Auflösung: Wer steckt hinter den Arm-Tattoos?

«Zeigt her eure schmucken Arme», hiess es bei unserem Uhren-Wettbewerb. Endlich erfahrt ihr, welche Männer in der tätowierten Haut stecken und was sie zu den üppigen Sticheleien bewog. 

Juan Rivera: Experimente für ewig

Thun, Los Angeles, Zermatt: Juan Rivera ist immer auf Achse – oft auf jener seines Skatebords, denn der 33-Jährige führt ein Leben «im Flow». In seinem Tattoo-Studio «Floating Art», das er 2012 eröffnete, fliessen seine Faszinationen zusammen: die Wände sind mit Illustrationen tapeziert, daneben hängen Skateboard-Designs und die Tätowiermaschine schlummert – nur bis zum nächsten Stich. Seit neuestem saugt sich ein tätowierter Tintenfisch an Juans Haut fest.

«Das Meerestier symbolisiert meine spanischen Wurzeln», meint der skatende Tattoo-Künstler, «und ich fand es sinnig, weil ich mit Tinte arbeite». Unterhalb seiner Gürtellinie gilt vielmehr «Stichprobe» statt blanke Schönheit: Seine Beine betrachtet er als Experimentierfeld, auf dem auch unerfahrene Tätowierer Nadel anlegen dürfen. «Dabei entstehen schon mal verrückte Motive, aber an den Beinen ist mir das egal», schmunzelt er.

Juan trug am Shooting den «Freedom 60»-Chronografen von der Bieler Manufaktur «Norqain», der das goldene (Reise-)Zeitalter preist.

Moritz Glauser: Holz- und Hautkunst

Das «Tssiit, tssiit» des Hobels verstummt, Moritz Glauser gönnt sich eine Pause auf der Baustelle.
Bei seinem aktuellen Projekt in Gerzensee kann der Schreiner seine Leidenschaft für das Naturmaterial auf
300 Quadratmetern ausleben. Der Berner kreiert Möbelunikate, in denen Menschen schlafen, Kleider hängen – oder Pizzas duften: «Mangia Mangia», ein italienisches Take-away, war einer seiner grössten Aufträge bislang.
Am Anfang seiner Selbständigkeit sei es harzig gelaufen, mittlerweile müsse er zeitweise sogar einen Auftragsstopp verhängen.

«Das Holzatelier zu gründen, war die beste Entscheidung meines Lebens», stellt der 33-Jährige fest, der in seiner Freizeit in die Rennvelopedale tritt oder Basketball spielt. «Ich habe Freiheiten, die mich bereichern – unter anderem mehr Zeit für meine Tochter.» Bereut hat er hingegen sein erstes Tattoo am Oberarm, das er sich als 16-Jähriger stechen liess. Inzwischen liess er das Motiv abändern und um weitere Hautfarbakzente ergänzen. Wann er sich zum nächsten Mal unter die Nadel legt, ist ungewiss: Tätowieren sei anstrengend und im wahrsten Sinn «stechend», sodass es eine dicke Haut erfordere.

Moritz trug am Shooting «The Avigation BigEye» aus Edelstahl von «Longines» mit automatischem Uhrwerk, erhältlich bei Zigerli+Iff in Bern.

Kevin Schmid: Vegan mit Haut und Haar

Es sei ihm schnell langweilig, schliesslich habe er immer tausend Ideen im Kopf, sagt der 25-jährige Kevin Schmid. Das bezieht sich nicht nur auf seine rein pflanzlichen, doch währschaften Rezepturen für Burger, Sparerips oder Bowls, die er als Gründer von «Vegan Outlawz» austüftelt, sondern auch auf seine Tattoos.

