«Zenith»-Manufaktur: Wie die Zeit in die Uhr kommt

Die Stunde der Neuigkeit hat geschlagen: «Zenith» öffnet die Tore ihrer Manufaktur und gewährt präzise Einblicke in die Welt der Zehntelsekunden.

Keiner hat sie und doch rennen ihr alle hinterher, vergessen kann man sie seit Kurzem ausgerechnet in einer Uhrenmanufaktur: die Zeit. Ohne Tick, kein Tack. So einfach das klingt, so komplex die Mechanik dahinter. Exakt um dieses «Dahinter» dreht es sich bei der neuen Führung, die Neuenburg Tourismus und «Zenith» aufgezogen haben: «Die Reise in das Herz einer mechanischen Uhr».

Wunderwerk: Ein ebenso tiefer wie exklusiver Einblick in das Herz einer mechanischen Uhr.

 

Das Pulsfühlen führt, immer der Neugierde nach, in das Uhrmacherstädtchen Le Locle, das zum UNESCO-­Welterbe zählt. In dieser Wiege der Uhrmacherkunst steht die «Zenith»-Manufaktur, 1865 von Georges ­Favre-Jacot gegründet, auf dem zeitlosen Zenit ihres Renommees. Ihren Namen trägt sie erst seit 1911, als Favre-­Jacot, an einem neuartigen Uhrwerk tüftelnd, zum Sternenhimmel emporblickte – und ihn der höchste Punkt des Universums dazu inspirierte. Gespickt mit Anekdoten wie diesen ist der interaktive Parcours allemal, schliesslich ­dauert dieser rund drei Stunden und verläuft entlang 59 Stationen.

 

Wunschobjekt: Neuauflage des legendären Cairelli-Modells von «Zenith», mit exaktem El-Primero-Säulenradwerk mit 36 000 Halbschwingungen pro Stunde (5 Hz)

 

Die erste davon wartet im Estrich, wo sich Werkzeuge aller Formen und Unformen in Holzregalen stapeln, die

geschichtsumwittert sind. Als 1975 Quarzuhren im Trend lagen, drohte sämtlichem mechanischen Rüstzeug die Vernichtung. Doch Uhrmacher Charles Vermot widersetzte sich, indem er technische Skizzen versteckte und Werkzeuge auf dem Dachboden einmauerte. Eine Video­sequenz zeigt den fassungslosen Mann, der sich gegen die Absichten der Geschäftsleitung wehrte – und Recht behielt: Bereits zehn Jahre später stieg die Nachfrage nach mechanischen Kalibern. Seine zitternde Stimme noch in Mark und Bein, findet man sich in einem nachtblauen Kosmos voller Magie wieder: Minutenschnell formieren sich Hunderte Komponenten auf der Projektionsfläche zu einem Uhrwerk.

Werkzeugkammer: Der Estrich birgt antikes Instrumentarium, das einst der Vernichtung geweiht war.

 

Bei anderen Posten hingegen erlebt man die Entstehung in Echtzeit mit. Ruhighändige Uhrmacher stanzen, feilen oder polieren filigranste Teilchen, kaum sichtbar mit blossem Auge. «Sekunde, wer setzt hier die Krone auf?» oder «Moment mal, wo liegt die Unruh?» sind Fragen, die einem dabei aus dem offenen Mund entwei­chen – und die Parcoursführer gerne beantworten. Man erfährt nicht nur wie die Uhren, sondern auch wie deren Macher ticken – sie sind es, die das mechanische Herz durch ihre Menschenhand zum Schlagen bringen. Selbst wenn die Zeit bei «Zenith» ab­gelaufen ist, kommt man noch lange nicht aus dem Staunen heraus. Allerdings begreift man das Wunder der Uhr­macherkunst nicht nur einen Tick besser, sondern auch ­einen Tack.

Winzigkeit: Schaut man den Uhrmachern in Le Locle über die Schulter, erlebt man menschliche Präzisionsarbeit «pinzettennah».

 

 

Mit der Bahn bis Le Locle, Fussmarsch (ca. 12 Min.) bis zur «Zenith»-Manufaktur. Führungen jeden Freitagmorgen (Nur auf Voranmeldung, Platzzahl beschränkt).