Im historischen Emmental den Entdeckersinn kitzeln

Vorbei an Mauerresten und mittelalterlichen Schauplätzen nähert man sich der Geschichte unserer Vorfahren. Dank dem Emmentaler Hobbyarchäologe und Buchautor Jonas Glanzmann lüftet sich dabei so manches verblüffende Geheimnis …

Bauklötze staunen, wo einst Burgen standen

«Der Entdeckersinn schlummert in allen», meint Hobbyarchäologe und Buchautor Jonas Glanzmann. Die Probe aufs Exempel beginnt in Signau: Schrittweise 
nähert man sich der Geschichte unserer Vorfahren, die den Panoramaweg bereits im Mittelalter beschritten. Mauerreste zeugen davon, dass sich hier einst die Burg der Freiherren von Signau befand. Vom 42 Meter hohen Aussichtsturm «Chuderhüsi» überblickt man historische Schauplätze zwischen Tannen- und Bergspitzen. Spätestens wenn das schmucke Kirchlein Würzbrunnen den Schluss der Wanderung markiert, ist er hellwach: der Entdeckersinn.

Anfahrt mit der Bahn nach Signau. Rückreise mit dem Bus Nr. 271 ab «Röthenbach i. E., Dorf».

Vom Aussichtsturm «Chuderhüsi» blickt man weit – bis in die Vergangenheit …

 

 

Die Wanderung führt am schmucken Kirchlein Würzbrunnen vorbei.

 

 

Interview mit Jonas Glanzmann, Emmentaler Geheimnislüfter

Was hat Ihre Neugier auf 
Vergangenes geweckt?
Schon als Kind quetschte ich alle aus, wie die Dinge wurden, wie sie sind. Weil viele Fragen unbeantwortet blieben, begann ich auf eigene Faust zu forschen. Bald war mir bewusst, dass es mehr herauszufinden gab, als bisher bekannt war …

Was begeistert Sie am Emmental?
Meine Wurzeln liegen hier, ich bin selbst nahe einer ehemaligen Burgstelle aufgewachsen. Die Kombi­nation der Landschaft, geschaffen von Wasser, und des Kulturguts ist einmalig, wie ich als Weltreisender urteile.

Wie haben Sie die Geheimnisse gelüftet?
Ich durchforstete alle erdenklichen Quellen, von ­Kartenmaterial aus Privatnachlässen bis zu Dokumenten aus dem Staatsarchiv. Weiter suchte ich das Gelände nach Auffälligkeiten ab, mein Auge ist dafür geschult; bin ich irgendwo unterwegs, kann ich gar nicht mehr anders, als die Erdhügel zu durchleuchten … Bei dieser Detektivarbeit kommt ein Puzzleteil zum anderen …

Welche Entdeckungen machen Sie stolz?
Die gesamthaft sechs Burgen, die ich aufgespürt 
und nachgewiesen habe, vier auf einen Schlag im Oberemmental. Eine davon war beispielsweise im Besitz eines sagenumwobenen Adelsgeschlechts.

Warum hat das niemand vor Ihnen enthüllt?
Das erstaunt mich selbst! Spezialisten fokussieren sich meist auf bestimmte Teilaspekte, ohne diese gesamtheitlich zu betrachten. Möglich, dass ich stärker von Leidenschaft angetrieben bin, gerade weil es nicht mein Beruf ist und ich dadurch die Aussensicht bewahre.

 

 

 

Löst Jonas Glanzmann ein Rätsel, fühle es sich an wie eine «Glücksexplosion». Seine verblüffenden Erkenntnisse teilt er in seinem Buch «Eine Landschaft erzählt Geschichte». Zudem machen die zwölf Routen seines neuen Wanderführers das Vergangene erlebbar.