Vegane Pelzmode: Kaum zu fazzen

Wer gedanklich schon die Spray­dose zückte, kann sie getrost verbannen: «Faz» steht für Luxus ohne Leid. Die Flauschfelle wirken täuschend echt – dabei sind sie vegan.

 

Neonpinke Sprühfarbe erstickt das luchsbeige Edelhaar über die ganze Jackenbreite: 100 % faux. Was an die Tieraktivisten erinnert, die dem unethischen «Statussymbol» mit Farbattacken auf den Pelz rückten, ist eine Caprice der Designerin selbst. Mit dem Schriftzug, der sich nach der ersten Reinigung auflöst, macht Nadja Axarlis deutlich, wie täuschend echt ihre Fellkreationen aussehen. Die Zugstrecke Genf–Paris ist ihr Arbeitsweg: Nadja Axarlis besucht in der französischen Modehauptstadt regel­mässig das Atelier ihres Kürschners.

 

 

 Modestudentin in Montreal, Brand­managerin in Mailand, Einkäuferin in Genf – 
das alles war Nadja Axarlis, ehe sie vor drei Jahren ihr Label «Faz not fur» für vegane Pelzmode lancierte.

 

In der familiären Manufaktur, wo man zusammen in der Küche isst und Härchen durch die Luft wirbeln wie Pusteblumensamen, handfertigt er ihre Mäntel, Jacken und Westen auf Bestellung. Er ist einer der Letzten, welche das traditionelle Pelzcouture-Handwerk noch beherrschen. Und einer der Vielen, deren Nachfolge offen bleibt. «Er ver­arbeitet die Kunstfelle haargenau wie Echtpelze, mit denselben Werkzeugen und Schnitttechniken», erläutert die Genferin, was ihr «Faux fur» von jenem unterscheidet, das sie «cheap» nennt.

 

 

Caramelbraune Schösschenjacke «Ice Swan» von «Faz not fur», ausgezeichnet mit dem 
Gütesiegel «PETA approved» für vegane, tierleidfreie Mode.

Mit Savoir-faire legt der Kürschner Werkzeug am Webpelz an, den Nadja Axarlis in unermüdlicher Recherche in Nordfrankreich aufspürte. Haptik wie auch Volumen kommen dem echten Haarkleid ungeahnt nahe. Das ist das erklärte Ziel der 36-Jährigen: Fakes, die derart luxuriös sind, dass man sie für Originale hält. Genauso flauschig, genauso wärmend. Doch für ihre Entwürfe in Lamm-, Nerz- oder Fuchs-Erscheinung müssen keine Tiere leiden.

 

 

Beige Teddy-Jacke «Two Button Cuddle» aus 100 % Wolle und cremeweisse Variation mit drei Knöpfen. Ausgewählte Modelle sind bei Grieder in Zürich und Genf erhältlich.

 

Mit der perfekten Imitation entzieht sie dem Echtpelztragen jedwede Legitimation: «Niemand, der den Kuschellook liebt, muss auf richtiges Fell zurückgreifen – wenn es eine andere Möglichkeit gibt, ist es doch nichts als logisch, auf Grausamkeit zu verzichten.» Doch «Faux fur» galt grossstadtläufig als Fauxpas, zumal er sich meist in der Kategorie des Kitschs bewegt. Das brachte Nadja Axarlis – damals frischgebackene Mutter – auf die Idee, eine anschmiegsame Alternative zu schaffen, die selbst modebewusste Fellfanatiker überzeugt.

 

Khakifarbener Nerzimitat-Mantel «Dark Knight», designt in Genf und handgenäht in Paris
aus Materialien europäischen Ursprungs.

 

Die Designs sind geprägt von ihren eigenen Vorlieben: Ärmel sind lang genug, Kapuzen grosszügig geschnitten und Innen­taschen mit Samt gefüttert. «Man überwintert in einer Wolke», beschreibt sie das fluffige Tragegefühl. Und ist der Winter vorüber, bleibt «Fuzz» einfach im heimischen Schrank, während «Fur» kostspielig im Kühlhaus übersommern muss. «Skate Moss» oder «Oh my Deer» sind edelmütige Erbstücke, die man mit gutem Gewissen weiterträgt. Für einmal gilt: Vortäuschen erwünscht.

 

 

Die flauschigen Schönheiten von «Faz not fur» sind unter anderem bei Grieder am Waisenhausplatz 14 in Bern erhältlich.