«Farfalluzzo»: Holzdesign, das Herren an die Gurgel geht

Die Kreationen, die Luca Jannuzzo in seiner Schreinerei ausköchelt, lässt man sich gerne aufhalsen: Seine kunstfertigen Fliegen wirken stoffartig, bestehen aber aus Holz.

Die aufgedrehte Herdplatte bringt das Wasser im Pfännchen zum Kochen – darin quellen allerdings nicht etwa Pasta, sondern Plättchen: Luca Jannuzzo bereitet das Furnierholz, leicht wie Lasagneblätter, auf die weiteren Arbeitsschritte vor. Nein, mit Penne ist gewiss nichts – hier ist ein aufgeweckter Austüftler am Werk. Der Dampf vermischt sich mit dem Qualm der selbstgedrehten Zigarette, die schief aus seinem Mundwinkel hängt. Ich bin erstaunt, dass Luca sich keine Schürze umbindet: Eine kecke Kombi mit Hemd, Hosenträger und Hut kleidet ihn. Zur Feier der allerersten fertigen Fliege habe er «eniline» mit dem massgeschneiderten Outfit beauftragt, zischt er mit dem Kochherd im Kanon.

 

Aus gekochtem Holz geschneidert

Mein Blick bleibt an seinem Kragen hängen, wo ein kleines Kunstwerk prangt: Eine «Farfalluzzo», wie er seine eigens entwickelte Holzfliege nennt. «Wie kommt einer, der sonst mit Massivholz werkt, auf die Idee, filigrane Fliegen herzustellen?», fühle ich ihm auf den Zahn, während die Holztäfelchen allmählich al dente sind. «Angefangen hat es mit einem Foto einer flachen Holzfliege, das mein Vater mir aus den Italienferien schickte», erzählt der 30-Jährige. «Sie sah grässlich aus.» Inspiriert, etwas Ähnliches «in schön» und dreidimensional anzufertigen begann die Schnitzeljagd: Obwohl ihn seine Schreinerkollegen auf dem Holzweg wähnten, pröbelte er unentwegt, um Holz den Charakter von Stoff zu verleihen. Manch einer hätte seine Werkzeuge darauf verwettet, dass «Luftikus»-Luca scheitert. Nach Wochen, die verflogen wie Späne vor einem Gebläse, war Luca zwar nudelfertig, hatte aber den Bogen raus. «Anfänglich sind mir 15 von 20 Stück zwischen den Händen zerschellt», bemerkt er zwinkernd, als würde eine Fliege auf seinem Wimperkranz Walzer tanzen.

Lässt nichts anbrennen, wenn es darum geht Gedanken bissfest zu machen: Der Schreiner Luca Jannuzzo tüftelte lange, bis ihm seine Fliegen formschön genug waren.

Einhändig zu Fliegengewichten

Mit blosser Hand greift er sich ein Holzscheibchen aus dem blubbernden Heisswasser und formt es unnachahmlich schnell zu einer Schleife. Wie genau, das kann nicht einmal er selbst erklären, es geschieht intuitiv. Doch mit Biegen allein ist das Gesamtwerk nicht geritzt: Härte ist anschliessend gefragt, um das ausgekochte Accessoire haltbar zu machen. «Lack!», verrät er die ausgeklügelte Lösung – in meinen Ohren klingt das wie «Luck»: Glück. «Nach dem Bad in der Mischung nach geheimer Rezeptur ist die Fliege derart hart, dass man sich darauf setzen kann, ohne sie zu beschädigen», verspricht Luca. Ich verzichte dennoch auf ein Selbstexperiment. «Mittlerweile bin ich schneller im Fliegenformen als meine Mutter im Nähen der Stoffbändchen», wirft er ein, während er die Pfannenposition justiert. Extra für ihren erfinderischen Sohn hat Lucas Mutter ihre alte Nähmaschine entstaubt, um Stoffteile am laufenden Band zu schneidern.

Behände biegt der Berner, der sonst Innenausstattungen und Möbel schreinert, die weichgemachten Stücke zu Schleifen. (Foto: Christoph Ammann)

Feinschliff für «Farfalluzzo»: Der Massivholzschreiner, der sein Handwerk nach alter Tradition beherrscht, vollführt jeden Schliff von Hand. (Foto: Christoph Ammann)

 

 

Wie ich Luca kennengelernt habe, schliesse ich es nicht aus, dass er sich mal selbst an die ratternde Maschine setzt. Denn es juckt den Experimentier-Enthusiasten öfters, mit anderen Materialien als Holz herumzuwerkeln: «Jeden Sommer widme ich mich einen Monat lang einem mir unvertrauten Handwerk wie der Lederverarbeitung oder dem Vergolden. Ich führe ein ellenlange Liste, was ich noch alles ausprobieren möchte…».

Ich hingegen führe eine spaghettilange Liste, was ich gleich einkaufe, weil ich nach all diesen Eindrücken die Kreativküche mit Kohldampf verlasse. Zuhause bereite ich eine Portion «Farfalle» zu. Auf den «Lätschli» kauend, kreisen meine Gedanken um die Moral der Geschicht: Geht nicht, gibt es eben nicht – schon gar nicht für querschreinernde Holzspitzenköche.

 

 

Mach die Fliege: Die dreidimensionalen Holzfliegen gibt es in ausgewählten Holzarten wie Nussbaum und mit verschiedensten Stoffbändern. (Foto: Christoph Ammann)

Holz vor dem Hals: Für seine Kampagne, mit der Luca Jannuzzo seine Erfindung an den Mann bringen will, hat er bekannte Hälse eingespannt wie Musikant Daniel Woodtli. (Foto: Christoph Ammann)

 

 

Die Holzfliegen-Unikate sind für Fr. 149.– umzubinden bei «eniline»Junkerngasse 58, Bern. Luca Jannuzzos nächster kühner Plan ist, Holz dauerhaft weich zu machen, um daraus Kleider zu schreinern. Auch das halten Berufskollegen für unmöglich, was ihn erst recht zum Tüfteln anstachelt – was dabei herauskommt, erfahrt ihr hier.