Möbelkolumne: Mit dem Bein-Wirrwarr aufräumen

Die Vintage-Möbelhändlerin Maria van Harskamp kennt spannende Interieur-Insiderstorys, die sie gerne auf den Tisch legt: Unsere Gastbloggerin erzählt, was der kultige «Tulip Chair» mit «Star Trek» gemeinsam hat.

Abgesehen davon, dass der «Tulip Chair» und die Serie «Star Trek» Kult sind, verbindet sie eine kleine Anekdote: Der von Eero Saarinen entworfene Design­stuhl hatte in den ersten drei Staffeln von «Star Trek» eine Statistenrolle. Seht ihrs vor euch? Commander Scott, Offizierin Uhura und Captain Kirk auf der Kommandobrücke, wie sie in Schalenstühlen sitzen? Mit seinem futuristischen Look passte der glatte, glänzende Stuhl perfekt ins Raumschiff Enterprise. Sowohl «Star Trek»-Spin-offs wie auch der «Tulip Chair» werden bis heute produziert – zwei endlose Erfolgsgeschichten!

 

 

Mir gefällt das Zitat von Saarinen: «Ich wollte mit dem Wirrwarr der Beine aufräumen und aus einem Sessel wieder eine Einheit machen.» Also entwarf er den Einbeinstuhl aus dem damals neuartigen Material Fiberglas – das war in vielerlei Hinsicht eine Sensation. Bis heute produziert die Firma Knoll die Tulip-Serie nach dem Originalentwurf von 1958. Vor kurzem erhielt ich im «Winkel» einen Anruf aus Spiez: Ein Künstlerehepaar wollte mir sein Saarinen-Tulip-Set vor seinem Umzug in die Alterswohnung verkaufen. Vier Stühle mit Tisch – ich konnte mein Glück kaum fassen, selten kriege ich eine so gut erhaltene Garnitur in die Hände! Die Stühle sind schwer und sehr stabil. Ich sehe diese zum Beispiel an einem Besprechungstisch – das Drehen und Bewegen hilft beim Nachdenken, mir zumindest. Da ich die Stücke auch einzeln weggebe, kann ich sie mir auch gut im Korridor vorstellen: Schuhe anziehen, lässig umdrehen und schwungvoll das Haus verlassen – bereit, neue Galaxien zu erobern.

 

Die Bernerin Maria van Harskamp ­«vermöbelt» in ihrem Geschäft «Winkel» Vintage-Trouvaillen und poliert als Schreiberin Vokabulare auf Hochglanz.