Flaschenpost vom Modelabel «Sanikai»

Die Mode von Sanaz und Kai Wasser ist mehr als einen (Plas-)Tic nachhaltiger: Sie besteht aus Materialien wie recycelten PET-Flaschen. 

Sie treiben dahin, frei von Eile und Ziel, denn die Wogen bestimmen die Geschwindigkeit – sie tragen eine gewichtige Botschaft in sich, welche deren Entdecker leicht erreicht. Die Gründe, Flaschen wegzuwerfen, sind weit weg von der romantischen Vorstellung, eine fremde Person würde sie auffischen: Man trinkt sie aus, presst die Luft heraus und entsorgt sie – schweizweit rund 37 Tonnen im Jahr. Zwar tragen diese­ Gefässe keine Message in Form von Papierröllchen in sich, wohl aber ideell: Verantwortung übernehmen für den Planeten. Das entspricht der gelebten Philosophie des Zürcher Labels «Sanikai», dessen Kleidung ausschliesslich aus nachhaltigen Materialien besteht.

 Beispielsweise entfalten sich zerknüllte PET-Flaschen in neuer Sinnhaftigkeit als seidenartige Stoffe – oder Kokosnussschalen funktionieren als Knöpfe. Das Konzept der Designerin Sanaz Wasser, die das ­Unternehmen mit ihrem Mann Kai Wasser führt, ist so durchsichtig wie die Flaschen selbst: Sämtliche Roh- und Reststoffe stammen aus Europa, um die Transportwege möglichst überschaubar zu halten. Textiltalente des Thuner «Nähwerk IDM» verarbeiten die organischen Stoffe von Kalkweiss bis Himmelbau zu Röcken oder Volant-Tops. «Der persönliche Kontakt ist wertvoll für eine gute Zusammenarbeit», beschreibt die Designerin, der das Summen der Nähmaschine alt­vertraut ist.

Bevor sie mit fünf Jahren in die Schweiz migrierte, lebte sie im iranischen Isfahan bei ihrer Grossmutter, die zeitlebens eine mutige, westlich orientierte Schneiderin war. Obschon Sanaz seit jeher ebenfalls von einem schöpferischen Beruf träumte, absolvierte sie auf Anraten ihrer Familie eine KV-Lehre. Über die Werbebranche näherte sie sich ihrem Wunsch an, ihre Kreativität fliessen zu lassen.

Mit 29 Jahren entschied ­sie sich schliesslich zum Fashion­design-Studium an der Schweizerischen ­Textilfachschule. Das Resultat ihrer Diplomarbeit: «Sanikai». Die damalige Theorie reifte zur Tat heran: Eine positive und fürsorgliche Haltung ­gegenüber der Umwelt, innig wie eine Umarmung. Denn diesbezüg­liche Entscheidungen sind «irrever­sible», wie der Titel der aktuellen Sommerkollektion lautet. Rauscht man in der Kreation «Riva» dem Ufer entlang, ist die Botschaft nicht nur angekommen, sondern spürbar auf der Haut – Wasser auf die Mühlen des Nachhaltigkeitsbewusstseins.

Wasserdichtes Konzept: «Sanikai» – eine Wort­­schöpfung

aus den Namen Sanaz und Kai Wasser – schaffen aus

Kunst­stoff tragbare Kunst­stücke, ausschliesslich vegan

und nachhaltig produziert

Save the Date:

Die Mode von «Sanikai» ist in Bern in den Boutiquen «Rytz» und «Stoor» erhältlich. Zudem ist sie am 25. Mai an der «Loufmeter»-Modeschau zu sehen, die um 14 Uhr auf dem Kornhausplatz startet. Gerade noch in Berns Gassen an einem vorbeigerauscht, ersteht man sein Lieblingsstück gleichentags am Modeverkauf von 11 bis 18 Uhr im Kornhausforum (100 % der Einnahmen gehen direkt an die Labels).