Architektur: Generationen greifen ineinander

Seine Nachfolge hat Bruno Zeltner bereits geregelt – nicht aus Alters-, sondern aus Strategiegründen: Mit den Gebrüdern René und Mario Trachsel richtet er das Thuner Architekturbüro auf die Zukunft aus.  

Das Balkenwerk, durch das hie und da ein Thunersee-Lüftchen hindurchweht, kündet leise von dem, was einen drinnen erwartet: Eine Raumgestaltung, die über die Üblichkeiten des Denkens hinausgeht, aber ohne schwindelerregende Fantasterei. In der alten Scheune, wo einst Pferde wieherten und Kutschen parkiert waren, haben René Trachsel, dipl. Techniker HF, und Mario Trachsel, Architekt FH, nichts Geringeres als ihr Können ausgebreitet.  

Sachzwängen ein schönes Schnippchen schlagen: Raumgestaltung, 
die über die Üblichkeiten des Denkens hinausgeht. (Foto: Roland Trachsel)  

Dem Holzskelett haben sie zeitgeistiges Leben eingehaucht: Die Brüder bewohnen mit ihren Familien zwar zwei einzelne Wohnungen, doch sind diese durch gemeinsame Loggien verbunden. Eine Art zu wohnen, durch die sie sowohl die Gemeinschaft wie auch die Individualität pflegen. Ein Ausbau, der so raffiniert integriert ist, dass keine harten Übergänge spürbar sind. Wie beim Architekturbüro selbst, für das die Brüder fortan zwei tragende Pfeiler sind: Seit Januar 2019 beteiligen sie sich als Mitinhaber am Geschäft, das Bruno Zeltner bis anhin alleine führte. Mit dieser Verstärkung geht der Namenswechsel zu «Trachsel Zeltner Architekten» einher.  

Die Brüder René und Mario Trachsel sind (v. l.), zusammen mit Bruno Zeltner, Mitinhaber des
vierzigköpfigen Architekturbüros mit Standorten in Thun und Wimmis. (Foto: Nadine Strub)
  

Obwohl sein Ruhestand noch in weiter Ferne liegt, gar so unvorstellbar scheint wie ein fensterloses Haus, entschloss sich Bruno Zeltner zu diesem zukunftsweisenden Schritt. «Ich spürte, dass die beiden das Zeug dazu haben. Nicht zuletzt haben wir denselben Sportsgeist», sagt Bruno Zeltner. Selber ein passionierter Segler, weist er auf den Biss hin, den Mario Trachsel im Karate zeigt oder die Disziplin, die René Trachsel als Handballer an den Tag legt. «Das Gewinnbringende dieser frühzeitigen Nachfolgeplanung ist, dass wir im selben Boot sitzen», veranschaulicht Bruno Zeltner, «wir haben genug Zeit, um die Segel zu setzen.» Weiter sei der Sinneswandel, der mit dem oftmals grossen Altersunterschied zwischen Übergeber und Übernehmer einhergeht, nicht von jetzt auf gleich wettzumachen.  

«Trachsel Zeltner Architekten» sind ideenreich darin, greifbare Lösungen im öffentlichen,

privaten oder institutionellen Bereich zu erarbeiten. (Foto: Roland Trachsel)  

 Als er ihnen seine Vision eröffnete, zögerten die Brüder nicht lange, schliesslich stammen sie aus einerFamilie von selbstständigen Unternehmern – ein Arbeitsleben nach der Stempeluhr liegt ihnen fern. «Es ist ein Privileg, Erfahrungen schon in jungen Jahren zu sammeln, so wachsen wir in die Rollen hinein», meint Mario Trachsel, ursprünglich gelernter Zimmermann. «Lösungen Øndet man ohnehin nicht im Handbuch», ergänzt René Trachsel, der vor rund zehn Jahren – damals noch Maurer – zum Team stiess. Schon beim Bewerbungsgespräch hatte Bruno Zeltner ihn mit einem Hotelprojekt in das «kalte Wasser geworfen», was ihn nicht etwa abschreckte, sondern anspornte.  

«… wir verstehen uns als Generalisten, die den Blick auf das Gesamte bewahren», beschreibt
Bruno Zeltner die Ausrichtung des Architekturbüros. (Foto: Roland Trachsel)
  

Das ist es, was alle drei antreibt: Lösungen erdenken, die vielmehr praktikabel als nur prestigeträchtig sind – sei es bei einem Einfamilienhaus, einem Gewerbebau oder einem Strandbad. Die Realität fragt nicht immer nach einem Kunstwerk, aber oft nach Zweckmässigkeit. «In einer Branche, in der sich Zuständigkeiten mehr und mehr auf zig Einzelpersonen aufsplitten, verstehen wir uns als Generalisten, die den Blick auf das Gesamte bewahren», begründet Bruno Zeltner die Ausrichtung des Büros, das über die Architektur hinaus auch Baumanagement- und Verwaltungsaufgaben übernimmt. Genauso wie ein Einfall noch keine Umsetzung macht, macht ein Daumen noch keine Hand und ein einzelner Balken keine Decke. Es ist das Ineinandergreifende, das zum Ganzheitlichen führt.  


Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Trachsel Zeltner Architekten AG entstanden.
Foto: Reportage: Fotostudio Strub
ǀ Architektur: Roland Trachsel