DIY: Kunterbunt «kranzen» mit Hanna Schwarz

Advent, Advent – fast verpennt? Dank der aufgeweckten Anleitung von Hanna Schwarz liegt oder hängt im «Zweigedrehen» ein schimmernder Schönling in der Stube. Die junge florale Artistin zeigt, wie es dreht und geht.

Es knistert im Atelier von Hanna Schwarz: Die Bernerin lädt an der Amthausgasse 3 zum Tanz um den Kranz. Plumpe Reime? Papperlapapp – denn mit ihrer Anleitung fühlt sich das Kranzbinden an wie ein leichtfüssiger «Boogie Woogie». Oder passender: wie ein «Quickstep», schliesslich sind die Schritte schnell nachgemacht. «Lasst euch von der Natur des Materials leiten», rät die 26-Jährige vorab. Also: Aus dem Bauch heraus kreieren, ohne die Zweige zum Zweifachsalto zu zwingen.

Sich selbst von der Hüfte aufwärts einstimmt und die Finger an der heissen Teetasse aufgelockert, schwingt man sich an den Arbeitstisch. Dort liegen neben Schnüren, Zangen, Rosen, Trommelstöckchen, Salbei und Wachholderzweigen auch Nielen (Stichwort: pubertäre Rauchversuche …) bereit. «Diese kann man selbst im Wald sammeln, man findet sie vielerorts», verrät Blumenkünstlerin Hanna.– eine Gefühlssache.

 

 

Es entspricht dem Nachhaltigkeitsgedanken der gelernten Floristin, den Rohling selbst zu flechten. Man nehme dafür jeweils zirka vier Stränge der kahlen Triebe zusammen und binde sie mit Draht fest, wobei man die Enden miteinander verdreht. Am schönsten schliesst sich der Kreis, wenn man sich auf die Wuchsrichtung der Zweige einlässt.

 

«Eine gröbere Arbeit, die auch den Herren Spass macht», meint Hanna, die selbst Kurse und Workshops veranstaltet. Für die Kranzbasis sollte man sich genügend Zeit nehmen, damit sie lange hält und sogar mehrmalig zu dekorieren ist. Hanna lässt widerspenstige Ästchen bewusst herausstehen, wenn es sich ergibt – nicht zu zügig die Zange zücken!

 

 

Das Kränzchen-Tänzchen nimmt an Schwung auf – nun dekoriert man den Rohling mit Wachholder- und Konfieren-Ästchen, Rosenblüten und allem, wofür das weihnächtliche Wehmutsherz sonst noch wummert. «Folgt euren Impulsen!», ermutigt Hanna. Wichtig ist, die Pflänzchen nicht nur oben draufzulegen, sondern einzuflechten.

 

 

«Ich drapiere die Planzenteile stets in derselben Richtung», weist die Wahlbernerin mit österreichischen Wurzeln an, die ihre Kreationen auf Namen aus ihrer Verwandtschaft tauft wie Franz oder Maria. «Es hilft, dabei an die Symbolik der Unendlichkeit zu denken.»

 

 

Auf zur letzten Runde – jetzt ist Dramenwahl: Pur oder pompös? Beispielsweise kann man den Kranz mit einer Sukkulente oder Kerzen spannungsvoll akzentuieren. Getreu Hannas Philosophie sind auch atypische Farbkombinationen reizvoll, wie Gelb und Rosarot. Zum Kehraus hält Hanna den Kranz in Dirty-Dancing-Hebefigur-Manier in die Luft, um zu prüfen, ob alles hält. «Kranzen» ist eben wie doch Tanzen – eine Gefühlssache.

 

Wem es gelingt, ein Kränzchen zu binden, darf sich auch selbst eines winden! Doch ist die Zeit zu knapp oder machen die Nerven schlapp, geht es hier ab: Hannas Kranz gibt es auch online, feierfertig geliefert per Velokurier. Und die Moral vom Geflecht? Advent, Advent, jetzt erst recht!