(Aus-)leben lernen im idyllischen Schuldorf

Wo es aussieht wie in einem beschaulichen Feriendorf, macht niemand Ferien: Über Wissen hinaus vermittelt die «Ecole d'Humanité» Werte, die in Zukunft gefragter sind denn je.

Verschlungene Wege führen an einem Dutzend Chalets vorbei, malerisch eingebettet in das Wohltugrün von Wald und Wiesen. Wo es aussieht wie in einem beschaulichen Feriendorf, macht jedoch niemand Ferien: In den Schulzimmern beugen Jugendliche ihre Köpfe über wissenspralle Wälzer, später besuchen sie die Ateliers, wo sie sich im Silberschmieden oder Töpfern versuchen. Lernende aus allen erdenklichen Erdflecken von Brienz bis Bali besuchen die «Ecole d’Humanité» im Haslital.

Ein idyllisches Schuldorf im Haslital.
Schuldorf auf dem Hasliberg: Als Teil einer Gemeinschaft lernt man auch ausserhalb des Klassenzimmers dazu.

Doch das ist nicht die einzige Besonderheit: Vormittags beschäftigen sich die Lernenden in altersgemischten Kleingruppen mit akademischen Fächern, nachmittags stehen Kunst, Handwerk oder Sport auf dem Stundenplan – wobei auf dem «Stundenplan stehen» nicht «vorgeschrieben» bedeutet: Die ‹Ecolianer› gestalten ihr Lernprogramm selbst, begleitet von Tutorinnen und Tutoren. «Statt allen dieselben Anforderungen überzustülpen, geben wir jedem Individuum den Spielraum, sich Fähigkeiten im eigenen Tempo anzueignen», erklärt Bruno Geiger, Leiter Finanzen, Dienste und Internat. Ein Spielraum, in dem Heranwachsende ihre Neugierden ausleben und sich zu ihren Talenten vortasten – sei dies beim Theaterspiel, Schreinern oder Bergsteigen.

So auch Sascha Smolokovski, der von der Unterstufe bis zur Maturität im Internat weilte: Als er sich seinerzeit beim «Ecole»-Musical emsig um Licht und Ton kümmerte, entdeckte er seine Berufung, die er als Event-Techniker zum Beruf machte. Heute steht er an der Spitze eines Start-ups für Informationstechnologie, das er mit zwei ehemaligen Mitschülern gründete. «Die ‹Ecole› hat mich grundlegende Werte gelehrt wie Selbstständigkeit, Verantwortlichkeit und Zusammenhalt», meint der Unternehmer mit russischen Wurzeln. «Hier begegnet man Menschen jeden Alters und jeder Kultur auf Augenhöhe und motiviert sich gegenseitig», fügt er an. Wie alle Schüler entnahm er nicht etwa einem Zeugnis, wie es um seine Fortschritte stand. Er erfuhr es durch regen Austausch mit Lehrpersonen und umfassende Berichte. «Aus Zahlen lässt sich das Wesen nicht herauslesen – das merken zunehmend auch die Lehrbetriebe ...», stellt Bruno Geiger fest und verweist auf die «Future Skills 2020», die das Weltwirtschaftsforum jüngst definierte. Eigenschaften wie kritisches Denken und Kreativität führen die Ideal-Liste an. «Dahin führende, ganzheitliche ‹Kopf-Herz-Hand›-Ansätze verfolgt die ‹Ecole› schon seit über 100 Jahren, als Reformpädagoge Paul Geheeb sie gründete.»
Im Bergidyll,
 in das es ihn bis heute dann und wann zieht, hat Sascha Smolokovski mehr als sein Rüstzeug für die
(Job-)Zukunft erlangt: Er hat ein Stück Heimat gefunden. Da er während seiner Internatszeit eingebürgert wurde,
steht in seinem Pass: Heimatort Hasliberg.


Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit der «Ecole d'Humanité» entstanden.