Lauchernalp: Heisse Liebe in kalter Umgebung​

Kaum konnte er laufen, bretterte er die Pisten herunter, heute lehrt er Knirpsen und Kerlen das Skifahren: Warum Beat Dietrich das kalte Winterwunderland zwar kennt wie seine Westentasche, aber auch nach 30 Jahren noch heiss liebt.

Jetzt ist Beat Dietrich kribbelig auf das Kurven durch Knisterschnee – doch er muss sich wie alle Adrenalindurstigen und Verschnaufhungrigen noch etwas gedulden: Die Lauchernalp öffnet seine blauen bis schwarzen Pisten Mitte Dezember. Zurzeit ist von Schnee noch keine Spur im Lötschental, doch das bringt den Skischulleiter nicht aus der Ruhe: «Es hat noch immer geklappt mit dem Schnee!» Dass hier das Winterwunder aus den Wolken fällt, ist so gewiss wie der Wachs auf den Belag gehört: Das Walliser Skigebiet mit Pisten, die zwischen 1950 und 3111 Meter über Meer liegen, gilt als schneesicher.

Nah an den Naturkräften: Skifahren vor einer Bergkulisse mit 40 Viertausendern von der Jungfrau bis zum Montblanc.

 

Bald rollt die Natur hier den eiskristallenen Hochflorteppich aus, die Seilbahnen beginnen ihre Summ-Melodien, Bindungen klicken und Skier skizzieren Strukturen in die Steilhänge. Einer der buntscheckigen Punkte, die über die weisse Leinwand wedeln, wird Beat Dietrich sein – aber nicht allein. Denn er lehrt seit über 30 Jahren Anfänger bis Ambitionierte, eins zu werden mit der puderzuckrigen Pracht.

Ins Wintersportparadies entschweben: Die Pisten erreicht man unter anderem mit dem 6er-Sessellift, der letztes Jahr eingeweiht wurde.

 

Weich gepolsterte Sprösslinge unternehmen ihre ersten Skiversuche spielerisch: Das Kinderland der «Cool School» sorgt mit Förderband und Hüpfburg für apfelbackige Gesichtchen. Mit ein Grund, warum Beat Dietrich sich mit Herzenskraft für die Neugestaltung einsetzt: Ist das Crowdfunding erfolgreich, gibt das aufgefrischte «Loichiland» bald seine Bügel frei, angeführt vom Maskottchen «Loichi», dem Zwerg mit Lauchfrisur. «Heute sind es vielfach die Kinder, die den Ferienort der Familie bestimmen», weiss der 56-Jährige.

 

Schneller, höher, steiler: Die sonnenbeschienenen Pisten ziehen sich über 55 Kilometer

und bis auf 3111 Meter über Meer.

 

Früher abgeschirmt, heute per Zug erreichbar
So wie ihm ergeht es vielen, sowohl Einheimischen wie auch Touristen, die neben der Schweiz vornehmlich aus England anreisen. Hier, umarmt von vierzig Viertausendern, ist Geschichte nicht Schnee von gestern: Alpinisten aus Grossbritannien waren es, die Mitte des 19. Jahrhunderts das bis dahin abgeschirmte Lötschental «auftauten». «Die Engländer sind der Destination treu geblieben», erzählt Beat Dietrich, «so begleite ich manche Familien über Generationen hinweg – von der 80-jährigen Grossmutter bis zum 5-jährigen Engelkind». Das lange Zeit unerschlossene Idyll ist heute stündlich mit dem «RegioExpress Lötschberger» der BLS ab Bern via Goppenstein erreichbar. Nicht nur das hat sich seither getan: Mit zahlreichen Anlagen, darunter der 2017 eingeweihte 6er-Sessellift, entschweben Fans des Schneegestöbers zu den Pisten, die sich über 55 Kilometer ziehen.

 

Traumjob im Tiefschnee: Seit über 30 Jahren bringt Beat Dietrich Jung und Alt die «Kunst des Kurvenkaratzens» bei.

 

Hat der Skilehrer, der im Sommer Gastgeber der «Lötschenpasshütte» ist, mal keine Schüler im Schlepptau, stiebt er über seine Lieblingspiste «Mühlebach». Diese lädt mit Platz und unterschiedlich steilen Passagen zu ausladenden Schwüngen ein. Nur einmal anschieben – und schon geht es wendig 1000 Höhenmeter «z Dobel emab», sodass einen der Speed venentief durchkitzelt…  «Schnee war’s!», hallt das Resümee zwischen den vergletscherten Gipfeln, wenn die Skisaison am Ostermontag endet, nicht aber die Leidenschaft für lange Bretter – anders als Schnee schmilzt diese nie.

Nichts wie rein(schlittern) ins Skivergnügen: Anreise mit dem «RegioExpress Lötschberger» bis Goppenstein, weiter mit dem Postauto bis Wiler. Tipp: «Snow’n’Rail Lauchernalp» – bei An-/Rückreise mit dem öffentlichen Verkehr gibt es den 1- oder 2-Tages-Skipass sowie das ÖV-Billett zum ermässigten Preis.

«Der Schnee ist noch immer rechtzeitig gekommen!» Er weiss, wie es (berg)abgeht: Beat Dietrich, Hüttenwart und Skischulleiter der einzigen Schweizer Skischule auf der Lauchernalp.