«Lost & Found»: Berns Überfliegerinnen des Accessoire-Designs

Die Schwestern Nina und Lara Tegeltija schlagen mit ihrem Label den Erfolgskurs ein – wie sie «Lost & Found Accessoires» nun zum Fliegen bringen wollen. 

Das eingerahmte Bild fällt mir sofort ins Auge, als ich das Atelier von «Lost & Found Accessoires» im Breitsch betrete. «Wanderlust» steht darauf in verschnörkelter, blassrosa Schrift, im Hintergrund glitzert tiefblaues Meer. Ich sehne mich augenblicklich nach Sandkörnern zwischen den Zehen und Salzwasser auf meiner Haut. Fernweh – das Wort passt zum Berner Label wie das Passfoto auf die ID. Nicht nur, weil es Weltenbummler mit coolen Reise-Accessoires aus Leder beglückt, sondern weil seine Gründerinnen Nina und Lara Tegeltija selbst wahre Globetrotter sind.

 

Das Fernweh scheint in der Familie der in Slowenien aufgewachsenen Geschwister zu liegen: Die dritte Schwester lebt in Spanien, während die Eltern zwischen Slowenien und der Schweiz pendeln. So packte das Reisefieber auch Lara und Nina – und Letztere für fünf Jahre ihre Koffer: «Mein Mann nahm Jobangebote im Ausland an, weshalb ich mit meiner Familie in London und Bahrain lebte. Erst kürzlich zog ich zurück in die Schweiz – nach Zürich», erzählt mir die dreifache Mutter. In dieser Zeit hat sie das Label aus der Ferne unterstützt, während Lara in Bern die Stellung hielt. Jetzt haben die Schwestern Rollen getauscht: Lara ist im September der Liebe wegen nach München gezogen.

Trotz den vielen Flugmeilen, die oftmals zwischen ihnen liegen, kreieren Nina und Lara seit dem Take-off des Labels im Jahr 2011 alle Designs gemeinsam. «Wir sind heilfroh, dass es ‹Skype› gibt», lacht Nina. Ausserdem überwanden die beiden so manche Turbulenzen, weil sie sich als Geschwister tief verbunden fühlen. Schliesslich ziehen die Schwestern trotz Gegensätzen – die strukturierte Lara mags pink, während Träumerin Nina Erdtöne liebt – am gleichen Lederstrang.

Frauenpower! Nina (rechts) und ihre sieben Jahre jüngere Schwester Lara sind ein eingespieltes Team.

Das «Mini Bag» bietet Platz für das Wesentliche: Portemonnaie, Handy, Hausschlüssel und Kreditkarten. «Ohne dieses Täschchen verlasse ich nie das Haus», sagt Nina über ihr Lieblingsstück.

 

Neue Herausforderung: Gesucht und gefunden

Die Reise von «Lost & Found Accessoires» begann, als Betriebswirtschafterin Nina als frischgebackene Mutter nach einer neuen Herausforderung suchte – und sie in der Selbstständigkeit fand. «Lara und ich sehnten uns nach Reiseutensilien, die praktisch sowie erschwinglich sind… und dabei noch cool aussehen», erinnert sich die 43-Jährige. «So entstand die Idee eines eigenen Labels für Lederaccessoires». Ich denke an die rentnerbeige Bauchtasche, die mir meine Mutter vor Jahren für meinen ersten Städtetrip ausborgte – und verstehe sofort, was Nina meint. Nützlich war das unförmige «Täschli» sicherlich, für die Augen jedoch eine Zumutung. Nina besuchte kurzerhand einen zweiwöchigen Designkurs in Italien, um sich mit dem Material und dessen Verarbeitung vertraut zu machen. In Firenze legte sie das Fundament und kreierte das allererste «Lost & Found»-Accessoire: Eine handliche Handyhülle.

Die Qual der Wahl: Die Designs von «Lost & Found Accessoires» sind in den unterschiedlichsten Farben erhältlich.

 

Alle Designs werden in einer kleinen Familienmanufaktur in Thailand handgefertigt, mit der die Schwestern seit der Gründung des Labels eng zusammenarbeiten. Das Leder beziehen sie von einer thailändischen Traditionsgerberei. Diese suchten sie sorgfältig aus, da sie grossen Wert auf eine ökologische Produktion legen: «Wir haben absichtlich eine Manufaktur gewählt, die für grosse Brands Leder gerbt – so können wir sicher sein, dass Qualitätsauflagen eingehalten werden.» Trifft ein Prototyp aus Bangkok in Bern ein, trägt das Team ihn Probe und perfektioniert ihn, bis das Produkt reif ist für die Geschäfte. Die Ideen für die «Lost & Found»-Kreationen basieren meist auf den Bedürfnissen der Schwestern – oder denen ihrer Liebsten: «Den ‹Passport Holder› haben wir speziell für meinen Mann entworfen».

Vom Reise- zum Bürobegleiter: Der Shopper in Caramelbraun bringt Leder in den Alltag von Taschenliebhabern.

 

Next Stop: Zürich oder München?

Inzwischen designen Nina und Lara Accessoires, die nicht nur auf Reisen, sondern auch im Alltag Überflieger sind. So hat sich das Label weiterentwickelt und ist langsam aber stetig gewachsen. Mit Investoren zusammenzuarbeiten kam für die Schwestern nicht in Frage: «Wir wollen die Pilotinnen bleiben und unsere eigenen Träume verwirklichen.» Mich nimmt wunder, in welche Richtung sie «Lost & Found Accessoires» steuern? «Vielleicht nach Zürich oder München», verrät mir Nina mit einem geheimnisvollen Grinsen. Eins ist sicher: Der Höhenflug der Schwestern ist noch nicht vorbei…                                                                                     

«Lost & Found Accessoires» legen vom 16. bis 18. November einen Zwischenhalt an der «blickfang»-Messe in Bern ein, wo sie ihre Leder-Kreationen präsentieren.