E-Mobilität: «Testfahrt bremst Vorurteile aus.»

Um die erklärte CO₂-Neutralität zu ­erreichen, braucht es nichts Geringeres als eine elektrische Revolution: Garagist Patrik Burkhardt über Volt, Vollhybride und verrostete Vorurteile.

«Viele Vorbehalte sind überholt – spätestens nach einer Probefahrt», verheisst Patrik Burkhardt. Der Geschäftsführer der Spiezer «Schönegg Garage» ist seit 25 Jahren in der Autobranche tätig.

C0₂-neutral bis 2050 lautet das definierte Pariser Klimaziel: Hat die Autobranche überhaupt eine Wahl?
Nein, was das Ziel anbelangt nicht. Aber wir haben eine Wahl innerhalb der Wege, die dorthin führen. Wir müssen
mit den Ressourcen auf der Welt anders umgehen: So geht es schlicht nicht weiter. Ich plädiere dafür, die Tatsachen zu akzeptieren und zu überlegen, wie sie veränderbar sind. Die Chancen einer Umstellung muss man sehen wollen und irgendwo einen Anfang machen. Sicher gibt es noch unbeantwortete Fragen, aber diese müssen uns nicht vom Handeln abhalten.

Sind alternative Antriebskonzepte die Zukunft?
Es braucht eine Revolution wie damals,  als man im Zeitalter der Kutsche den Motorwagen erfand. Heute fahren 5 von 1000 Autos mit E-Motor, in 20 Jahren soll es umgekehrt sein. Bisher musste man den E-Antrieb explizit mitbestellen, doch das ändert sich nun: «Ford» elektrifiziert ab sofort jedes Modell serienmässig, ob Personen- oder Nutzfahrzeug. Mit dem Ziel, dass 2050 die Mehrheit der Autos elektrisch unterwegs ist.

Welche Hybrid-Varianten gibt es?
Es gibt drei Varianten: zum einen «Mild-Hybrid», was bedeutet, dass der herkömmliche Verbrennungsmotor an einen unterstützenden 48-Volt-Elektro­motor gekoppelt ist – man fährt zwar nie rein elektrisch, spart aber Treibstoff ein. Zum anderen «Hybrid», der über beide Antriebsarten verfügt, wobei die Fahr­distanz mit reinem Elektromotor bis zu 50 km beträgt. Man fährt elektrisch, hat aber sozusagen immer einen Reserve­kanister dabei. Schliesslich gib es den «Plug-in-Hybrid», den man dem Wort gemäss via Steckdose auflädt. Man kann mit Benzin fahren oder aber vom Start weg auf die volle elektrische Leistung zugreifen.

Wo lädt man die Batterie auf?
Am einfachsten ist es zuhause über die Steckdose, wo man zirka Strom für 14 km innert einer Stunde auftankt. Effizienter erfolgt es mit einer «Ford Wallbox» mit einer Kapazität von 62 km pro Stunde. Die dritte Möglichkeit bieten öffentliche Ladenstationen – wie etwa «Ionity»-Strom­tankstellen mit einer Leistung von 93 km in zehn Minuten.

Oft wird moniert, es gebe kaum Lade­stellen …
Das ist für mich eine Huhn-Ei-Frage: Braucht es zuerst genügend Ladestati­onen oder zuerst genügend E-Autos,
die ein dichtes Netz von Ladestationen unerlässlich machen? Ausserdem sind die öffentlichen «Stromtankstellen» eher als Ergänzung anzusehen, zumal weniger als 20 % der Ladungen unterwegs erfolgen.

… und das Laden dauere viel zu lange.
Man rechnet damit, dass bis 2030 ein Akku für 400 km Reichweite innert fünf Minuten aufladbar ist. Dann geht es gleich schnell, wie wenn man Benzin an der Zapfsäule tankt. Überdies ist es nicht ganz mit Tanken gleichzusetzen, denn E-Autos lädt man zu Standzeiten, während man arbeitet, einkauft oder schläft. Wichtig erscheint mir, dass
man sauberen Strom aus erneuerbaren Energiequellen einspeist. Nur dann gelingt es, den ökologischen Fussabdruck nachhaltig zu verkleinern.

