die wahrliche «Schererei» zu tadeln – doch als sein Söhnchen lammfromm lallt, «Gärtnerei spielen …», ist der Gram verflogen wie ein Pusteblumen-Schirmlein im Wind.

Der Apfel fällt zwar nicht weit vom Stamm, rollt jedoch in seine eigene Richtung: Patrick Daepp, der «Gartenpflanzen Daepp» seit 2010 führt, ist die treibende Kraft hinter dem neuen Gartencenter, das vom 6. bis 8. Mai 2018 feierlich eröffnet wird.

 

 

Heute, über dreissig Jahre später, schneidet «der Bub von damals» Tulpen, wie es nur ein Fachmann versteht, wenngleich er seltener Gelegenheit dazu hat: Als Geschäftsführer beackert Patrick Daepp vorwiegend ein Beet namens «Büro». Dieses befindet sich im ehemaligen Stall, wo einst Kühe muhten. Das lässt erahnen, dass die Geschichte von «Gartenpflanzen Daepp» kapitelreich ist: 1875 gründete Johann Adolf Daepp, der Ururgrossonkel von Patrick Daepp, in Oppligen eine Baumschule. «Wir haben es insofern bis heute nicht gerade weit gebracht – nur ins nahegelegene Münsingen …», witzelt Patrick Daepp.

Pflügen mit Pferdestärke: Ein Pferdefuhrwerk der Baumschule Daepp

um das Jahr 1916. Bis heute hält Familie Daepp eigene Pferde.

Entdecker des Berner Rosenapfels
Wie die (Garten-)Welt damals aussah, weiss der 42-Jährige auch aus Tagbüchern, die seine Vorfahren vollschrieben: Einst dienten Gärten nicht der Zierde, sondern der Selbstversorgung. Gründer Johann Adolf Daepp, ein entschiedener Gegner von Hochprozentigem, wusste zu verhindern, dass aus Früchten Feuerwasser wurde: Er stellte stattdessen Saft her und mauserte sich zum Most-Pionier, dessen Ruf bis nach Amerika hallte.

Derweil keimte im Nachbarsgarten ein Zufallssämling, eine Laune der Natur, die Leckermäulern noch viel Lust bereiten sollte. Johann Adolf Daepp erkannte diese neue Gattung als vielversprechend, weshalb er das zarte Pflänzchen hegte und pflegte. Im Jahr 1888 (ausgerechnet eine Schnapszahl …) hingen erstmals rotbackige Knackkugeln an den Ästen: Saftige, aromatische «Berner Rosenäpfel». «Jede Frucht dieser Sorte entstammt unserem Mutterbaum», erklärt Patrick Daepp.

 

1896 gewann die neue Apfelsorte, die Johann Daepp entdeckte und kultivierte, eine Gold-Medaille als beste Neuheit an der «Allgemeinen Deutschen Obstausstellung».

 

120 Jahre alt und kein bisschen schrumpelig: Die knackige «Berner Rose» ist bis heute eine beliebte Schweizer Gartenapfelsorte.

 

Folglich ebenfalls die drei «Berner Rosenapfel»-Bäume, die beim Eingang des neuen Gartencenters Wurzeln schlagen. Angesät hat Patrick Daepp die Idee einer Gärtnerei mit Erlebnisbaumschule vor über zehn Jahren, kaum hatte er den Betrieb übernommen: «Unser Beruf ist so schön, dass wir ihn den Menschen näherbringen und ihnen ein Stück Grün zurückgeben wollen». So erhascht man durch die Hecken, welche die Pflanzflächen umrahmen, Blicke auf geschäftige Gärtner, die mit hochgekrempelten Ärmeln schneiden, giessen und graben.

In und um das riesige Gewächshaus mit Cabrio-Dach, das Herzstück des Gartencenters, spriesst und sprosst es. «Fast alle der etwa 4000 Pflanzensorten sind selbst gezogen», unterstreicht Patrick Daepp eine Besonderheit. Eine Zahl, die sich Botanikfans auf der Zunge zergehen lassen, wie die Glace im «Bistro Florence» – benannt nach Daepps Tochter. Verweilt man an diesem lauschigen Plätzchen bei einem Glas Apfelmost scheint es, als würden die Blütenköpfe einem prostend zunicken; allen voran die die Tulpen…

 

Darf es etwas Bestimmtes sein? Rund 4000, grösstenteils selbst gezogene Pflanzenarten

warten auf ihre Umtopf-Gelegenheit.

 

Oase im 17 000 m² grossen Münsinger Gartencenter: Das neue «Bistro Florence»

bietet eine appetitliche Auszeit zwischen Topftrends und Charakterpflanzen.

 

Eben erblüht: Wo vorher Pflanzen aus der Erde ragten, entblättert sich nun das

neue Gartencenter im Gewächshaus mit Cabrio-Dach.