Was sich im Design-Hotel «The Hide» verbirgt

Kaum eröffnet, checkt Daniela Dambach im «The Hide» ein – und findet sich inmitten von Samt und Satin wieder. Kratzt im funkelnagelneuen Design-Hotel wirklich nichts? Ein Ess-Schlaf-Dusch-Wander-Bericht …

Eins, zwei, drei … ich bin dann mal weg! Mein Versteck für zwei Tage: «The Hide» in Flims, erst ein paar Tage jung. Es ist, als würde man durch einen Stollen hineingelangen in das Juwel – denn das Hotel befindet sich im Gebäudekomplex «Stenna», dessen wuchtige Form je nach Prosecco-Pegel an einen Schlitten, einen Haifisch oder ein Raumschiff erinnert.

Lobby-Love: Es knistert beim wortwörtlich warmen Willkommen im «The Hide» …

 

 

Zwar ist der Eingang nicht leicht zu finden (was im Grunde ein gutes Versteck auszeichnet…), doch ist man mal drin, will man nicht so schnell wieder raus. Und das muss man auch nicht: Per Lift – sogar in Plüsch-Pantoffeln, falls man solche besitzt – ist alles erreichbar, was eine Auszeit ausmacht: Shopping-Mall, 3D-Kinos, Restaurants und Bars.

Ein Design-Hotel, was ist das? Hier kriegt man die Bedeutung buchstabiert: H… I … D … E.

 

Schon in der lauschigen Lobby ist kristallklar: Das Einzige, was jetzt noch eine harte Schale hat, ist mein Rollkoffer. Während ich mich umschaue, werde ich von innen bis aussen weich. Samtweich. Als liehe mir der Stoff, der mich umgibt, seine Charaktereigenschaft.

Gastgeber Daniel Mani und sein Team beweisen einen delikaten Interieur-Geschmack, der kuschelige Alpin-Atmosphäre mit funky Edelsteintönen twistet. Er sei täglich selbst auf der Baustelle gewesen, um seine Vision nuancengenau umgesetzt zu wissen, erzählt der Thuner beim Apéro. Purpur ist eben nicht Bordeauxrot. Darüber lässt es sich im Samtsessel am Kaminfeuer sinnieren – der ist übrigens smaragdfarben und nicht kieferngrün.

Beim Zähneputzen im Designbad betrachte ich die Relief-Fliesen und denke an Luftpolsterfolie…

 

Royales Versteckspiel mit schwedischer Handschrift
Tannengrün sind hingegen die Vorhänge im Hotelzimmer, in dem mich ein «Zuhausegefühl» überkommt, obwohl es bei mir daheim gewiss anders aussieht. Nicht so samtig, nicht so durchdacht … und nicht so aufgeräumt. Zugegeben – ich habe in meinen vier Wänden hie und da etwas zu verbergen: Katzenhaare auf Kissen, Anziehsachen-Alpen oder Geschirr-Arrangements, die von weitem wie Terrazzo wirken. … zurück zu den soften Seiten des Lebens.

Die Lass-mich-in-dir-versinken-Polster, die ich in einem unbeobachteten Moment streichele, oder die salbeigrünen Tapeten mit Goldfäden, aus denen ich mir am liebsten ein Cocktailkleid schneidern liesse, hat das schwedische Designstudio «Stylt Trampoli» erdacht. Ihre Handschrift: Eine mutige Melange, ausgewogen hip und heimelig. Warum nur denke ich beim Anblick des Teppichs immer an mit Waldbeeren-Coulis marmorierte Vanillecreme?

Drinnen edel, draussen eisig: Vom Zimmer aus blickt man in die Bündner Bergwelt.

 

… Hunger! Während die Flocken in die Frühstückschale rieseln, tun es ihnen jene aus gefrorenen Wassertröpfchen gleich: Nur die raumhohen Fensterfronten trennen mich von der Winterwunderwelt. Diese will ich nicht nur bestaunen, sondern nach dem zünftigen Zmorge unter meinen Boots knirschen hören.

Friersicheren Fusses mache ich mich auf zum Aussichtsturm «Il Spir», den ich schwindelfrei stürme, um mit rauschhaftem Glücksgefühl in die Rheinschlucht hinunterzuspähen. Während ich durch die Märchenkulisse spaziere, blinzelt die Sonne zwischen schneeumgarnten Tannenzweigen durch. Wie es hier wohl im Sommer ist? Karibik der Alpen, sagt man.

Urbanisten in der ursprünglichen Natur: Spaziergang im Bündner Winterwunderwald.

Wanderpause beim Restaurant «Conn»: Ja, ich atme noch! Aber sehr, sehr ruhig…

Im Rausch der Ruinaulta: Die Rheinschlucht ist 13 Kilometer lang und bis 400 Meter tief.

 

Zurzeit ist nur der Ingwer-Tee in der Tasse heiss, den ich sogleich in den Händen halte. Im Restaurant «Conn», das viele Feriengäste mit der Pferdekutsche angaloppieren, verweile ich auf einer fellbestückten Liege und schaue dem Heissgetränk zu wie es Dampfwölkchen in den blauen Himmel schickt. So geht verschnaufen.

Nach der dreistündigen Winterwanderung zurück im Refugium, melden sich unter der 27 Grad warmen Dusche die Fingerkuppen mit einem freundlichen Kribbeln zurück. Ein Spa-Besuch wäre zugegebenermassen das Tüpfelchen auf dem i – doch der hoteleigene Wellnessbereich ist noch «under construction» bis zum Frühling. Übrigens ist die Duschwand (gewöhnungsbedürftig!) durchsichtig – aber eben, man hat nichts zu verstecken im «The Hide». Die Badezimmer-Wände mit kleinen Kreisen erinnern mich an die Polsterfolie, deren Luftkammern ich seit Kindertagen so gerne knallen lasse. Eingeigelt im kratzfreien Designkokon, fühle ich mich entsprechend: Gut gepolstert.

Alpine Wärme mit trendy Touch: Ästhetisch essen im «The Hide Dinner».

Lechz, lechz, Lachs! Im «The Deli» verleiht Adrian Tschanz Klassikern orientalische Würze.

 

Thuner Küchenrocker stylt Nusstorte neu
Wohlig polsterbildend wirkt sich auch das «Comfort Food» in den beiden hoteleigenen Restaurants aus. Im «The Hide Dinner» gönne ich mir ein «Ladys Cut»-Steak mit Frites – ganz Tschanz – im Pfännchen serviert. Zum Dessert verputze ich ein Karamell-Fudge, so zuckersüss, dass sich die Zähne ducken, weil sie selbst Angst vor Karies kriegen. Als Zahn in den Reihen meines Naschmauls muss man da durch! Am nächsten Abend folgt das wortwörtliche Sahnehäubchen im «The Deli»: Bündner Nusstorte 2.0., hier «Ghost in a Bottle» genannt, spukt noch lange im Register meiner süssen Sünden herum…

Eins, zwei, drei … mich hat es schwer erwischt – so geht jedes Versteckspiel einmal aus. Am Ende des Trips vergebe ich gedanklich viele Punkte an das neue Design-Hotel, so viele wie es runde polsterfolienartige Mosaikplättchen im Bad hat.  Wer nachzählen will, tut gut daran, mindestens fünf Nächte zu buchen, damit die Zeit dafür reicht. Es sind viele.

Voll «voguish» hier – ein treffender Begriff, den ich neu in meinen Wortschatz aufnehme.