Mit dem E-Auto auf der Strasse stehenbleiben – was ist dran am Mythos der mangelnden Reichweite?
Eine unbegründete Sorge, gerade in der Schweiz, wo sich die durchschnitt­liche Distanz pro Auto und Tag auf 32 km beläuft. Wer also mit dem Auto zur Arbeit fährt, benötigt eine tägliche Reichweite von 100 km. Das meistern die heutigen E-Modelle bereits problemlos, wobei die Entwicklung längst nicht abgeschlossen ist. In Zukunft sind Reichweiten von bis zu 600 km real – dann reicht ein voller Akku bis ans Meer!

Elektrisch in die Zukunft: Jedes neue Fahrzeug von «Ford» ist fortan mit einem E-Antrieb ausgestattet – effizient an öffentlichen «Stromtankstellen» oder zuhause aufzuladen, z. B. via «Wallbox». Weitere Auskünfte und Probefahrten in der Schönegg Garage in Spiez.

Elektrisch bis ans Meer – trotz­dem zeigen sich viele skeptisch. Wo klemmt denn das Rädchen bei der Umstellung noch?
In den Köpfen der Leute, die E-Autos ­noch immer für unattraktiv halten! Im Gegensatz zu früher sieht man den Autos das E nicht mehr an, wie neuste Sport­modelle wie der vom legendären Mustang inspirierte «Mach-E» demonstrieren –
er beschleunigt von 0 auf 100 km/h in weniger als acht Sekunden. Auch jenen, die den Motorensound vermissen, gehen die Ausreden aus: Das vertraute Brummen programmiert man synthetisch.

Wie steht es um den Vorbehalt punkto Fahrgefühl?
Drückt man bei einem E-Auto auf das Gaspedal, geht es ab wie eine Rakete! Die Kraft überträgt sich eins zu eins auf die Räder. Als ich vor drei Jahren das erste rein elektrische Auto testete, war ich verblüfft, wie kräftig es mich beim Anfahren in den Sitz gedrückt hat. Die Kombination der Antriebe wie bei  Mild-Hybriden macht das Erlebnis
sogar spritziger.

Wie überzeugen Sie vehemente Kritiker?
Indem ich sie zu einer Probefahrt ein­lade – das Schöne ist ja, dass ich Emotionen zum Probieren geben kann. Es liegt mir fern, jemanden zu überreden. Vielmehr möchte ich aufklären: Viele in den Köpfen herumgeisternde Aber sind unbegründet und halten Fakten nicht stand. Warum verurteilen, was man selbst nicht ausprobiert hat? Vom Hörensagen lernt man lügen …

Was stimmt Sie zuversichtlich, dass der grosse Schritt gelingt?
Ich bin überzeugt, dass sich für die Welt durch diesen Wandel etwas verbessert. Man kann sich dagegen sträuben, aber die Entwicklung ist unaufhaltsam. Für jede Mobilitätsart ist eine sinnvolle Alternative gefragt, nicht zwangsläufig eine elektrische. Bestimmt wird es noch andere innovative Antriebsarten geben, wie Wasserstoff.

Wie steht es um die Nachhaltigkeit Ihrer Garage?
An der Weihnachtsfeier habe ich meine Philosophie verlautet: die CO₂-Bilanz verkleinern. Die Mitarbeitenden habe ich dazu angeregt, ihr Umfeld darauf zu sensibilisieren. Bis zum 50-Jahr-Jubi­läum im nächsten Jahr will ich das Dach mit Solarzellen versehen. 

Wie wollen Sie den eigenen Solarstrom nutzen?
… zum Laden der Autobatterien! Braucht man den E-Motor tagsüber doch nicht, speist man den Strom zurück in das Haus, um damit zu heizen oder sich die Haare zu föhnen. Das Ziel ist, das E-Auto als Speicher einzusetzen.

Solarpanels auf dem Dach, E-Auto in der Garage – und gut ist?
Mitnichten! Nur, wenn man die ganze Wertschöpfungskette von der Entwicklung der Autos, der Ressourcen-Gewinnung, dem Fahren und schliesslich dem Recyceln miteinbezieht, gelingt die CO₂-Neutralität. Technologisch
ist es machbar, nun liegt es in unserer Ver­antwortung, es zu leben. ■ 


Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit der «Schönegg Garage» entstanden.