Er bezeichnet manche Sujets als «offene Baustellen», denn dem Mitinhaber eines Spraydosenladens mit Tattoo-Studios, fehlt die Zeit, um sich weiter seiner Körperverzierung zu widmen. Schliesslich hat der Berner, der vor Jahren durch Freunde zur veganen Lebensweise fand, gerade beide Hände voll zu tun: Am 1. Juni eröffnet er mit seiner Crew das neue «Outlawz Diner» an der Speichergasse. Wie die Kreationen in der Küche entstehen auch seine Tattoos impulsiv: «Mir geht es darum, etwas aus dem Moment heraus zu schaffen, Charakter ist mir deshalb wichtiger als Perfektion.» Spontan entstand auch sein allererstes Tattoo: Mit 14 Jahren liess er sich auf Ibiza einen Stern auf den Bauch piksen.

Kevin trug am Shooting den Edelstahl-Chronografen «Aleph» des jungen Thuner Labels «AMMANN SWISS» , das Design und Uhrmacherkunst vereint.

 

Fabio Buttignol: Tätowierter Tausendsassa

«Ich wollte schon immer Koch werden», erinnert sich Fabio Buttignol, der als Schüler erste Schnippeleien in der Küche des Altersheims machte, das seine Eltern in Appenzell führten. Beim Ferienjob blieb es nicht: Seine gastronomischen Stationen reichen vom Fünfsterne-Luxusresort über das Berner Restaurant «Moment», das er mitbegründete, bis hin zur «Rösterei» – wo er heute Kaffeeliebhaber mit kunstvollen Cappuccinos «einschäumt».

Als wiss- und lernbegieriger Barista hat er sich der «Latte Art» verschieben. Doch Kunst entfaltet er nicht nur in der Kaffeetasse, sondern auch am Körper. «Ich betrachte meine Tattoos jeden Tag mit Freude im Spiegel», beschreibt der Kaffeekünstler, der seit seinem 16. Lebensjahr keinen «unbeschriebenen Body» mehr hat. Er stellt zwei bestimmten Tattoo-Profis, deren Symbol-Stil er bewundert, seine Haut als Leinwand zur Verfügung, schliesslich sollen diese ihrer Handschrift freien Lauf lassen. «Andere hängen sich Gemälde an die Wände, ich trage sie am Körper», lacht der 30-Jährige.

Fabio trug am Shooting  das Modell «Navitimer 1» von «Breitling» mit legendärem Zifferblatt und transparentem Gehäuserücken, erhältlich bei Bläuer in Thun.

Danny Schneider: Custombike-Ikone PS und Pigmenten

«Wrumm, wrumm, wrumm» – verglichen mit dem Dröhnen der Motorräder, die Danny Schneider in seiner Ostermundiger Manufaktur «Hardnine Choppers» massgeschneidert konstruiert, ist das Summen jeder Tätowiermaschine ein laues Lüftchen. Auf blutrotem Boden baut der Bümplizer rollende Stahlwesen, welche die Custom-Bike-Szene verblüffen und in den USA oder Japan längst Kultstatus erreichten.

Bis zu 800 Stunden Handwerk stecken in einem Zweirad – zusammengezählt sass er wohl rund halb so viele Stunden im Tattoo-Studio: Dem 45-Jährigen reichen die permanenten Bemalungen bis über den Hoodie-Kragen und -saum hinaus. Schraubt der Freizeit-Fliegenfischer und Vater einer Tochter nicht gerade meisterlich, sitzt er selbst auf rebellischsten Rädern – schliesslich war er bis zu einem Unfall Freestyle-Motocross-Profi auf Erfolgskurs. Frühzeitig ausgebremst, machte er aus der Not eine Tugend: Er brachte sich die Mechaniker-Fertigkeiten unermüdlich selbst bei.

Danny trug am Shooting das Modell «Clifton Club 10339» von «Baume & Mercier» mit schwarzer Lünette und Kautschukarmband, erhältlich bei Bijoux Stadelmann in Bern.


Nun wisst ihr, welches Tattoo welchen Typ ziert. Im «Behind the Scenes»-Video seht ihr, wie das eingespielte Fotografen-Team Lisa und Remo Ubezio die spannungsvollsten Szenen unseres Uhren-Shootings einfingen.