«Mourjjan»: Über Tischtücher zu Traumroben

Weniger glamourös als die seidenen Schillerroben ihrer neusten Kollektion «Equilibrium» waren ihre Anfänge als Designer-Duo: «Mourjjan» bestickte Heimtextilien. 

Bevor ich zu den Edelroben für bunte Wellen komme, hier eine Eselsleiter für die grauen Zellen: «Mourjjan» spricht man Französisch aus, wie ich bei Label-Gründer Michael Muntinga in Erfahrung bringen musste. Schliesslich entschied ich öfters nach der zweiten Silbe, dass Schweigen Gold ist und sprach die folgenden gar nicht erst aus. Oder ich schmiss ein ruppiges «Tschan!» nach. Richtig ist: Ein sanftes «Mour» wie «Amour», bloss ohne A, – gefolgt von einem säuselnden «Jean» wie Hans.

«Mourjjan, Mourjjan, Mourjjan» … sagt man den Namen abermals auf, haucht ihn, flüstert ihn – dann rauscht es, fast wie am Meer. Wie passend, denn «Mourjjan» bedeutet «Koralle» auf Arabisch. Den Label-Namen spülte es sozusagen an die Küste Englands, wo Michael Muntinga und Roland Rahal ihre freie Zeit in einer Fischerhütte verbrachten.

Schneiderte schon als Kind leidenschaftlich: Roland Rahal im Atelier mit Showroom im alten Dolderhotel in Zürich.

Erstes Kleid als 14-Jähriger kreiert

Multikulturelle Strömungen beeinflussen die Kreationen des Designer-Duos: Michael stammt aus der Schweiz, Roland aus dem Libanon – und kennengelernt haben sie sich 2006 in London. Beide wirbelten in der Werbebranche, Michael als musterverrückter Grafiker, und Roland, der acht Sprachen spricht (!), im Marketing. Schon als Teenager nähte Roland Roben für seine Mutter, seine Schwester, ja alsbald für die halbe Verwandtschaft. «Ich habe mir alles selbst beigebracht, das erste Kleid schneiderte ich mit 14 Jahren», erinnert sich der Meister der femininen Silhouetten zurück. Wie ein leises Rauschen begleitete Roland stets der Wunsch, wieder Mode zu machen.

Aber bis dahin floss noch viel Wasser die Themse herunter, beziehungsweise die Landquart: Das Paar richtete sein Atelier im bündnerischen Klosters ein, Michaels Heimat. Sie lancierten Tischtücher, Servietten und andere Heimtextilien mit traditionellen Stickereien. Später wagten sie sich an hauchzarte Seide, jedoch noch im Kleinformat als Foulards mit Mustern, die Michael schuf. «Rolands Liebe für Mode, meine Faszination für Muster und Seide – eins kam zum anderen», beschreibt Michael den Fluss der Dinge, der sie ihren Wirkungsort nach Zürich verlegen liess.

 

2015 schlug ihre erste Fashion-Kollektion hohe Wellen, denn ihr Farb- und Formspektrum glich mehr einem Ozean, denn einem Rinnsal: Als hätte ein Tropensturm durch das Atelier gewirbelt, plätscherten mutstrotzende Muster und Exotik-Motive auf das Seidenglatte. Im Vergleich dazu wirkt die aktuelle Sommerkollektion «Deep Sea» wie eine Verschnaufpause am Strand, wo die Wogen melodiös über Muschelscherben schürfen …

Kreationen, die sich anfühlen wie eine Erfrischung im Meer: «Deep Sea» 
nimmt einen mit auf einen Tauchgang ins Schwerelose. 

Nach bewährtem Muster: «Mourjjan»-Mode, ausschliesslich in Europa

produziert, gibt es in Boutiquen von Zürich bis Mykonos.

Nach neuen Möglichkeiten tauchen

Wie das wiegende Wasser Muscheln feilt und formt, wandeln sich auch die Designer selbst. Nach vier Jahren seien sie dabei, den Kompass neu auszurichten, so Michael. «Wir befinden uns im Umbruch, in einer Welt des Umbruchs, in der es gilt, Ausgeglichenheit zu finden.» Balance, innere Ruhe und Zielstrebigkeit seien jene Begriffe, welche die Herbst-Winter-Kollektion «Equilibrium» prägen.

Nach der Show an der «Mode Suisse» habe ich einiges zu ergänzen: schmeichelnd, selbstbewusst, subtil sexy. Die Looks sind weniger gemustert, aber umso glamouröser – man spürt, dass Roland im Schaffensprozess das Steuerrad stark in seinen Schöpferhänden hielt. Die rauschenden Roben, akzentuiert mit korsettartigen Taillengürteln, eigenen sich nicht unbedingt fürs Büro – hingegen für alle Orte, die man nach Sonnenuntergang besucht.

Neue Facetten gezeigt: An der «Mode Suisse» vom Februar

überraschten die Designer mit weniger Mustern, dafür mit mehr Glamour. (Foto: Alexander Palacios)

«Noch nicht ganz spruchreif»

Auch nach Sonnenuntergang arbeiten Michael und Roland weiter an ihrer Vision von «Mourjjan». Sie verhandeln mit Stoffproduzenten, denken über Interieur-Designs nach und stellen sich ihre Prints auf Porzellan vor. «Wir wollen uns vermehrt in Richtung Lifestyle-Brand bewegen», verrät mir Michael während der Autofahrt zu einem Meeting in Mailand. «Alles noch nicht ganz spruchreif …», knattert es geheimnisvoll im Hörer …

An Ebbe ist nicht zu denken, angesichts der Flut an Optionen. Gut zu wissen also, wie man «Mourjjan» ausspricht. Gerade dann, wenn man es sich dereinst in einer purpurnen Samthose auf dem Sofa bequem macht, die Kissen zurechtrückt und orientalischen Tee aus einer Tasse nippt – alles designt von «Mooour-schaaahh».

Ein Label im «Equilibrium»: Es sei an der Zeit, die Ausrichtung zu justieren.
Diesen Umbruch widerspiegle die jüngste Kollektion. (Foto: Alexander Palacios)

Die Kollektion «Caryatid» (Sommer 2017) von «Mourjjan» inszenierten wir eigens für unsere Modestrecke. Werft einen Blick auf die geometrische Grazie – bestimmt bleibt er hängen… Anlässlich des Fünf-Jahre-Jubiläums von «Mourjjan» sind die Highlights aller Kollektionen exklusiv im Showroom an der Kurhausstrasse
20 in Zürich erhältlich.