Kleine Unternehmen: Grosses Herzblutvergiessen

An sie verliert man sein Herz – an die beschaulichen Boutiquen, die charmanten Cafés und die Manufakturen, bei denen man die Inhaber mit Vornamen kennt. Und man will sein Herz nicht zurück, schon gar nicht nach der Krise: Diese neuen Initiativen halten den Puls der lokalen Kleinunternehmen am Schlagen.  

Support Small Labels: Kleine grosszügig unterstützen

Taten statt Trübsal blasen – das sagten sich eines Abends Pauline Treis vom nachhaltigen Modelabel «Jungle Folk» und Matthias Hachen, der unter «Park Bags» Lederaccessoires kreiert. Tags darauf schalteten sie die Community-Seite «Support Small Labels» auf, die zur virtuellen Shopping-Tour bei über zwanzig unabhängigen Schweizer Labels einlädt. «Labels, hinter denen einzelne, mutige Menschen stehen –­ keine Aktionäre, Algorithmen oder Boards…», beschreiben die Initianten. Ist man unschlüssig, ob der Mesh-Ring von Hana Kim der Freundin in Silber oder Gold besser gefällt, wählt man einfach einen Gutschein. Das Print-Kleid von «Komana» bestellt man vor, damit es anziehbereit ist, sobald der sehnliche Spaziergang an der Seepromenade möglich ist... Übrigens: Auch Weiterempfehlen ist ein Akt der «Kleinstenliebe».


Go on Locals: Kreativkopf hoch – und weiter!

Der versteckte Schmuckladen, in dem an sich das verehrte Erbstück der Grossmutter umändern liess, der Kleiderladen, deren Inhaberin weiss, was passt wie angegossen oder der Blumenladen, dank dem jeder welke
Tag erblüht... Sie alle sind jetzt zu geschlossenen Türen gezwungen. Damit sie 
diese nach dem Lockdown wieder willkommensbreit öffnen können, haben sich Bernerinnen und Berner zusammengetan und die Plattform
«Go on Locals» initiiert. Per Klick bestellt man Gutscheine oder spendet einen Batzen. So trägt man unter anderem dazu bei, dass im «Apfelgold» der Ofen nicht aus geht (Stichwort: Schoggi-Bombe!), Bühnen in Kulturlokalen nicht leergefegt sind und der «Bazaar58» nicht zugeknöpft bleibt…  Die Power-Parole: Jetzt erst recht!

Kuchenstücke vom Berner Café «Apfelgold».
Machen den Lockdown leckerer: Kuchenkreationen von «Apfelgold».

Bärn hiuft: Heute helfen, morgen geniessen

«Lädele» in Berns Gässchen ist eine Liebe, die keine Krise kennt. Um das bärenstark zu bekräftigen, haben verschiedene Verbände und Organisationen die Solidaritätsaktion «Bärn hiuft» auf die Pranken gestellt. Bis unter den Lauben wieder Leben einkehrt, unterstützt man seine Lieblingsgeschäfte unkompliziert mit dem Kauf von Gutscheinen. Klicken, was jetzt kitzelt – zum Beispiel eine krisenresistente Kostbarkeit von der «Silberschmiede Schediwy», optimistenbunte Frühlingslooks von «Zana» oder laubengänige Lieblingspumps von «schuhkult» – und den Gutschein euphorisiert einlösen, sobald der Lockdown dem keine Pflastersteine mehr in den Weg legt … 

Perlenohrstecker aus der Berner Silberschmiede Schediwy.
Sich schmücken statt schniefen: Für-immer- Schmuck aus der «Silberschmiede Schediwy».

Local Hero: Eine Zeit, die nach Helden ruft…

Mitte April ging die Plattform «Local Hero» online, lanciert von der BKW: 100 000 Franken sollen ausgewählten Berner und Solothurner Kleinunternehmen Flügel verleihen. Nach der Vorselektion sind fünf Firmen, deren Projekte auch nach der Krise Bestand haben sollen, in der nächsten Runde. Einer der Finalisten ist «Foodathome», der Lieferservice für pflanzenbasierte Produkte. Schliesslich entscheiden die Stimmen aus der Bevölkerung, wie die Support-Summe aufgeteilt wird. Überdies bringt «Local Hero» homeofficebedingt Schlaffgewordene mit Fitmachern zusammen, vereint Besitzer von leeren Vasen mit Floristen oder Dauerhungrige mit Delikatessen-Lieferanten.


Mo Studio: Kuratierte Kleinserien 
Die Vision für die Kunst- und Design-Plattform hatte Lea Moser lange bevor man sich in Sterillium suhlen musste… Nach einem intensiven Prozess lancierte die Berner Fotografin ihr klickbares Kunstwerk: das «Mo Studio», das Ausgesuchtes von lokalen Designern und Künstlern in den Fokus rückt. Sie beweist ein Händchen für Dinge, die chic und charaktervoll sind. Ihre Plattform offenbart sich als inspirierendes Puzzle, das Hintergrundgeschichten aufdeckt. So erfährt man, dass Julia Sager mit ihren «Sofft»-Kissendesigns daran erinnern will, dass «Morgen» ein Ort für alle ist. Oder dass Marcel Krummenacher, der Gründer von «Studio Sediment», für seine Keramik fast vergessene Techniken neu belebt. Authentizität, die gerade in unsichere Zeiten Halt gibt.  

Fehlt da was? Wenn ihr eine weitere Support-Plattform kennt, die sich in diese Übersicht einreihen soll, meldet euch gerne bei der Redaktion.